12.10.2018 - Kommentare

Rückkaufwetter


Wenn Warren Buffett mit seinen Prinzipien bricht, dann muss das Wetter an den Kapitalmärkten schon außergewöhnlich sein. Normal tätigt das Orakel aus Omaha nur selten Aktienrückkäufe und hat strikte Regeln, wann sie für ihn in Betracht kommen. Doch jüngst hat er angekündigt, mit seinen selbst auferlegten Regeln zu brechen und Rückkäufe zu tätigen, auch wenn die Voraussetzungen nicht gegeben seien.

Was macht Aktienrückkäufe so besonders?

Ein Unternehmen erwirbt seine eigenen Aktien am Kapitalmarkt, um sie anschließend aus dem Verkehr zu ziehen. Es gibt folglich weniger Aktien unter denen der Gewinn aufgeteilt werden muss. Der Kuchen bleibt gleich groß, nur die Anzahl der Stücke, in die er geschnitten wird, reduziert sich. Folglich müssen die Stücke größer werden, also der Aktienkurs steigen.

Klingt soweit erst mal ganz gut. Gibt es auch einen Haken?

Das Problem an Aktienrückkäufen ist, dass Geld ausgegeben wird, dafür aber keine neuen Assets angeschafft werden. Es wird lediglich ein höherer Aktienkurs erkauft, aber keine Güter angeschafft, die zukünftig Erträge erwirtschaften könnten. Das Geld ist permanent fort, der höhere Aktienkurs könnte aber nur von kurzer Dauer sein.

Daher sollten Aktienrückkäufe nur das Mittel letzter Wahl sein. Bevor zu dieser Maßnahme gegriffen wird, müssen alle Investitions- und Akquisitionsmöglichkeiten ausgeschöpft und die Bilanz solide sein, also die Kasse hinreichend gefüllt und Schulden weitestgehend getilgt.

Aktuell steuern die Aktienrückkäufe deutscher Großkonzerne auf ein neues 10-Jahreshoch zu. 5,7 Mrd. Euro wurden im Rahmen aktueller Rückkaufprogramme umgesetzt und weitere 7,0 Mrd. Euro wurden bereits angekündigt. Somit umfassen die aktuellen Rückkaufprogramme 12,7 Mrd. Euro. Es ist nicht auszuschließen, dass sich weitere Unternehmen einreihen werden und das Gesamtvolumen sogar noch weiter steigen wird.

Warum entscheiden sich deutsche Unternehmen aktuell für Aktienrückkäufe und gegen Investitionen, Zukäufe, Schuldentilgung oder eine Sonderdividende?

Ein Blick auf das Marktumfeld zeigt, dass Investitionsaktivitäten jüngst nicht besonders hoch und die Unternehmen hingegen eher akquisitiv unterwegs waren. Allerdings stellt sich angesichts der fortschreitenden Digitalisierung, künstlicher Intelligenz, autonomem Fahren, etc. die Frage, ob die Bandbreite an Investitionsmöglichkeiten wirklich ausgeschöpft ist. Nur wer hinreichend in neue Strategien, Technologien oder Personal investiert, hat später die Chance, die Früchte zu ernten. Haben wir es vielleicht eher mit mangelnder wirtschaftlicher Kreativität zu tun?

Kurzfristig eine höhere Dividende zu zahlen, ist kein beliebtes Mittel. Sie müsste ohnehin erst von der Hauptversammlung genehmigt werden, welches dem Management die Flexibilität nimmt. Auch möchte man nicht, dass die Dividendenzahlungen volatil sind.

Das niedrige Zinsniveau hat Anleihenkurse stark steigen lassen und die Zinsbelastung deutlich gesenkt. Schulden vorzeitig zu tilgen ist daher entweder teuer oder bringt keine besondere finanzielle Entlastung.

So scheinen Aktienrückkäufe das Mittel der Stunde zu sein. Man darf gespannt erwarten, wie viele Unternehmen sich noch einreihen werden und zu Aktienrückkäufen greifen werden. Der letzte Rückkauf-Höchststand wurde im Jahr 2008 mit 16 Mrd. Euro erreicht. Damals wurden kurz vor der Krise die eigenen Titel zu Höchstpreisen erworben. Bereits kurze Zeit später brachen die Kurse ein. Es fehlte anschließend an liquiden Mitteln und einige Unternehmen mussten sogar Kapital neu aufnehmen, also den Kuchen in noch mehr Stücke aufteilen. Ein ungünstigeres Timing für Rückkäufe war im Nachhinein kaum denkbar.

So bleibt zu hoffen, dass Warren Buffett die Wetterlage an den Kapitalmärkten richtig einschätzt und das aktuelle Marktumfeld tatsächlich für Aktienrückkäufe optimal ist. Solang dies gut läuft, freuen sich Unternehmen und Anleger über einen größeres Stück vom Kuchen und steigende Kurse.

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