FvS Vermögenspreisindex für die Eurozone


Q3 und Q4 2017: Die europäische Vermögenspreisrally

Zum Ende des Jahres 2017 stiegen Vermögenspreise in der Eurozone um 5,7% im Vergleich zum Vorjahr an. Dies ist die höchste gemessene Inflationsrate seit 2007. Unter den Ländern der Eurozone wies Portugal die höchste Preiswachstumsrate auf (+9.8% in Q4 im Jahresvergleich) und Finnland die niedrigste (+1.4% in Q4). In Italien und Griechenland stabilisierten sich die Vermögenspreise nach 10 Jahren Deflation erstmals wieder. Die Inflationsrate war dort weiterhin niedrig jedoch positiv.

Das dritte und vierte Quartal 2017 waren durch eine hohe Vermögenspreisinflation gekennzeichnet. Der Preisindex für die Eurozone stieg im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 5,1% an. Bis zum Ende des dritten Quartals war dies die zweithöchste Inflationsrate der letzten zehn Jahre.

Im vierten Quartal stieg die Vermögenspreisinflation auf ein neues Zehnjahreshoch und übertraf damit sogar den jüngsten Rekord aus dem zweiten Quartal 2017. Die Preise der Vermögenswerte der europäischen Haushalte stiegen um 5,7%. Seit 2007 sind die Preise nicht mehr so schnell gestiegen. 

Im Gegensatz zur Vermögenspreisinflation blieb die Verbraucherpreisinflation relativ niedrig. Die Preise für Konsumgüter stiegen im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 1,5% und im vierten Quartal 2017 um 1,4%. Daher ist die Differenz zwischen den beiden Inflationsraten nach wie vor recht hoch.

Das Sachvermögen bleibt der dominierende Faktor für die Vermögenspreisinflation. Hierunter sind das Geschäftsvermögen und die Immobilien die wichtigsten Treiber.

Zum Ende des vierten Quartals stiegen die Preise für Geschäftsvermögen im Vergleich zum Vorjahresquartal um 27,1%. Dies ist die höchste Inflationsrate aller Anlagekategorien im zweiten Halbjahr 2017.  Immobilienpreise stiegen im dritten und vierten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 3,8% bzw. 4,1%. Die Preise für langlebige Gebrauchsgüter stagnierten, während die Sammel- und Spekulationsgüter im Vergleich zum Vorjahr um 2,1% zurückgingen.

Während der Preis des Finanzvermögens im dritten Quartal 2017 um 0,3% zurückging, stiegen die Preise im vierten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 0,6%.

Preise der Rentenwerte sanken im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 4,7% und im vierten Quartal um weitere 1,0%. Gegenläufig entwickelten sich die Aktienpreise, die im dritten und vierten Quartal um 13,6% bzw. 11,3% gegenüber dem Vorjahr zulegten. Das sonstige Finanzvermögen, gemessen am Gold- und Rohstoffpreisen, gab in beiden Quartalen nach. Im dritten Quartal fiel der Preis um 7,0%. Dies ist der stärkste Preisrückgang aller Assetklassen in der zweiten Jahreshälfte.

In allen südlichen Ländern der Eurozone (Italien, Griechenland, Portugal und Spanien) stiegen die Vermögenspreise.

Allen voran stiegen die Preise für die Vermögenswerte portugiesischer Haushalte um 9,8% im vierten Quartal 2017 im Vergleich zum Vorjahr. Dies ist die höchste Preissteigerungsrate aller Länder der Eurozone, getrieben durch Immobilienpreise und Betriebsvermögen, die sich beide um mehr als 10% verteuert haben. Portugal gehörte bereits im ersten und zweiten Quartal 2017 zu den Ländern mit der höchsten Vermögenspreisinflation.

In Spanien lag die Vermögenspreisinflation in Q3 bei 5,4% und in Q4 bei 6,0%. Getrieben wurde die Inflation von den hohen Preisanstiegen für Immobilien.

Italien und Griechenland wiesen die niedrigsten Inflationsraten aller südlichen Länder auf. In Italien stiegen die Vermögenspreise im vierten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 1,9%. Diese niedrige Wachstumsrate ist durch die seit sechs Jahren in Folge fallenden Preise für italienische Immobilien begründet. Im Jahr 2017 lag die Wachstumsrate jedoch nur noch leicht unter null Prozent, während sie in 2013 noch bei -6,0% lag. Während die Preise griechischer Vermögenswerte seit 2008 gefallen waren, begannen sie sich 2017 zu stabilisieren. Im dritten Quartal lag die Vermögenspreisinflation in Griechenland bei 2,3% und im vierten Quartal bei 1,6% gegenüber dem Vorjahr. Der Preiseinbruch bei Immobilien scheint zum Erliegen gekommen zu sein, während sich die Preise griechischer Rentenwerte und für Geschäftsvermögen erholten.

Im Durchschnitt stiegen die Vermögenspreise in den nördlichen Ländern der Eurozone (Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Niederlande und Österreich) im vierten Quartal um 6,5% gegenüber dem Vorjahr an. Damit hat sich der Abstand zwischen den Nord- und den Südländern verringert.

Die Nordländer bringen dabei sehr unterschiedliche Inflationsraten hervor. In Finnland ist die Vermögenspreisinflation am geringsten. Zuletzt lagen die Preise um 1,4% über dem Vorjahresniveau.  Die Preissteigerung aller finnischen Anlageklassen blieb unterhalb von 4%, mit Ausnahme der Aktienkurse, die gegenüber dem Vorjahr um 8,3% anstiegen. Der Preis für finnische Immobilien stieg im vierten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 1,2% an.

In Belgien stiegen die Preise der Vermögensgüter privater Haushalte im dritten Quartal um 3,1% und im vierten Quartal um 3,5% gegenüber dem Vorjahr an. Frankreich, Deutschland und die Niederlande wiesen alle relativ hohe Inflationsraten auf (6,3%, 7,3% bzw. 6,7% im vierten Quartal). In allen drei Ländern lag die Inflationsrate des Betriebsvermögens in Q3 und Q4 bei über 20%. Zusätzlich stiegen die Immobilienpreise in den Niederlanden um mehr als 8%.

Die höchste Vermögenspreisinflation wurde in Österreich gemessen. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Preise für das Vermögen der österreichischen Haushalte um 7,7%. Die Inflationsrate ist das Ergebnis stark steigender Preise für Betriebsvermögen, Immobilien und Aktien.

In der zweiten Jahreshälfte 2017 blieb die Verbraucherpreisinflation niedrig. Im dritten Quartal stieg der HICP für die Eurozone gegenüber dem Vorjahr um 1,5% an. Im zweiten Quartal lag er mit 1,4% etwas darunter. In allen Ländern der Eurozone ist die Verbraucherpreisinflation niedriger als die Vermögenspreisinflation.

Die Verbraucherpreisinflation lag in den einzelnen Ländern zwischen 0,8% und 2,4%. Die höchste Verbraucherpreisinflation wurde in Österreich verzeichnet (2,4% bzw. 2,3% gegenüber Q1 und Q2 des Vorjahres), gefolgt von Belgien (2,0% bzw. 2,1%). Zum zweiten Mal in Folge weist Finnland die niedrigste HICP-Wachstumsrate der Eurozone auf. Die zweitniedrigste Wachstumsrate bei den Verbraucherpreisen wurde in Griechenland verzeichnet. Die Preise für Konsumgüter stiegen dort im dritten Quartal um 0,8% und im vierten Quartal um 1,0% gegenüber dem Vorjahr.

Aufgrund der hohen Vermögenspreisinflation in Portugal betrug die Differenz zwischen der Vermögens- und der Verbraucherpreisinflation 7,9%, welches die größte Differenz in der Eurozone darstellt.