FvS Vermögenspreisindex für die Eurozone


Q1 und Q2 2018: Vermögenspreisinflation setzt sich fort

Im ersten und zweiten Quartal 2018 ist die Vermögenspreisinflation im Euroraum weiterhin robust, aber etwas niedriger als im Jahr 2017. Die höchste Inflationsrate ist in Portugal zu verzeichnen und die niedrigste in Italien.

Das erste und zweite Quartal 2018 war durch eine robuste, aber rückläufige Vermögenspreisinflation gekennzeichnet. Bis zum Ende des ersten Quartals lag der Preisindex für die Eurozone um 4,4% höher als im gleichen Quartal des Vorjahres. Zum Ende des folgenden Quartals (Q2-2018) betrug die Inflationsrate der Vermögenswerte 3,4%. Ende 2017 lag sie noch bei 5,8%. Damit ging die Inflation drei Quartale in Folge zurück.

Im Gegensatz zur Vermögenspreisinflation blieb die Verbraucherpreisinflation relativ niedrig. Die Preise für Konsumgüter stiegen im ersten Quartal um 1,3% und im zweiten Quartal 2018 um 2,0% gegenüber dem Vorjahr. Im Vergleich zu den Vorquartalen ist die Differenz zwischen den beiden Inflationszahlen kleiner geworden, beträgt aber immer noch etwa zwei Prozentpunkte. Die in der Abbildung dargestellten Entwicklungen deuten darauf hin, dass die aggressivere Lockerung der Geldpolitik der EZB seit 2014 vor allem die Vermögenspreise angekurbelt hat.

Das Sachvermögen ist der dominierende Faktor für den Gesamtindex. Innerhalb des Sachvermögens geben das Betriebsvermögen und Immobilien den Ton an.

Zum Ende des zweiten Quartals stiegen die Preise für Betriebsvermögen im Vergleich zum Vorjahresquartal um 6,8%. Obwohl dies bereits eine hohe Inflationsrate darstellt, lagen die Inflationsraten für das Betriebsvermögen 2017 das ganze Jahr über im zweistelligen Bereich.

Die Immobilienpreise im Euroraum stiegen im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 4,3%, während die Preise für langlebige Konsumgüter stagnierten (+0,4%). Der Preis für Sammel- und Spekulationsgüter sank im Vergleich zum Vorjahr um 3,3%. Dies ist der dritte Preisverfall in Folge.

Die Preise für Finanzgüter gaben im ersten und zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr nach. Innerhalb des Finanzvermögens war der Preisverfall bei den sonstigen Vermögenswerten mit -8,4% im ersten Quartal am stärksten. Auch Anleihekurse sanken in beiden Quartalen. Während Aktien im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um einen Prozentpunkt stiegen, stagnierten sie gegen Ende des zweiten Quartals jedoch.

Die Preise für Vermögenswerte portugiesischer Haushalte wiesen erneut die höchste Preissteigerungsrate auf. Die Preise stiegen im ersten Quartal 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 11,3% und im zweiten Quartal um 9,0%. Die hohe Inflationsrate beruht auf den Immobilienpreisen, die um mehr als elf Prozent gestiegen sind. Portugal gehörte bereits 2017 zu den Ländern mit der höchsten Vermögenspreisinflation.

In Spanien lag die Inflationsrate der Haushaltsvermögen im ersten Quartal bei 4,5% und im zweiten Quartal bei 5,0%. Wie in Portugal sind auch hier steigende Immobilienpreise der Hauptgrund für die Inflationsrate.

Die Vermögenspreisinflation in Griechenland blieb auf einem niedrigen Niveau und bewegte sich zwischen 2,2% im ersten und 1,2% im zweiten Quartal 2018. Griechische Immobilien wurden etwas teurer (+1,2%) und die Preise für griechische Anleihen stiegen im Jahresvergleich um 12,3%.

Italien ist das Land mit der niedrigsten Vermögenspreisinflation im Euroraum. Im ersten Quartal 2018 stiegen die Preise um 0,7% und stagnierten im zweiten Quartal (-0,1%).

Die Vermögenspreisinflation für die nördlichen Länder der Eurozone lag zwischen 0,0% in Finnland und 6,8% in den Niederlanden.

Wie in den Vorquartalen blieb die Vermögenspreisinflation in Österreich hoch. Die Preise für das Vermögen der privaten österreichischen Haushalte stiegen im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 6,0% und im zweiten Quartal um 4,0%.

Die Vermögenspreisinflation blieb in Belgien positiv, aber niedrig mit Preissteigerungsraten von 1,6% im ersten Quartal und 2,2% im zweiten Quartal.

Die Preise für finnische Vermögenswerte stagnierten in den ersten beiden Quartalen 2018. Über alle Anlagekategorien hinweg waren die Preisänderungen nahe Null. Einzige Ausnahme stellt das sonstige Finanzvermögen dar, dessen Preis im ersten Quartal um 8,4% fiel.

Die Inflationsrate in Frankreich fiel im Vergleich zu den anderen Ländern moderat aus. Zunächst stiegen die Preise um 3,7% und dann im Vergleich zum Vorjahr um weitere 1,8%.

Deutschland und die Niederlande zeigten ähnliche Muster in der Vermögenspreisinflation. Die Inflationsraten der Länder lagen zwischen 5,2% und 6,7%.

Die Verbraucherpreisinflation nimmt wieder zu. Zum Ende des zweiten Quartals 2018 lagen die Verbraucherpreise um 2,0% über dem Vorjahresniveau. Dies ist die höchste Inflationsrate der Verbraucherpreise seit dem Jahr 2012.

Der Flossbach von Storch Vermögenspreisindex für die Eurozone umfasst die Länder des südlichen Euroraums Griechenland, Italien, Portugal und Spanien sowie die nördlichen Länder Österreich, Belgien, Finnland, Frankreich, Deutschland und die Niederlande. Für jedes Land wird die Vermögenszusammensetzung eines durchschnittlichen Haushalts auf der Grundlage der "Household Finance and Consumption Survey: Results from the Second Wave" (HFCS, Europäische Zentralbank, Statistics Paper Series No.18, Dezember 2016) berechnet. Das Vermögen eines Haushalts unterteilt sich in Sach- und Finanzvermögen. Das Sachvermögen besteht aus Immobilien, Betriebsvermögen, langlebigen Gebrauchsgütern sowie Sammel- und Spekulationsgüter. Das Finanzvermögen wird in Spar- und Sichteinlagen, Anleihen, Aktien und sonstiges Finanzvermögen unterteilt. Die folgende Tabelle zeigt die Gewichte für den Euroraum sowie für die einzelnen Länder. Investmentfonds, Pensionsfonds und Lebensversicherungen werden in ihre jeweiligen Anlageklassen unterteilt und diesen entsprechend zugeordnet.

Für jede Anlageklasse wird die länderspezifische vierteljährliche Preisänderung berechnet. Es werden ausschließlich Preise und keine Bewertungsindikatoren verwendet. Ebenso werden Erträge aus den Vermögenswerten wie Zinsen, Dividenden oder Mietrenditen ausgeschlossen. Für Sachvermögen, wie z.B. Immobilien oder Gebrauchsgüter, werden qualitätsbereinigte Daten verwendet. So entsprechen die Vermögenspreisindizes konzeptionell den Verbraucherpreisindizes.

Der Index wird als Laspeyres-Preisindex berechnet. Alle Zeitreihen sind im Jahr 2014 auf 100 indexiert, welches mit dem Jahr übereinstimmt, auf das sich die Ergebnisse des HFCS beziehen. Für Zeitreihen, die täglich oder wöchentlich verfügbar sind, basiert der vierteljährliche Indexwert auf dem Durchschnittspreis innerhalb des letzten Monats des Quartals. Bei monatlichen Zeitreihen bestimmt der letzte Monatswert des Quartals den Indexwert.

Immobilienpreise werden mit Hilfe von Zeitreihen gemessen, die von Eurostat, den nationalen statistischen Ämtern und Oxford Economics bereitgestellt werden. Das Betriebsvermögen wird anhand der von ThomsonReuters zur Verfügung gestellten länderspezifischen MSCI Small Cap Preisindizes gemessen. Die Preisentwicklung von langlebigen Gebrauchsgütern wird über die HICP-Zeitreihen für das jeweilige Land von Eurostat erfasst.

Die Preisreihe für Sammel- und Spekulationsgüter besteht aus den vier repräsentativen Unterkategorien Schmuck, Kunst, edle Weine und historische Automobile. Während die Schmuckpreise mit Hilfe der jeweiligen nationalen oder HICP-Zeitreihen gemessen werden, bestehen die drei anderen Kategorien aus denselben Preisreihen für jedes Land. Der Artprice Global Index von artprice.com gibt Auskunft über die Kunstpreise, der Liv-ex Fine Wine 100 von Liv-ex Ltd. erfasst die Preise für edle Weine und der HAGI Top Index der Historic Automobile Group International misst die Preisentwicklung von historischen Fahrzeugen.

Die geografische Verteilung von Aktien- und Rentenanlagen wird mit Hilfe der Coordinated Portfolio Investment Survey (CPIS) des Internationalen Währungsfonds (IWF) erfasst. Die Kursentwicklung der daraus resultierenden Anlagen wird mit Hilfe von Barclays-Anleihenpreisindizes und MSCI-Aktienpreisindizes gemessen. Das sonstige Finanzvermögen wird mit Hilfe des London Bullion Goldpreises und des ThomsonReuters Continuous Commodity Index bewertet.

Verbraucherpreise (HICP) werden durch Macrobond bereitgestellt und mittels der X13-ARMINA SEATS Methode saisonbereinigt.

Die Quartalswerte des Vermögenspreisindex für die Eurozone werden halbjährlich veröffentlicht.

Die Methodik des Flossbach von Storch Vermögenspreisindex für die Eurozone unterscheidet sich aufgrund der Datenverfügbarkeit leicht vom Flossbach von Storch Vermögenspreisindex für Deutschland, der vierteljährlich separat veröffentlicht wird.

Datenquellen

artprice.com
Barclays
Eurostat
European Central Bank (ECB)
Oxford Economics
HAGI (Historic Automobile Group)
International Monetary Fund (IMF)
Liv-ex Ltd.
Macrobond
MSCI
ThomsonReuters