FvS Vermögenspreisindex für die Eurozone


H1-2019: Inflation in Griechenland, Deflation in Frankreich

Zur Mitte des Jahres 2019 haben sich die Preise für das Vermögen privater Haushalte in der Eurozone im Vergleich zur Mitte des Vorjahres um +1,6 % verteuert. Während in Griechenland die Preise für Vermögensgüter massiv zunahmen, hatte Frankreich mit Deflation zu kämpfen.

Nachdem Ende 2018 die Vermögenspreise in der Eurozone etwas nachgaben, stiegen sie innerhalb des ersten und des zweiten Quartals 2019 an. Im Jahresvergleich ist daher zum Ende des ersten und zum Ende zweiten Quartals jeweils eine Preissteigerung von +1,6 % zu verbuchen. Ursächlich für die Entwicklung sind steigende Immobilienpreise und fallende Preise für Betriebsvermögen in fast allen Ländern der Eurozone. Die Preissteigerung von Verbrauchsgütern liegt mit +1,5 % und +1,2 % im ersten und Zeiten Quartal im Jahresvergleich auf ähnlichem Niveau. Allerdings ist die Schwankungsbreite der Vermögenspreisinflation zwischen den einzelnen Ländern bedeutend höher als die Schwankung der Verbraucherpreisinflation. Es scheint, dass die Niedrigzinspolitik der EZB begrenzte und ähnliche Auswirkungen auf die Verbraucherpreise der Länder des Euroraums hat. Die Vermögenspreise in den Ländern werden hingegen von der Zinspolitik stärker und verschiedener beeinflusst.

Durch den hohen Anteil an Sachvermögen, den der durchschnittliche private Haushalt der Eurozone besitzt, ist die Preisentwicklung von Sachgütern der dominierende Faktor für den Gesamtindex. Hierunter sind besonders Immobilien und das Betriebsvermögen entscheidend.

Zum Ende des zweiten Quartals 2019 sind Preise für Betriebsvermögen in der Eurozone um -11,1 % gegenüber dem Vorjahresquartal gefallen. Gemessen wird die Preisveränderung durch den Marktpreis kleiner öffentlich gehandelter Unternehmen, die über die letzten vier Quartale einen deutlichen Preisrückgang hinnehmen mussten, jedoch zuvor stark angestiegen waren.

An den Immobilienmärkten setzte sich die Preisrallye ungehindert fort. Immobilien in Besitz privater Haushalte der Eurozone verteuerten sich zum Ende des ersten Quartals 2019 um +4,1 % und zum Ende des zweiten Quartals um +4,2 % im Vergleich zum Vorjahresquartal. Im Vergleich zu Q2-2014 sind Immobilienpreise zwar um +18,4 % angestiegen, Preise für Betriebsvermögen jedoch um +29,9 %.

Die Preise für langlebige Verbrauchsgüter stagnierten mit +0,2 % und +0,3 % in den ersten beiden Quartalen. Sammel- und Spekulationsgüter legten zunächst im Jahresvergleich um +0,3 % zu, fielen jedoch zur Jahresmitte um 1,3 % im Vergleich zur Vorjahresmitte.

Die Preise für das Finanzvermögen in Besitz privater Haushalte der Eurozone bewegten sich nur leicht. Rentenwerte gaben zum Ende des ersten Quartals um -0,5 % nach, legten dann aber zur Jahresmitte um +3,0 % im Vergleich zur Vorjahresmitte zu. Preise für Aktien stagnierten im ersten Quartal und lagen jedoch zur Jahresmitte um -1,8 % niedriger zur Vorjahresmitte.

Das sonstige Finanzvermögen (gemessen durch Gold- und Rohstoffpreise) wies den höchsten Preisanstieg aller Vermögensgüter auf.  Im Vergleich zum jeweiligen Vorjahresquartal verteuerte sich das sonstige Finanzvermögen im ersten Quartal um +5,7 % und im zweiten Quartal um +5,2 %. Preise für Spareinlagen blieben unverändert.

Im Vergleich zu Q2-2014 sind Aktienpreise um 15,9 % angestiegen, gefolgt von den Preisen für das sonstige Finanzvermögen (+8,4 %), während Rentenwerte quasi wieder auf dem gleichen Niveau vorzufinden sind.

Während Griechenland, Portugal und Spanien steigende Vermögenspreise verzeichneten, fielen die Preise für das Vermögen italienischer Haushalte.

Nacheine starken Deflation in den letzten Jahren weißt Griechenland mit +9,5 % zur Jahresmitte die höchste Vermögenspreisinflation aller Euroländer auf. Getragen wird die Entwicklung von deutlich steigenden Preisen für Immobilien (+8,0 %) und einer massiven Preissteigerung des Betriebsvermögens (+42,6 %). Im Gegensatz zu allen anderen Ländern der Eurozone sind die Preise für das griechische Betriebsvermögen gestiegen und nicht gefallen, welches die lang erwartete Erholung der griechischen Wirtschaft widerspiegelt.

Die Preise für das Vermögen portugiesischer Haushalte legten zur Jahresmitte um +6,8 % im Vergleich zum Vorjahresmitte zu. Maßgeblich für die Entwicklung ist die Preisrallye am portugiesischen Immobilienmarkt (+10,1 %), wo die höchste Immobilienpreissteigerung der Eurozone zu verzeichnen war.

Die Preise für das Vermögen spanischer Haushalte stiegen zum Ende des zweiten Quartals um +3,4 % im Vergleich zum Vorjahresquartal an. Diese moderate Inflationsrate spiegelt das Zusammenspiel von steigenden Immobilienpreisen und fallenden Preise für spanische Betriebsvermögen wider.

Italien hat im Gegensatz hierzu mit einer leichten Deflation für Vermögensgüter zu kämpfen. Zum Ende des zweiten Quartals lagen die Preise für die Vermögensgüter italienischer Haushalte um -0,6 % niedriger als noch im Vorjahr und etwas niedriger als noch in 2014. Ein schwacher Immobilienmarkt und zusätzlich fallende Preise für Betriebsvermögen drückten die Preise nach unten.

In der ersten Jahreshälfte 2019 stiegen Vermögenspreise in allen Nordländern der Eurozone mit Ausnahme von Frankreich an.

In den Niederlanden legten die Preise für das Vermögen privater Haushalte zur Jahresmitte um +6,4 % im Vergleich zum Vorjahresquartal zu. Stark steigende Preise für Immobilien (+8,3 %) und nur verhältnismäßig leicht fallende Preise für Betriebsvermögen (-5,9 %) trugen zur Entwicklung bei.

In Österreich betrug die Vermögenspreisinflation zur Jahresmitte +3,0 %. Die Preise für österreichische Immobilien legten um +6,7 % zu, während Preise für Betriebsvermögen um -6,8 % nachließen.

In Belgien entwickelten sich die Vermögenspreise etwas moderater. Immobilien verteuerten sich zur Jahresmitte im Jahresvergleich um +3,1 % während Preise für Betriebsvermögen und Finanzwerte stagnierten. Zusammen ergab sich eine Preissteigerung der Vermögenswerte belgischer Haushalte zur Jahresmitte um +2,1 %.

In Deutschland lag die Vermögenspreisinflation zur Jahresmitte bei +1,7 %. Zwar sind die Preise für Immobilien im Vergleich zum Vorjahresquartal um +5,2 % angestiegen, jedoch gingen die Preise für Betriebsvermögen um -10,2 % zurück.

In Finnland stagnierten die Vermögenspreise. Das Zusammenspiel von fallenden Preisen für Betriebsvermögen und nur leicht steigenden Immobilienpreisen führt zu einer Preissteigerung des Vermögens finnischer Haushalte um +0,2 %.

Frankreich ist das einzige Nordland der Eurozone, in dem die Vermögenspreise nachgelassen haben. Getragen wurde die Deflation von deutlich fallenden Preisen für Betriebsvermögen (‑16,9 %) und einem moderaten Preisanstieg am Immobilienmarkt (+3,2 %). Zusammen betrachtet fiel der Preis für das Vermögen französischer Haushalte um -0,9 %.

Im Vergleich zu 2014 stiegen Vermögenspreise in Österreich, Deutschland, den Niederlanden, Portugal und Spanien am stärksten, in den anderen Ländern stiegen sie hingegen nur moderat an.

Die Entwicklung der Verbraucherpreise innerhalb der Eurozone ist deutlich homogener als die Entwicklung der Preise für Vermögensgüter. Die niedrigste Verbraucherpreisinflation lag in Griechenland mit +0,3 % zur Jahresmitte vor. In den Niederlanden sind Verbraucherpreise hingegen am stärksten angestiegen und legten im Jahresvergleich um 2,7 % zu.

Der Flossbach von Storch Vermögenspreisindex für die Eurozone umfasst die Länder des südlichen Euroraums Griechenland, Italien, Portugal und Spanien sowie die nördlichen Länder Österreich, Belgien, Finnland, Frankreich, Deutschland und die Niederlande. Für jedes Land wird die Vermögenszusammensetzung eines durchschnittlichen Haushalts auf der Grundlage der "Household Finance and Consumption Survey: Results from the Second Wave" (HFCS, Europäische Zentralbank, Statistics Paper Series No.18, Dezember 2016) berechnet. Das Vermögen eines Haushalts unterteilt sich in Sach- und Finanzvermögen. Das Sachvermögen besteht aus Immobilien, Betriebsvermögen, langlebigen Gebrauchsgütern sowie Sammel- und Spekulationsgüter. Das Finanzvermögen wird in Spar- und Sichteinlagen, Anleihen, Aktien und sonstiges Finanzvermögen unterteilt. Die folgende Tabelle zeigt die Gewichte für den Euroraum sowie für die einzelnen Länder. Investmentfonds, Pensionsfonds und Lebensversicherungen werden in ihre jeweiligen Anlageklassen unterteilt und diesen entsprechend zugeordnet.

Für jede Anlageklasse wird die länderspezifische vierteljährliche Preisänderung berechnet. Es werden ausschließlich Preise und keine Bewertungsindikatoren verwendet. Ebenso werden Erträge aus den Vermögenswerten wie Zinsen, Dividenden oder Mietrenditen ausgeschlossen. Für Sachvermögen, wie z.B. Immobilien oder Gebrauchsgüter, werden qualitätsbereinigte Daten verwendet. So entsprechen die Vermögenspreisindizes konzeptionell den Verbraucherpreisindizes.

Der Index wird als Laspeyres-Preisindex berechnet. Alle Zeitreihen sind im Jahr 2014 auf 100 indexiert, welches mit dem Jahr übereinstimmt, auf das sich die Ergebnisse des HFCS beziehen. Für Zeitreihen, die täglich oder wöchentlich verfügbar sind, basiert der vierteljährliche Indexwert auf dem Durchschnittspreis innerhalb des letzten Monats des Quartals. Bei monatlichen Zeitreihen bestimmt der letzte Monatswert des Quartals den Indexwert.

Immobilienpreise werden mit Hilfe von Zeitreihen gemessen, die von Eurostat, den nationalen statistischen Ämtern und Oxford Economics bereitgestellt werden. Das Betriebsvermögen wird anhand der von ThomsonReuters zur Verfügung gestellten länderspezifischen MSCI Small Cap Preisindizes gemessen. Die Preisentwicklung von langlebigen Gebrauchsgütern wird über die HICP-Zeitreihen für das jeweilige Land von Eurostat erfasst.

Die Preisreihe für Sammel- und Spekulationsgüter besteht aus den vier repräsentativen Unterkategorien Schmuck, Kunst, edle Weine und historische Automobile. Während die Schmuckpreise mit Hilfe der jeweiligen nationalen oder HICP-Zeitreihen gemessen werden, bestehen die drei anderen Kategorien aus denselben Preisreihen für jedes Land. Der Artprice Global Index von artprice.com gibt Auskunft über die Kunstpreise, der Liv-ex Fine Wine 100 von Liv-ex Ltd. erfasst die Preise für edle Weine und der HAGI Top Index der Historic Automobile Group International misst die Preisentwicklung von historischen Fahrzeugen.

Die geografische Verteilung von Aktien- und Rentenanlagen wird mit Hilfe der Coordinated Portfolio Investment Survey (CPIS) des Internationalen Währungsfonds (IWF) erfasst. Die Kursentwicklung der daraus resultierenden Anlagen wird mit Hilfe von Barclays-Anleihenpreisindizes und MSCI-Aktienpreisindizes gemessen. Das sonstige Finanzvermögen wird mit Hilfe des London Bullion Goldpreises und des ThomsonReuters Continuous Commodity Index bewertet.

Verbraucherpreise (HICP) werden durch Macrobond bereitgestellt und mittels der X13-ARMINA SEATS Methode saisonbereinigt.

Die Quartalswerte des Vermögenspreisindex für die Eurozone werden halbjährlich veröffentlicht.

Die Methodik des Flossbach von Storch Vermögenspreisindex für die Eurozone unterscheidet sich aufgrund der Datenverfügbarkeit leicht vom Flossbach von Storch Vermögenspreisindex für Deutschland, der vierteljährlich separat veröffentlicht wird.

Datenquellen

artprice.com
Barclays
Eurostat
European Central Bank (ECB)
Oxford Economics
HAGI (Historic Automobile Group)
International Monetary Fund (IMF)
Liv-ex Ltd.
Macrobond
MSCI
ThomsonReuters