FvS Vermögenspreisindex für die Eurozone


H2-2018: Preisrückgang in Nordeuropa

Im Jahr 2018 sind in vielen Ländern der Eurozone die Preise für Vermögensgüter gefallen. Im Gegensatz zur Entwicklung der letzten Jahren sind es jedoch nicht die südlichen Länder der Eurozone, die den Preisverlust hinnehmen mussten, sondern die nördlichen Länder. Drastisch gefallene Preise für Betriebsvermögen haben den Preisanstieg der Immobilienwerte in den nördlichen Ländern egalisiert. Frankreich verzeichnete zum Jahresende mit -3,2 % den größten Preisrückgang, während in Portugal und den Niederlanden mit +5,8 % bzw. +6,0 % die höchste Vermögenspreissteigerung vorlag.

Der Flossbach von Storch Vermögenspreisindex für die Eurozone misst die Preisentwicklung der Vermögenswerte, die sich in Besitz privater Haushalte in ausgewählten Ländern der Eurozone befinden (Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Italien, die Niederlande, Österreich, Portugal und Spanien). Der Preisindex für die Eurozone und für die einzelnen Länder wird als gewichtete Preisentwicklung des Sachvermögens (Immobilien, Betriebsvermögen, langlebige Konsumgüter sowie Sammel- und Spekulationsgüter) und des Finanzvermögens (Spareinlagen, Aktien, Rentenwerte, sonstiges Finanzvermögen) berechnet.

Während die Preise für das Vermögen des durchschnittlichen europäischen Haushalts im ersten Quartal noch um +2,7 % gegenüber dem Vorjahresquartal angestiegen sind, stagnierten die Preise zum Ende des vierten Quartals 2018. Zum Jahresende lag die Preissteigerungsrate im Vergleich zum Vorjahresende sogar marginal unter der Null (-0,1 %). Getragen wird die Entwicklung von stagnierenden Preisen für Sachwerte während Finanzwerte im Preis fielen.

Das erste Mal seit 2013 liegt im vierten Quartal 2018 die Jahresendrate der Vermögenspreissteigerung nicht nur unter null, sondern auch unterhalb der Verbraucherpreisinflation. Diese betrug gegen über dem Vorjahresquartal im dritten Quartal +1,6 % und im vierten bei +2,0 %.

Durch den hohen Anteil an Sachvermögen, den der durchschnittliche europäische Haushalt besitzt, ist die Preisentwicklung der Sachwerte der dominierende Faktor für die Entwicklung des Gesamtindex.

Zum Ende des vierten Quartals sind Preise für Betriebsvermögen mit -19,0 % drastisch gefallen. Kausal hierfür sind die Kursstürze an den Aktienmärkten im Dezember 2018, welche die Preise für Betriebsvermögen deutlich nach unten gedrückt haben. Die Preisrally am europäischen Immobilienmarkt ging hingegen weiter. Immobilien verteuerten sich im Vergleich zu den Vorjahresquartelen in Q3 um +4,2 % und in Q4 um +4,0 %.

Die Preise für Sammel- und Spekulationsgüter setzten ihren Abwärtstrend fort und wurden in beiden Quartalen günstiger, so dass sie zum Jahresende -1,8 % unter dem Vorjahreswert lagen. Langlebige Verbrauchsgüter stagnierten mit einer Preisveränderung von +0,3 % in beiden Quartalen gegenüber den Vorjahreswerten.

Über das gesamte Jahr 2018 hinweg sind die aggregierten Preise für das gesamte Finanzvermögen der Euro-Haushalte gefallen. Preise für Rentenwerte lagen um -2,6 % in Q3 bzw. -3,1 % in Q4 niedriger als in den Vorjahresquartalen. Während Aktien in Q3 noch +0,6 % teurer als im Vorjahresquartal waren, lagen sie zum Ende des Jahres -12,0 % unterhalb des Vorjahreswertes. Das sonstige Finanzvermögen der Euro-Haushalte (gemessen durch Gold- und Rohstoffpreise) verteuerte sich hingegen zum Jahresende um +1,8 %. Die Preise für Spareinlagen blieben nach Definition unverändert.

Während Griechenland, Portugal und Spanien steigende Vermögenspreise verzeichneten, fielen die Preise für das Vermögen italienischer Haushalte.

Der höchste Preisanstieg innerhalb der Gruppe der südlichen Länder der Eurozone trat in Portugal auf, wo im dritten Quartal ein Preisanstieg von +6,7 % im Vergleich zum Vorjahresquartal zu verzeichnen war, gefolgt von einem Preisanstieg vom +5,8 % zum Jahresende.

Vergleichsweise hohe Preisanstiege sind auch in Spanien zu verzeichnen. Die Preise für das Vermögen spanischer Haushalte stiegen zum Ende des dritten Quartals um +5,3 % und im vierten Quartal im Jahresvergleich um +3,8 %. In Griechenland betrug die Vermögenspreisinflation in Q3 und Q4 jeweils +1,6 %. Grund für den Anstieg in allen drei Ländern waren ein hoher Immobilienanteil und deutlich steigende Immobilienpreise.

Italien hatte hingegen wegen eines schwachen Immobilienmarktes einen Preisrückgang hinzunehmen. Zum Ende des dritten Quartals lagen die Preise für die Vermögensgüter italienischer Haushalte um -0,9 % niedriger als noch im Vorjahr. Im vierten Quartal verstärkte sich der Trend, so dass zum Jahresende die Preise um -2,4 % unterhalb des Vorjahresende lagen.

Während im dritten Quartal noch alle nördlichen Länder der Eurozone steigende Vermögenspreise meldeten, fielen in Belgien, Finnland, Frankreich und Deutschland die Preise zum Jahresende im Vergleich zu Vorjahreswert. Mit -3,2 % war der Preisnachlass im Frankreich am deutlichsten, während er in Deutschland -0,5 %, in Belgien -0,3 % und in Finnland -0,1 % betrug.

In allen vier Ländern sind die Preise für Betriebsvermögen erheblich gefallen, in Frankreich zum Jahresende sogar um -26,1 %, und haben den jeweiligen Länderindex nach unten gedrückt. Die positive Entwicklung der Immobilienpreise hielt jeweils dagegen, lag jedoch nur zwischen +1,0 % und +5,0 %.

In Österreich und den Niederlanden sind hingegen die Preise für Vermögensgüter angestiegen. Österreichische Haushalte verzeichneten zum Jahresende einen Preisanstieg von +1,2%, der jedoch deutlich unter dem Preisanstieg von +4,7 % des dritten Quartals lag. Die Preisentwicklung in den Niederlanden ist weitestgehend von der restlichen Eurozone losgelöst. In Q3 lagen die Preise um +7,4 % oberhalb des Vorjahreswertes und zum Ende des vierten Quartals noch um +6,0 % höher. Grund hierfür ist, dass niederländische Haushalte im Vergleich zu den übrigen europäischen Haushalten über ein verhältnismäßig geringes Betriebsvermögen verfügen.

Die Entwicklung der Verbraucherpreise innerhalb der Eurozone ist deutlich homogener als die Entwicklung der Preise für Vermögensgüter. In den nördlichen Ländern der Eurozone lagen Verbraucherpreise im Durchschnitt um +1,8 % höher als zum Vorjahresende während die südlichen Länder einen Preisanstieg von +1,3 % im gleichen Zeitraum verzeichneten.

Der Flossbach von Storch Vermögenspreisindex für die Eurozone umfasst die Länder des südlichen Euroraums Griechenland, Italien, Portugal und Spanien sowie die nördlichen Länder Österreich, Belgien, Finnland, Frankreich, Deutschland und die Niederlande. Für jedes Land wird die Vermögenszusammensetzung eines durchschnittlichen Haushalts auf der Grundlage der "Household Finance and Consumption Survey: Results from the Second Wave" (HFCS, Europäische Zentralbank, Statistics Paper Series No.18, Dezember 2016) berechnet. Das Vermögen eines Haushalts unterteilt sich in Sach- und Finanzvermögen. Das Sachvermögen besteht aus Immobilien, Betriebsvermögen, langlebigen Gebrauchsgütern sowie Sammel- und Spekulationsgüter. Das Finanzvermögen wird in Spar- und Sichteinlagen, Anleihen, Aktien und sonstiges Finanzvermögen unterteilt. Die folgende Tabelle zeigt die Gewichte für den Euroraum sowie für die einzelnen Länder. Investmentfonds, Pensionsfonds und Lebensversicherungen werden in ihre jeweiligen Anlageklassen unterteilt und diesen entsprechend zugeordnet.

Für jede Anlageklasse wird die länderspezifische vierteljährliche Preisänderung berechnet. Es werden ausschließlich Preise und keine Bewertungsindikatoren verwendet. Ebenso werden Erträge aus den Vermögenswerten wie Zinsen, Dividenden oder Mietrenditen ausgeschlossen. Für Sachvermögen, wie z.B. Immobilien oder Gebrauchsgüter, werden qualitätsbereinigte Daten verwendet. So entsprechen die Vermögenspreisindizes konzeptionell den Verbraucherpreisindizes.

Der Index wird als Laspeyres-Preisindex berechnet. Alle Zeitreihen sind im Jahr 2014 auf 100 indexiert, welches mit dem Jahr übereinstimmt, auf das sich die Ergebnisse des HFCS beziehen. Für Zeitreihen, die täglich oder wöchentlich verfügbar sind, basiert der vierteljährliche Indexwert auf dem Durchschnittspreis innerhalb des letzten Monats des Quartals. Bei monatlichen Zeitreihen bestimmt der letzte Monatswert des Quartals den Indexwert.

Immobilienpreise werden mit Hilfe von Zeitreihen gemessen, die von Eurostat, den nationalen statistischen Ämtern und Oxford Economics bereitgestellt werden. Das Betriebsvermögen wird anhand der von ThomsonReuters zur Verfügung gestellten länderspezifischen MSCI Small Cap Preisindizes gemessen. Die Preisentwicklung von langlebigen Gebrauchsgütern wird über die HICP-Zeitreihen für das jeweilige Land von Eurostat erfasst.

Die Preisreihe für Sammel- und Spekulationsgüter besteht aus den vier repräsentativen Unterkategorien Schmuck, Kunst, edle Weine und historische Automobile. Während die Schmuckpreise mit Hilfe der jeweiligen nationalen oder HICP-Zeitreihen gemessen werden, bestehen die drei anderen Kategorien aus denselben Preisreihen für jedes Land. Der Artprice Global Index von artprice.com gibt Auskunft über die Kunstpreise, der Liv-ex Fine Wine 100 von Liv-ex Ltd. erfasst die Preise für edle Weine und der HAGI Top Index der Historic Automobile Group International misst die Preisentwicklung von historischen Fahrzeugen.

Die geografische Verteilung von Aktien- und Rentenanlagen wird mit Hilfe der Coordinated Portfolio Investment Survey (CPIS) des Internationalen Währungsfonds (IWF) erfasst. Die Kursentwicklung der daraus resultierenden Anlagen wird mit Hilfe von Barclays-Anleihenpreisindizes und MSCI-Aktienpreisindizes gemessen. Das sonstige Finanzvermögen wird mit Hilfe des London Bullion Goldpreises und des ThomsonReuters Continuous Commodity Index bewertet.

Die Quartalswerte des Vermögenspreisindex für die Eurozone werden halbjährlich veröffentlicht.

Die Methodik des Flossbach von Storch Vermögenspreisindex für die Eurozone unterscheidet sich aufgrund der Datenverfügbarkeit leicht vom Flossbach von Storch Vermögenspreisindex für Deutschland, der vierteljährlich separat veröffentlicht wird.

Liste der Datenquellen:

artprice.com
Barclays
Eurostat
European Central Bank (ECB)
Oxford Economics
HAGI (Historic Automobile Group)
Haver Analytics
International Monetary Fund (IMF)
Liv-ex Ltd.
MSCI
ThomsonReuters