FvS Vermögenspreisindex Deutschland


Q2-2022: Trendwende setzt sich fort

Zur Jahresmitte 2022 hat sich die Vermögenspreisinflation für private deutsche Haushalte abgeschwächt und beträgt nun +3,0 % im Vergleich zur Vorjahresmitte. Vor einem Jahr lag die annualisierte Vermögenspreisinflation noch bei 11,7 %. Innerhalb des jüngsten abgelaufenen Quartals sind die Preise für die Vermögensgüter privater deutscher Haushalte stagniert (+0,0 %).

Ursächlich für die Trendwende sind Unsicherheiten aufgrund einer sich anbahnenden wirtschaftlichen Rezession, gepaart mit steigenden Verbraucherpreisen und Leitzinsen sowie geopolitischen Konflikten. Diese Rahmenbedingungen haben im zweiten Quartal 2022 zu deutlichen Preisabschlägen an den Märkten für Betriebsvermögen, Aktien und Rentenwerten geführt. Lediglich den seit Jahren davon galoppierenden Immobilienpreisen wurde bislang kein Einhalt geboten.

Verbraucherpreise, die meist zur Messung von Inflation herangezogen werden, diese aber nicht vollständig beschreiben, sind im gleichen Zeitraum um +7,6 % angestiegen, welches der höchste Wert in unserem Betrachtungszeitraum seit dem Jahr 2005 ist. Damit liegt die Verbraucherpreisinflation erstmals seit dem Jahr 2012 oberhalb der Vermögenspreisinflation.

Erzeugerpreise legten um +33,3 % im Vergleich zum Vorjahresquartal zu und weisen damit aktuell die höchste Wachstumsrate der drei Inflationsmaße auf.

Die Preisentwicklung von Sachwerten (Immobilien, Betriebsvermögen, langlebige Verbrauchsgüter, Sammel- & Spekulationsgüter), die sich im Besitz privater deutscher Haushalte befinden, dominiert die Entwicklung des Gesamtindex, da 79,4% des Bruttovermögens auf das Sachvermögen entfällt. Für das Aggregat des Sachvermögens fällt die Preisveränderung im Vergleich zur Vorjahresmitte zwar positiv aus (+4,6 %), die Entwicklung innerhalb des zweiten Quartals ist mit +0,7 % jedoch schwach.

Bei dem durchschnittlichen deutschen Haushalt entfallen 20,6 % seines Bruttovermögens auf das Finanzvermögen (Spar- und Sichteinlagen, Aktien, Rentenwerte und sonstiges Finanzvermögen). Der Preis für das Finanzvermögen ist im Vergleich zur Vorjahresmitte um -4,7 % gefallen. Während noch in der zweiten Jahreshälfte die Preise für Finanzgüter zulegten, fielen sie innerhalb der ersten Jahreshälfte dieses Jahres.

Die Preisentwicklung des Immobilienvermögens privater deutscher Haushalte hat den größten Einfluss auf die Entwicklung des Gesamtindex, da es 63,7 % des gesamten Bruttovermögens ausmacht. In den vergangenen vier Quartalen sind die Preise für Immobilien um +9,5 % angestiegen. Es handelt sich erneut um einen der höchsten Preisanstiege seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2005. Auch innerhalb des zweiten Quartals lag der Preisanstieg mit +2,4 % nahezu auf Rekordniveau und ebenfalls höher als noch im ersten Quartal (+2,1 %).

Der massive Preisanstieg für Immobilien ist zustande gekommen, obwohl sich in der ersten Jahreshälfte die Rahmenbedingungen am Immobilienmarkt deutlich verschlechtert haben und auf eine niedrigere Nachfrage hindeuten. Hypothekenzinsen, welche seit dem Jahr 2014 auf einem historisch niedrigen Niveau verweilten, sind auf ein 10-Jahreshoch angestiegen. Hierdurch ist von einer abnehmenden Nachfrage seitens privater Haushalte auszugehen, da die Zinsbelastung gepaart mit gestiegenen Konsumentenpreisen für viele private Haushalte nicht mehr darstellbar ist. Auch für institutionelle Investoren gab es im zweiten Quartal durch die gestiegenen Zinsen an den Kapitalmärkten wieder vermehrt attraktive Anlagealternativen, wodurch auch hier die Nachfrage gesunken ist. Zusätzlich wurde das Immobilienangebot in vielen Teilen Deutschlands durch Neubauaktivitäten ausgeweitet, so dass der Nachfrageüberhang zu Teilen abgebaut werden konnte.1

Gegeben des verschlechterten Umfeldes ist der Preisanstieg am Immobilienmarkt dadurch zu erklären, dass zum einen Immobilientransaktionen häufig einen Vorlauf von mehreren Monaten benötigen und sich eine Preisveränderung erst verzögert zeigt. Zum anderen sind weniger Transaktionen zustande gekommen, die dann jedoch im Durchschnitt zu höheren Preisen ausgeführt worden sind.

Die Preise für das Betriebsvermögen, das sich in Besitz privater deutscher Haushalte befindet, mussten einen deutlichen Preisabschlag hinnehmen und wurden zur Jahreshälfte um -22,7 % günstiger als noch zur Vorjahresmitte gehandelt. Der Preisverfall entfällt größtenteils auf das erste und zweite Quartal des Jahres 2022, in dem die Preise für Betriebsvermögen und ‑13,2 % (Q1) bzw. -10,9 % (Q2) gefallen waren. Ursächlich für den Preisrückgang des Betriebsvermögens in der ersten Jahreshälfte sind die Unsicherheiten über die mittelfristige Entwicklung der deutschen und europäischen Wirtschaft. Die Unsicherheiten entstehen durch steigende Energie- und Erzeugerpreise, ein Mangel an Fachkräften, Engpässe in den globalen Lieferketten, sowie steigende Verbraucherpreise. Zusätzlich hat der kriegerische Konflikt in der Ukraine die Situation verschärft. Durch die Anhebung der Leitzinsen durch die Europäische Zentralbank (EZB) und den daraus resultierenden steigenden Kosten für Unternehmerkredite entstehen neben den zuvor genannten operativen Risiken zusätzlich finanzielle Risiken, welche ebenfalls die Preise der Unternehmen gedrückt haben. Obwohl sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für privat gehaltene Unternehmen in der ersten Jahreshälfte verschlechtert haben, ist die Nachfrage nach privat gehandeltem Betriebsvermögen hoch gewesen, da unter anderem Private-Equity-Fonds über Rekordsummen an nicht investiertem Kapital verfügten2. Durch die hohe Nachfrage wurden die fallenden Preise für private Betriebsvermögen leicht gestützt.

Die Preise für langlebige Verbrauchsgüter haben erneut einen Rekordpreisanstieg zu verzeichnen. Im Vergleich zur Vorjahresmitte sind langlebige Verbrauchsgüter um +8,1 % teurer geworden. Der Großteil des Preisanstiegs in dem 12-Monatszeitraum entfällt auf die erste Jahreshälfte 2022. Insbesondere sind die Preise für Gebrauchsfahrzeuge, sowie Möbel, Leuchten und andere Haushaltsgeräte stark angestiegen. Auch in der Kategorie „andere Gebrauchsgüter für Freizeit und Kultur“ konnte ein Preisanstieg von knapp neun Prozent gemessen werden. Der Preisanstieg entsteht zum einen aus einer hohen Nachfrage, die auf ein durch Probleme in den globalen Lieferketten gekürztes Angebot treffen. Andererseits sind auch die Produktionskosten auf Grund der Energie- und Erzeugerpreise angestiegen, welche die langfristigen Verbrauchsgüter zusätzlich verteuert haben.

Die Preise für Sammel- und Spekulationsgüter haben innerhalb des Sachvermögens den größten Preisanstieg zu verzeichnen. Zur Jahresmitte wurden Sammel- und Spekulationsgüter um +13,8 % teurer als noch zur Vorjahresmitte gehandelt. Entgegen der Entwicklung im Jahresvergleich war der Preiszuwachs im zweiten Quartal nur gering. Historische Automobile legten zwar innerhalb des letzten Jahres um +12,5 % zu, innerhalb des zweiten Quartals betrug der Anstieg jedoch nur +0,4 %. Während historische Automobile der Marken Porsche und Ferrari jüngst einen Preisnachlass hinnehmen mussten, stiegen die Preise für historische Automobile der Marke Mercedes Benz massiv im Preis innerhalb des zweiten Quartals an. Kostbare auf Sekundärmärkten gehandelte Weine verteuerten sich um +22,4 %. Auch hier fällt trotz hohem Jahreswert die Preisveränderung im zweiten Quartal 2022 mit -0,5 % gering aus. Nur aus vereinzelten Herkunftsregionen (Burgund und Rhône) konnten kostbare Weine mit deutlichen Preissteigerungen das Quartal beenden. Die Preise für Kunstobjekte haben sich im Jahresvergleich um +13,4 % verteuert, hiervon entfallen jedoch nur anderthalb Prozentpunkte auf das zweite Quartal. Der Preisanstieg im Jahresvergleich wird unter anderem davon getragen, dass eine Großzahl an Meisterwerken in großen Auktionshäusern versteigert wurde. Schmuck aus Edelmetall hat sich im Vergleich zum Vorjahresquartal um +6,9 % verteuert. Hiervon entfällt über die Hälfte des Zuwachses (+3,6 %) auf das jüngste Quartal. Ursächlich sind hierfür die gestiegenen Preise für die Edelmetalle, bzw. Vorprodukte.


1 Siehe DB Research: Ausblick auf den deutschen Wohnungsmarkt 2022 ff.

2 Siehe PitchBook Data, Inc.: European PE Breakdown Q2-2022.

Besonders hart traf der Preisabschlag das Rentenvermögen privater deutscher Haushalte. Zur Jahresmitte waren Rentenwerte ‑13,3 % günstiger als zur Vorjahresmitte. Dies ist mit Abstand der höchste gemessene Preisverfall für Rentenvermögen seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2005. Innerhalb der vergangenen vier Quartale entstand der größte Preisverfall im jüngsten, zweiten Quartal 2022 mit -8,7 %. Auf Grund der weltweit aufkommenden Verbraucherpreisinflation und der damit verbundenen Anhebung der Leitzinsen diverser Zentralbanken kam es zu einem Abverkauf von festverzinslichen Wertpapieren, da häufig deren Restwertverzinsung unterhalb der erwarteten Verbraucherpreisinflation lag. Dies führte zu fallenden Preisen an den weltweiten Rentenmärkten. Am stärksten litten die Preise für Rentenwerte von Emittenten aus den Emerging Markets, bei denen sich zusätzlich die Bonität auf Grund der ungewissen Wirtschaftslage stark verschlechterte. Auch der Druck auf die Preise für Rentenwerte deutscher und europäischer Emittenten war hoch, so dass sie im Vergleich zur Vorjahresmitte um neun Prozent günstiger gehandelt wurden. Rentenwerte aus der Pazifikregion konnten sich hingegen des geringsten Preisabschlags erfreuen und notierten lediglich +2,4 % günstiger.

Die Preise für das Aktienvermögen derprivaten deutschen Haushalte mussten ebenfalls in den vergangenen zwölf Monaten erhebliche Preisabschläge hinnehmen. Zu Jahresmitte lagen die Preise für das Aktienvermögen privater deutscher Haushalte ‑11,2 % unterhalb der Vorjahresmitte. Noch im dritten und vierten Quartal des Jahres 2021 konnten Aktienpreise mit jeweils +1,8 % einen leichten Anstieg verzeichnen. Zum Jahresbeginn kamen dann jedoch verstärkt Sorgen über eine aufkommende Verbraucherpreisinflation, erwartete Anhebungen der Leitzinsen, eine drohende Rezession sowie den Ausbruch des Kriegs zwischen der Ukraine und Russland auf. Dadurch fielen die Preise von Aktien im ersten Quartal 2022 um -8,2 %. Im zweiten Quartal kam es zu keiner Verbesserung der Rahmenbedingungen, vielmehr realisierten sich die Erwartungen des ersten Quartals, so dass die Preise für Aktien um zusätzliche -6,6 % fielen. Kumuliert ergibt sich so der beschriebene Preisverfall von -11,2 % über die letzten zwölf Monate.

Der Großteil der Aktien und Rentenwerte, die sich in Besitz privater deutscher Haushalte befinden, stellen kein direktes Investment dar, sondern sind Teil der von den Haushalten gehaltenen Investmentfonds, kapitalbildenden Lebensversicherungen sowie von privaten und betrieblichen Altersvorsorgeprodukten. Daher kam es ebenfalls zu einem deutlichen Preisverfall dieser Vermögenswerte.

Der Preis für das sonstige Finanzvermögen, welcher über die Preise von Gold und an der Börse gehandelten Rohstoffen gemessen wird, weist mit +34,6 % die höchste 12-Monats-Wachstumsrate aller Kategorien auf. Sowohl die Preise für Rohstoffe (+69,9 %) als auch für Gold (+13,9 %) sind über den betrachteten Zeitraum erheblich angestiegen. Der drastische Anstieg der Rohstoffpreise hat nicht im jüngsten Quartal (+8,4 %) stattgefunden, sondern in den davorliegenden Quartalen. Die Entwicklung des Goldpreises weicht ebenfalls im jüngsten Quartal von der Preisentwicklung der vorangegangenen Quartale ab und weist mit -1,9 % einen leichten Preisverfall auf.

Die Preise für Spar- und Sichteinlagen bleiben nach Definition unverändert.

Im Querschnitt des Nettovermögens privaterdeutscher Haushalte fällt die Vermögenspreisinflation divergent aus. Zwar liegt die Inflation für das Gros der Haushalte zwischen +4,6 % und +6,3 %, jedoch liegt sowohl für die Haushalte der unteren Mittelschicht als auch die wohlhabendsten Haushalte die Inflationsrate unterhalb des Intervalls. Da die Haushalte der unteren Mittelschicht anteilsmäßig das größte Sparvermögen besitzen und jenes keine Preisveränderung ausweist, fällt die Preisveränderung für sie mit +2,8 % gering aus. Mit +0,9 % fällt die Preisveränderung für das Vermögen der wohlhabendsten Haushalte noch geringer aus. Grund hierfür ist der hohe Anteil an Betriebsvermögen, welches einen deutlichen Preisabschlag hinnehmen musste.

Im Querschnitt des Alters der Haushalte (gemessen am Alter der Referenzperson des Haushalts) fällt die Vermögenspreisinflation ebenfalls divergent aus. Mit steigendem Alter der Haushalte, steigt ebenfalls die Preissteigerungsrate des Privatvermögens. Für die jüngsten Haushalte (25 bis 34 Jahre) liegt die Vermögenspreisinflation bei +2,3 %, für die ältesten Haushalte (ab 75 Jahren) beträgt sie hingegen +5,9 %. Grund hierfür ist die relative Häufigkeit von Immobilienvermögen, die mit steigendem Alter der Haushalte ebenfalls ansteigt. Haushalte mittleren Alters (45-54 Jahre) stellen jedoch eine Ausnahme dar, da sie anteilsmäßig über das größte Betriebsvermögen verfügen, wodurch die gesamte Preisentwicklung heruntergedrückt wird. Die Preisveränderung für diese Haushaltsgruppe beträgt lediglich +0,4 %.

Die Rallye der Erzeugerpreise setzte sich auch im zweiten Quartal fort, wodurch der Erzeugerpreisindex für industrielle Vorprodukte zur Jahresmitte +33,3 % oberhalb des Vorjahres lag. Hauptverantwortlich für den erneuten Preisanstieg im zweiten Quartal waren die Preise für Energie. Zudem legten auch Preise für Vorleistungsgüter sowie Gebrauchsgüter deutlich zu.

Die Verbraucherpreisinflation beträgt gemessen am Verbraucherpreisindex zur Jahresmitte +7,6 %. Zum Ende des zweiten Quartals ist ein leichter Rückgang in der Preissteigerungsrate festzumachen, welches unter anderem den dämpfenden Effekt des 9-Euro-Tickets und des sogenannten Tankrabatts zurückzuführen ist.  

 

Der Flossbach von Storch (FvS) Vermögenspreisindex erfasst die Preisentwicklung des Vermögens deutscher Haushalte. Der Index entspricht der gewichteten Preisentwicklung des Sach- und Finanzvermögens, welches sich im Besitz deutscher Haushalte befindet. Zum Sachvermögen zählen neben Immobilien- und Betriebsvermögen auch langlebige Verbrauchsgüter sowie Sammel- und Spekulationsobjekte. Das Finanzvermögen unterteilt sich in Aktien, Rentenwerte, Spar- und Sichteinlagen sowie in sonstige Finanzwerte. Immobilien stellen mit Abstand den größten Posten (63,7 %) dar, gefolgt von Betriebsvermögen (11,7 %) sowie Spar- und Sichteinlagen (10,5 %).

Mit Veröffentlichung dieser Indexpubilkation wurde sowohl das Jahr der Wägung als auch das Jahr der Indexierung von 2014 auf 2017 verlegt. Hierdurch kommt es gezwungenermaßen zu Veränderungen in den vergangenen Indexständen. 2017 wurde als Wägungsjahr gewählt, da durch die Veröffentlichung der dritten Welle der Studie „Private Haushalte und Ihre Finanzen“ der Deutschen Bundesbank (Deutschen Bundesbank: Monatsbericht April 2019) neue Daten zur Vermögensverteilung deutscher Haushalte zur Verfügung stehen. Sämtliche Quellen, die ebenfalls für das Wägungsschema herangezogen wurden, wurden ebenfalls mit Daten des Jahres 2017 aktualisiert.

Der FvS Vermögenspreisindex erfasst die Preisänderung von Vermögensgütern deutscher Haushalte. Der Index wird mittels des Verfahrens von Laspeyres als gewichteter Durchschnitt von indexierten Preiszeitreihen berechnet, welche jeweils die Entwicklung der Preise von Vermögensgütern in Euro wiedergeben. Der Index ist auf dem Durchschnittswert des Jahres 2017 basiert. Wenn notwendig, wurden qualitätsbereinigte Zeitreihen herangezogen und Erträge, wie z.B. Zinszahlungen, nicht berücksichtigt. Eine Bewertung der Preise wird nicht vorgenommen. Für die Vermögensklasse Aktien gehen bspw. die Aktienpreise und nicht etwa das Preis-Gewinn-Verhältnis ein. Dies entspricht dem Vorgehen bei Güterpreisindizes, in die nur Güterpreise und nicht etwa das Preis-Nutzen-Verhältnis eingehen.

Die Auswahl der relevanten Vermögensgüter erfolgt über die Studie „Private Haushalte und deren Finanzen“ (PHF) der Deutschen Bundesbank (2019). Die Gewichtung der Zeitreihen basiert auf den Umfrageergebnissen der PHF-Studie zum Jahr 2017 und entspricht dem Anteil der Vermögensgüter am Bruttovermögen der deutschen Haushalte. Die Zusammensetzung des Haushaltsvermögens im Bevölkerungsquerschnitt nach Höhe des Vermögens und nach Alter der Haushaltsmitglieder ist sehr heterogen. Daher wird der FvS Vermögenspreisindex zusätzlich für verschiedene Quantile der Verteilung des Nettovermögens deutscher Haushalte (Bruttovermögen abzüglich Verbindlichkeiten) und für verschiedene Altersgruppen (gemessen am Alter der Referenzperson des Haushalts) berechnet.

Die Vermögensgüter eines Haushalts werden in verschiedene Untergruppen des Sach- und Finanzvermögens eingeteilt. Zum Sachvermögen zählen Immobilien, Betriebsvermögen (netto), langfristige Verbrauchsgüter sowie Sammel- und Spekulationsgüter. Unter dem Finanzvermögen werden Sicht- und Spareinlagen, Aktien, Rentenwerte sowie das sonstige Finanzvermögen zusammengefasst. Vermögen in Form von Fondsanteilen und Guthaben bei kapitalbildenden Versicherungsverträgen wird entsprechend der jeweiligen Zusammensetzung auf die vorhergehenden Komponenten aufgeteilt.

Die Preisentwicklung von Immobilienvermögen wird durch die vdp-Immobilienpreisindizes der vdpResearch GmbH erfasst. Der Index „Wohnen“ gibt hierbei die Veränderung der Preise für selbstgenutztes Wohneigentum wieder, während die Preisveränderung sonstiger Immobilien durch den Index „Gesamt“ erfasst wird. Da der Index „Gesamt“ erst ab 2008 unterjährig verfügbar ist, werden Quartalswerte vor 2008 mit Hilfe des durchschnittlichen Jahreswachstums approximiert. Entsprechend der Vermögensverteilung der Haushalte werden die beiden Indizes zueinander gewichtet. Beide Preisindizes basieren auf einer Transaktionsdatenbank, die knapp 90 Prozent der Umsätze des deutschen Immobilienmarkts wiedergibt.

Privates Betriebsvermögen umfasst alle nicht öffentlich gehandelten Unternehmensbeteiligungen privater Haushalte. Die Preisentwicklung wird durch den SDAX Kursindex der Deutschen Börse approximiert, der Preise für Unternehmen des Mittelstands erfasst. Der SDAX Kursindex spiegelt die Preisentwicklung von 50 öffentlich gehandelten Unternehmen der klassischen Industriebranchen wider, die hinsichtlich Marktkapitalisierung und Börsenumsatz den im MDAX gelisteten Werten folgen.

Um die Preisentwicklung langfristiger Verbrauchsgüter wie beispielsweise Nutzfahrzeuge und Möbel zu messen, werden die entsprechenden Komponenten des Verbraucherpreisindex vom Statistischen Bundesamt herangezogen. Die relative Gewichtung erfolgt über den jeweiligen Anteil am Verbraucherpreisindex.

Die Preisentwicklung von Sammel- und Spekulationsobjekten wird durch die vier repräsentativen Güterklassen Schmuck, Kunstobjekte, historische Automobile und kostbare Weine gleichgewichtet erfasst. Die Preismessung von Schmuck erfolgt durch die Komponente „Schmuck aus Edelmetallen“ des Verbraucherpreisindex. Um die Preisentwicklung am Kunstmarkt abzubilden, wird der All Art Index von Art Market Research Developments Ltd. verwendet, auf Grund der Saisonalität der Kunstpreise geglättet wird. Dieser Preisindex basiert auf Auktionspreisen für Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen, Fotographien, Drucken, Aquarelle und Ähnlichem. Zur Preismessung von historischen Automobilen wird der HAGI Top Index der Historic Automobile Group International (HAGI) herangezogen. Der Index verfolgt die Preisentwicklung von 50 seltenen historischen Automobiltypen basierend auf einer Datenbank mit Transaktionen zu mehr als 18.000 Einzelfahrzeugen. Quartalswerte vor 2009 entstammen einer unterjährig interpolierenden gleichgewichteten Rückrechnung. Die Preisentwicklung von kostbaren Weinen wird mit dem Liv-ex Fine Wine 100 der Handelsplattform Liv-ex Ltd. gemessen. Der Index misst die Preisentwicklung des Premiumsegments des Weinhandels für Weine, für die ein Sekundärmarkt existiert. Im Index sind primär Bordeaux Weine enthalten, jedoch auch Weine aus den Weinanbaugebieten Burgund, Rhône, Champagne und aus Italien.

Da Spar- und Sichteinlagen keinem direkten Preis unterliegen, wird angenommen, dass sie keine Preisveränderungen aufweisen und werden daher durch eine konstante Zeitreihe modelliert. Unter anderem fallen in diese Kategorie Giro-, Spar-, Fest- und Tagesgeldkonten, Guthaben auf Bauspar- und nichtstaatlichen Altersvorsorgeverträgen und Forderungen gegenüber anderen Haushalten.

Die Preisentwicklung von Aktien wird durch verschiedene Aktienkursindizes erfasst. Mittels der Daten der Coordinated Portfolio Investment Survey (CPIS) des Internationalen Währungsfonds (IWF) wird die geographische Gewichtung deutscher Aktieninvestitionen bestimmt und, basierend darauf, MSCI-Kursindizes entsprechend zueinander gewichtet.

Analog zum Vorgehen bei den Aktieninvestitionen wird die geographische Verteilung von Renteninvestitionen mittels Daten des IWF und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) bestimmt, und die Preisentwicklung anhand der entsprechenden Bloomberg Barclays Rentenpreisindizes berechnet. Hierbei werden sowohl Staats- als auch Unternehmensanleihen mit verschiedener Bonität und Restlaufzeit berücksichtigt.

Das sonstige Finanzvermögen, welches nicht durch die drei vorhergehenden Kategorien abgedeckt ist, wird stellvertretend durch die Entwicklung der Preise von Gold und Rohstoffen gemessen. Für die Preisentwicklung von Rohstoffen wird hierbei der Rogers International Commodity Index verwendet, welcher die Preisentwicklung von Futures auf diverse Rohstoffe wiedergibt. Der Goldpreis wird über den London Bullion Market erhoben.

Zur Aufteilung des Kapitals, welches in Versicherungsverträgen und Fonds gebündelt ist, werden Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI) genutzt.

Bei Zeitreihen mit tagesaktuellen Werten wird stets der durchschnittliche Tagesendindexstand des letzten Quartalsmonats genutzt. Bei monatlich verfügbaren Indizes wird der letzte Monatswert im Quartal herangezogen.

Durch Revision historischer Daten der zugrundeliegenden Zeitreihen kann es zu einer Abweichung der historischen Indexwerte von vorherigen Veröffentlichungen kommen.

Veröffentlichung

Der FvS Vermögenspreisindex erscheint quartalsweise. Die Indexwerte eines Quartals werden zur Mitte des Folgequartals publiziert:

Erstes Quartal: 15. Mai
Zweites Quartal: 15. August
Drittes Quartal: 15. November
Viertes Quartal: 15. Februar des Folgejahres

Sollte der Termin auf ein Wochenende oder einen gesetzlichen Feiertag fallen, so erfolgt die Veröffentlichung am darauffolgenden Werktag.

Datenquellen:

Art Market Research Developments Ltd.
Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ)
Barclays Bank PlC
Bundesverband Investment und Asset Management (BVI)
Deutsche Bundesbank
destatis - Statistisches Bundesamt
Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) e.V.
Historic Automobile Group International (HAGI)
Internationaler Währungsfonds (IWF)
Liv-ex Ltd
ThomsonReuters
vdpResearch GmbH