FvS Vermögenspreisindex Deutschland


Q2-2020: Erholung im zweiten Quartal

Auch im zweiten Quartal 2020 ist die Entwicklung der Vermögenspreise deutscher privater Haushalte von der Covid-19 Pandemie geprägt. Während noch im ersten Quartal die Preise um -2,7 % nachgaben, sind sie innerhalb des zweiten Quartals um +3,2 % angestiegen und liegen zur Jahresmitte +4,4% über dem Vorjahreswert.

Der größte Anteil des Vermögens privater deutscher Haushalte entfällt auf das Sachvermögen (79 %), während der Rest dem Finanzvermögen (21 %) entspricht. Der Preis für das Sachvermögen deutscher Haushalte liegt zur Jahresmitte +5,3 % über dem Vorjahreswert. Im jüngsten Quartal legten die Preise für Sachwerte um +3,6 % zu, nachdem sie zuvor deutlich gefallen waren. Der Preis für das Finanzvermögen deutscher Haushalte liegt mit +0,1 % auf dem Vorjahresniveau. Durch die Pandemie waren die Preise für viele Finanzgüter eingebrochen und erholten sich erst im Laufe des zweiten Quartals 2020 wieder.

Auf den deutschen Immobilienmärkten hat der bisherige Verlauf der Covid-19 Pandemie die Preisrallye nur unbedeutend verlangsamt. Die Nachfrage nach Wohnimmobilien ist ungebrochen hoch. Nur die Preise für Gewerbeimmobilien, die private Haushalte jedoch seltener besitzen, sind ins Stocken geraten. Im Vergleich zum Vorjahresquartal hat sich der Preis für das Immobilienvermögen privater Haushalte um 5,8 % verteuert. Es ist zwar die niedrigste Preiswachstumsrate seit dem Jahr 2015, wenn gleich sie auch bedeutend hoch ist. Die Preise für Betriebsvermögen (gemessen an Aktienpreisen kleiner und mittelständischer öffentlich gehandelter Unternehmen) liegen zur Jahresmitte +3,9 % über dem Vorjahreswert. Durch die weltweiten Lockdowns hat das Wirtschaftswachstum in Deutschland stark gelitten, welches sich zum Ende des ersten Quartals in den Preisen für gehandelte Betriebe niedergeschlagen hat. Mit der Wiedereröffnung der Wirtschaft erholen sich die Preise, so dass sie im Vergleich zum Vorjahreswert angestiegen sind. Langlebige Verbrauchsgüter haben sich zum Jahresende um +0,8 % verteuert.

Auf Grund der getrübten Ertragsaussichten und der unsicheren Zukunft, ausgelöst durch die Covid-19 Pandemie fielen weltweit in der ersten Jahreshälfte die Preise an den Aktienmärkten. Durch Wirtschaftsstützen und geldpolitische Maßnahmen erholen sich die Preise jedoch anschließend sehr schnell. Zur Jahresmitte liegen die Preise des Aktienvermögens deutscher Haushalte nur noch -1,2 % unterhalb der Preise der Vorjahresmitte. Die Preise für das Rentenvermögen deutscher Haushalte entwickelten sich in den letzten 12 Monaten verhältnismäßig volatil. Während sie in der zweiten Jahreshälfte 2019 durch fallende Zinsen weiter stiegen, gaben sie in der ersten Jahreshälfte 2020 nach, so dass sich Preise im 12-Monatsvergleich gleich geblieben sind (+0,0 %). Preise für das sonstige Finanzvermögen (gemessen über Gold- und Rohstoffpreise) steigen hingegen um +13,5 % im Jahresvergleich an. Verantwortlich hierfür ist insbesondere der Preis für Gold, der im Jahresvergleich um +28,0 % zulegt. Preise für Rohstoffe sind auf Grund nachlassender Nachfrage aus der Wirtschaft um -11,0 % gefallen.

Die Vermögenspreisinflation fällt im Querschnitt des Nettovermögens deutscher Haushalte zur Jahresmitte verhältnismäßig homogen aus. Bis auf die untere Mittelschicht liegt die Preissteigerungsrate innerhalb einer Bandbreite von einem Prozentpunkt mit Ausnahme der Haushalte der unteren Mittelschicht. Grund für das homogene Bild ist die geringe Preisveränderung des Betriebsvermögens, das in den vergangenen Jahren die Preise des Vermögens wohlhabender Haushalte stark ansteigen lassen hat. Die untere Mittelschicht besitzt ein geringes Immobilienvermögen und eine anteilsmäßig hohe Sparquote. Daher beträgt die Preissteigerung für das Vermögen dieser Haushalte lediglich +1,7 %.

Im Querschnitt des Alters der Referenzperson der Haushalte beträgt die Spannbreite der Vermögenspreisinflation lediglich einen halben Prozentpunkt. Für jüngere Haushalte ist sie am geringsten, da sie am seltensten über Immobilienvermögen verfügen, und steigt mit dem Alter der Haushalte an.

Verbraucherpreise sind zur Jahresmitte um +0,8 % im Vergleich zum Vorjahresquartal angestiegen. Zuvor lag die Preissteigerung noch zwischen ein und zwei Prozent. Grund für die geringer ausfallende Verbraucherpreisinflation ist ein Angebotsüberhang, da durch den Lockdown zwar Ware produziert, aber nicht abgesetzt wurde. Dies ist besonders bei der Preisentwicklung für Energieträger, Bekleidung sowie Waren und Dienstleistungen für Fahrzeuge auffällig. Ein Einfluss der geldpolitischen Maßnahmen auf die Entwicklung der Verbraucherpreise ist hingegen nicht auszumachen. Erzeugerpreise gaben im Jahresvergleich um -2,0 % nach.

Der Flossbach von Storch (FvS) Vermögenspreisindex erfasst die Preisentwicklung des Vermögens deutscher Haushalte. Der Index entspricht der gewichteten Preisentwicklung des Sach- und Finanzvermögens, welches sich im Besitz deutscher Haushalte befindet. Zum Sachvermögen zählen neben Immobilien- und Betriebsvermögen auch langlebige Verbrauchsgüter sowie Sammel- und Spekulationsobjekte. Das Finanzvermögen unterteilt sich in Aktien, Rentenwerte, Spar- und Sichteinlagen sowie in sonstige Finanzwerte. Immobilien stellen mit Abstand den größten Posten (63,7%) dar, gefolgt von Betriebsvermögen (11,7%) sowie Spar- und Sichteinlagen (10,5%).

Der FvS Vermögenspreisindex erfasst die Preisänderung von Vermögensgütern deutscher Haushalte. Der Index wird mittels des Verfahrens von Laspeyres als gewichteter Durchschnitt von indexierten Preiszeitreihen berechnet, welche jeweils die Entwicklung der Preise von Vermögensgütern in Euro wiedergeben. Der Index ist auf dem Durchschnittswert des Jahres 2014 basiert. Wenn notwendig, wurden qualitätsbereinigte Zeitreihen herangezogen und Erträge, wie z.B. Zinszahlungen, nicht berücksichtigt. Eine Bewertung der Preise wird nicht vorgenommen. Für die Vermögensklasse Aktien gehen bspw. die Aktienpreise und nicht etwa das Preis-Gewinn-Verhältnis ein. Dies entspricht dem Vorgehen bei Güterpreisindizes, in die nur Güterpreise und nicht etwa das Preis-Nutzen-Verhältnis eingehen.

Die Auswahl der relevanten Vermögensgüter erfolgt über die Studie „Private Haushalte und deren Finanzen“ (PHF) der Deutschen Bundesbank (2016). Die Gewichtung der Zeitreihen basiert auf den Umfrageergebnissen der PHF-Studie zum Jahr 2014 und entspricht dem Anteil der Vermögensgüter am Bruttovermögen der deutschen Haushalte. Die Zusammensetzung des Haushaltsvermögens im Bevölkerungsquerschnitt nach Höhe des Vermögens und nach Alter der Haushaltsmitglieder ist sehr heterogen. Daher wird der FvS Vermögenspreisindex zusätzlich für verschiedene Quantile der Verteilung des Nettovermögens deutscher Haushalte (Bruttovermögen abzüglich Verbindlichkeiten) und für verschiedene Altersgruppen (gemessen am Alter der Referenzperson des Haushalts) berechnet.

Die Vermögensgüter eines Haushalts werden in verschiedene Untergruppen des Sach- und Finanzvermögens eingeteilt. Zum Sachvermögen zählen Immobilien, Betriebsvermögen (netto), langfristige Verbrauchsgüter sowie Sammel- und Spekulationsgüter. Unter dem Finanzvermögen werden Sicht- und Spareinlagen, Aktien, Rentenwerte sowie das sonstige Finanzvermögen zusammengefasst. Vermögen in Form von Fondsanteilen und Guthaben bei kapitalbildenden Versicherungsverträgen wird entsprechend der jeweiligen Zusammensetzung auf die vorhergehenden Komponenten aufgeteilt.

Die Preisentwicklung von Immobilienvermögen wird durch die vdp-Immobilienpreisindizes der vdpResearch GmbH erfasst. Der Index „Wohnen“ gibt hierbei die Veränderung der Preise für selbstgenutztes Wohneigentum wieder, während die Preisveränderung sonstiger Immobilien durch den Index „Gesamt“ erfasst wird. Da der Index „Gesamt“ erst ab 2008 unterjährig verfügbar ist, werden Quartalswerte vor 2008 mit Hilfe des durchschnittlichen Jahreswachstums approximiert. Entsprechend der Vermögensverteilung der Haushalte werden die beiden Indizes zueinander gewichtet. Beide Preisindizes basieren auf einer Transaktionsdatenbank, die knapp 90 Prozent der Umsätze des deutschen Immobilienmarkts wiedergibt.

Privates Betriebsvermögen umfasst alle nicht öffentlich gehandelten Unternehmensbeteiligungen privater Haushalte. Die Preisentwicklung wird durch den SDAX Kursindex der Deutschen Börse approximiert, der Preise für Unternehmen des Mittelstands erfasst. Der SDAX Kursindex spiegelt die Preisentwicklung von 50 öffentlich gehandelten Unternehmen der klassischen Industriebranchen wider, die hinsichtlich Marktkapitalisierung und Börsenumsatz den im MDAX gelisteten Werten folgen.

Um die Preisentwicklung langfristiger Verbrauchsgüter wie beispielsweise Nutzfahrzeuge und Möbel zu messen, werden die entsprechenden Komponenten des Verbraucherpreisindex vom Statistischen Bundesamt herangezogen. Die relative Gewichtung erfolgt über den jeweiligen Anteil am Verbraucherpreisindex.

Die Preisentwicklung von Sammel- und Spekulationsobjekten wird durch die vier repräsentativen Güterklassen Schmuck, Kunstobjekte, historische Automobile und kostbare Weine gleichgewichtet erfasst. Die Preismessung von Schmuck erfolgt durch die Komponente „Schmuck aus Edelmetallen“ des Verbraucherpreisindex. Um die Preisentwicklung am Kunstmarkt abzubilden, wird der Artprice Global Index von Artprice.com verwendet. Dieser Preisindex basiert auf Auktionspreisen für Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen, Fotographien, Drucken, Aquarelle und Ähnlichem. Zur Preismessung von historischen Automobilen wird der HAGI Top Index der Historic Automobile Group International (HAGI) herangezogen. Der Index verfolgt die Preisentwicklung von 50 seltenen historischen Automobiltypen basierend auf einer Datenbank mit Transaktionen zu mehr als 18.000 Einzelfahrzeugen. Quartalswerte vor 2009 entstammen einer unterjährig interpolierenden gleichgewichteten Rückrechnung. Die Preisentwicklung von kostbaren Weinen wird mit dem Liv-ex Fine Wine 100 der Handelsplattform Liv-ex Ltd. gemessen. Der Index misst die Preisentwicklung des Premiumsegments des Weinhandels für Weine, für die ein Sekundärmarkt existiert. Im Index sind primär Bordeaux Weine enthalten, jedoch auch Weine aus den Weinanbaugebieten Burgund, Rhône, Champagne und aus Italien.

Da Spar- und Sichteinlagen keinem direkten Preis unterliegen, wird angenommen, dass sie keine Preisveränderungen aufweisen und werden daher durch eine konstante Zeitreihe modelliert. Unter anderem fallen in diese Kategorie Giro-, Spar-, Fest- und Tagesgeldkonten, Guthaben auf Bauspar- und nichtstaatlichen Altersvorsorgeverträgen und Forderungen gegenüber anderen Haushalten.

Die Preisentwicklung von Aktien wird durch verschiedene Aktienkursindizes erfasst. Mittels der Daten der Coordinated Portfolio Investment Survey (CPIS) des Internationalen Währungsfonds (IWF) wird die geographische Gewichtung deutscher Aktieninvestitionen bestimmt und, basierend darauf, MSCI-Kursindizes entsprechend zueinander gewichtet.

Analog zum Vorgehen bei den Aktieninvestitionen wird die geographische Verteilung von Renteninvestitionen mittels Daten des IWF und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) bestimmt, und die Preisentwicklung anhand der entsprechenden Bloomberg Barclays Rentenpreisindizes berechnet. Hierbei werden sowohl Staats- als auch Unternehmensanleihen mit verschiedener Bonität und Restlaufzeit berücksichtigt.

Das sonstige Finanzvermögen, welches nicht durch die drei vorhergehenden Kategorien abgedeckt ist, wird stellvertretend durch die Entwicklung der Preise von Gold und Rohstoffen gemessen. Für die Preisentwicklung von Rohstoffen wird hierbei der Roger International Commodity Index verwendet, welcher die Preisentwicklung von Futures auf diverse Rohstoffe wiedergibt. Der Goldpreis wird über den London Bullion Market erhoben.

Zur Aufteilung des Kapitals, welches in Versicherungsverträgen und Fonds gebündelt ist, werden Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI) genutzt.

Bei Zeitreihen mit tagesaktuellen Werten wird stets der durchschnittliche Tagesendindexstand des letzten Quartalsmonats genutzt. Bei monatlich verfügbaren Indizes wird der letzte Monatswert im Quartal herangezogen.

Durch Revision historischer Daten der zugrundeliegenden Zeitreihen kann es zu einer Abweichung der historischen Indexwerte von vorherigen Veröffentlichungen kommen.

Veröffentlichung

Der FvS Vermögenspreisindex erscheint quartalsweise. Die Indexwerte eines Quartals werden zur Mitte des Folgequartals publiziert:

Erstes Quartal: 15. Mai
Zweites Quartal: 15. August
Drittes Quartal: 15. November
Viertes Quartal: 15. Februar des Folgejahres

Sollte der Termin auf ein Wochenende oder einen gesetzlichen Feiertag fallen, so erfolgt die Veröffentlichung am darauffolgenden Werktag.

Datenquellen:

Artprice.com
Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ)
Barclays Bank PlC
Bundesverband Investment und Asset Management (BVI)
Deutsche Bundesbank
destatis - Statistisches Bundesamt
Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) e.V.
Historic Automobile Group International (HAGI)
Internationaler Währungsfonds (IWF)
Liv-ex Ltd
ThomsonReuters
vdpResearch GmbH