FvS Vermögenspreisindex für die Eurozone


H2-2022: Vermögenspreise in der Eurozone weiterhin auf Rekordniveau

In der zweiten Hälfte des Jahres 2021 rangierte die Vermögenspreisinflation in der Eurozone erneut auf Rekordniveau. Das Vermögen privater Haushalte der Eurozone hat sich im dritten Quartal um +10,5 % im Vergleich zum Vorjahresquartal verteuert. Zum Jahresende lagen die Preise 9,1 % oberhalb des Vorjahresendes. Besonders in Österreich, Deutschland, den Niederlanden, Portugal und Griechenland fiel die Vermögenspreisinflation besonders hoch aus.

Der Flossbach von Storch Vermögenspreisindex für die Eurozone misst die Preisentwicklung der Vermögenswerte, die sich in Besitz privater Haushalte in ausgewählten Ländern der Eurozone befinden (Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Italien, die Niederlande, Österreich, Portugal und Spanien). Der Preisindex für die Eurozone und für die einzelnen Länder wird als gewichtete Preisentwicklung des Sachvermögens (Immobilien, Betriebsvermögen, langlebige Konsumgüter sowie Sammel- und Spekulationsgüter) und des Finanzvermögens (Spareinlagen, Aktien, Rentenwerte, sonstiges Finanzvermögen) berechnet. Der im FvS Vermögenspreisindex für die Eurozone beinhaltete Index für Deutschland weicht auf Grund der Verfügbarkeit von vergleichbaren Daten in der Eurozone von dem FvS Vermögenspreisindex Deutschland ab, der gesondert quartalsweise veröffentlicht wird.

Im Verlauf des dritten und vierten Quartals 2021 haben die Preise für das Vermögen privater Haushalte in der Eurozone deutlich zugelegt. Im Vergleich zum jeweiligen Vorjahresquartal lag die Preissteigerung für Vermögenswerte zum Ende des dritten Quartals bei +10,5 % und zum Ende des vierten Quartals bei +9,1 %. Die Preissteigerungsrate des dritten Quartals ist die bislang höchste gemessene Vermögenspreisinflation in der Eurozone seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2005. Innerhalb jeder der vier betrachteten Quartale des Jahres 2021 fiel die Preissteigerung für Vermögenswerte positiv aus. Dabei war die Preissteigerung innerhalb des vierten Quartals im Vergleich mit den vorherigen drei Quartalen am schwächsten.

Verschiedene Rahmenbedingungen haben zu den außerordentlich hohen Preissteigerungsraten geführt. Zum einen haben die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank sowie die Fiskalpolitik der Mitgliedsländer im Jahr 2021 zu einer verstärkten Nachfrage nach Vermögensgütern geführt. Zum anderen hat die zum Jahresbeginn einsetzende wirtschaftliche Erholung für steigende Preise an den Märkten für Finanzvermögensgüter geführt. Stellenweise ist darüber hinaus ein Basiseffekt vorhanden, da in der zweiten Hälfte des Vorjahres in manchen Ländern der Eurozone die Preise für Vermögensgüter noch unter den Folgen der Coronapandemie gelitten haben und entsprechend gering waren. Gedämpft wurde der Preisanstieg hingegen von Unsicherheiten über steigende Verbraucherpreise in der Eurozone.

Sachvermögenswerte machen den Großteil des Gesamtvermögens des durchschnittlichen Haushalts der Eurozone aus und prägen die Entwicklung des Gesamtindex entscheidend. Zum Ende des dritten Quartals lagen die Preise für das Sachvermögen privater Haushalte der Eurozone +11,6 % oberhalb des Vorjahreswerts. Dies ist der höchste Preisanstieg seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2005. Zum Jahresende lag die Preissteigerung im Vergleich zum Vorjahresende bei +9,8 % und damit knapp unterhalb des Rekordwerts. Zurückzuführen sind die sehr hohen Preissteigerungen des Sachvermögens auf einerseits stetig steigende Preise für Immobilien und anderseits massiv gestiegene Preise für private Betriebsvermögen.

Immobilien sind in der Eurozone bereits seit einigen Jahren sowohl seitens privater Haushalte als auch von institutionellen Investoren stark gefragt. Die Nachfrage setzte sich auch in der zweiten Jahreshälfte 2021 fort. Zum Ende des dritten Quartals stiegen die Preise für Immobilien in der Eurozone um +8,5 % im Vergleich zum Vorjahresquartal an. Zum Jahresende lagen sie sogar +9,0 % oberhalb des Vorjahresende. Letzterer Preisanstieg markiert einen neuen Höhepunkt der Immobilienpreisrallye im Euroraum. Verschiedene Umstände haben die Entwicklung begünstigt. Die Finanzierungskonditionen für Immobilien waren in der Eurozone auch im dritten und vierten Quartal auf historischem Tiefstand, so dass die Nachfrage nach Immobilien hoch blieb. Zusätzlich haben die Coronapandemie und ihre Bekämpfungsmaßnahmen bewirkt, dass die Wertschätzung für privaten Wohnraum sowohl in städtischen Lagen der Eurozone als auch in ländlicheren Gebieten nachhaltig angestiegen ist. Parallel dazu gab es seitens institutioneller Investoren eine hohe Nachfrage nach Immobilien, da die Zinsen auf festverzinsliche Wertpapiere hoher Bonität im gesamten zweiten Halbjahr 2021 gering ausfielen und somit weniger attraktiv als Anlagealternative wahrgenommen wurden.

Die Preise für privates Betriebsvermögen (Unternehmen, die sich in Privatbesitz befinden) lagen im dritten Quartal +34,7 % höher als im Vergleich zum Vorjahresquartal. Anschließend zum Jahresende rangierten die Preise noch +16,3 % höher als zum Vorjahresende. Zum Teil wohnt den enormen Preiswachstumsraten ein Basiseffekt inne, da in den Vergleichsquartalen in der zweiten Hälfte des Jahres 2020 die Betriebe und somit auch deren Preise deutlich unter den Folgen der Coronapandemie litten. Mit der anschließenden wirtschaftlichen Erholung stiegen die Preise für das private Betriebsvermögen der Eurozone in der ersten Hälfte des Jahres 2021 sehr stark an und verharrten für die zweite Jahreshälfte auf hohem Niveau, welches zu den beschriebenen Wachstumsraten geführt hat. Innerhalb des dritten und vierten Quartals stagnierten die Preise auf Grund der Unsicherheit über die Folgen gestiegener Rohstoff-, Energie- und Produzentenpreise.

In den Preisen für langlebige Verbrauchsgüter in der Eurozone machten sich im zweiten Halbjahr 2021 die gestiegenen Rohstoff- und Energiepreise, welche zu höheren Konsumentenpreisen führten, sowie Probleme in den globalen Lieferketten, die zu einer Verknappung des Angebots führten, bemerkbar. Zum Ende des dritten Quartals lagen die Preise für langlebige Konsumgüter der privaten Haushalte der Eurozone +2,4 % oberhalb der Vorjahresmitte und zum Jahresende sogar +3,4 % oberhalb des Vorjahresende.

Sammel- und Spekulationsgüter erfreuten sich in der zweiten Jahreshälfte einer hohen Nachfrage und legten im Preis deutlich zu. Im Vergleich zum jeweiligen Vorjahresquartal lagen die Preise im dritten Quartal um +12,8 % und im vierten um +15,9 % höher. Innerhalb der Kategorie waren besonders Kunstobjekte, historische Automobile und kostbare Weine gefragt.

Das Finanzvermögen der privaten Haushalte in der Eurozone hat sich im Laufe des gesamten Jahres 2021 leicht, aber stetig verteuert. Zum Jahresende konnte ein Preisanstieg von +3,9 % im Vergleich zum Vorjahresquartal gemessen werden. In den einzelnen Kategorien des Finanzvermögens gab es hingegen gegensätzliche Entwicklungen.

Die Preise von Aktien, die sich in Besitz privater Haushalte der Eurozone befinden, verzeichneten zum Jahresende einen Zuwachs von +19,5 %. Dieser Preisanstieg kommt zustande, da zum einen die Preise im Vergleichsquartal Q4-2020 noch unter den Folgen der Coronapandemie litten und zum anderen sich innerhalb des Jahres 2021 der globale wirtschaftliche Aufschwung in den Preisen bemerkbar machte. Der größte Anteil des Preisanstiegs des privaten Aktienvermögens entfällt dabei auf das erste Quartal 2021 und nicht auf die zweite Hälfte des Jahres. In der zweiten Jahreshälfte wurde der Preisanstieg durch die Erwartung steigender Zinsen und Unsicherheiten über die Folgen ansteigender Verbraucherpreise ausgebremst. Innerhalb der sechs Monate der zweiten Jahreshälfte betrug der Zuwachs lediglich +4,2 %. Betrachtet man die geographische Verteilung des Aktienvermögens der Haushalte der Eurozone, so haben sich besonders Aktieninvestitionen in Nordamerika und Europa verteuert, während die Preise für Aktien in Ostasien und der Pazifikregion nur moderat angestiegen sind.

Die Preise für Rentenwerte privater Haushalte der Eurozone sind im Verlauf des Jahres 2021 um ‑3,4 % gefallen. Der größte Teil des Preisverfalls entfällt dabei auf das erste und vierte Quartal. Die Sorge um ansteigende Verbraucherpreise hat bewirkt, dass Anleger in der Eurozone sich von festverzinslichen Wertpapieren mit geringer Verzinsung getrennt haben. Zusätzlich kam im Laufe des Jahres die Erwartung einer Erhöhung des Leitzinses in den USA hinzu, welches ebenfalls die Preise für Rentenwerte gedrückt hat. Das Rentenvermögen privater Haushalte der Eurozone, welches in Titel nordamerikanischer oder europäischer Emittenten sowie Emittenten aus den Emerging Markets investiert war, gab im Preis am deutlichsten nach.

Der Preis für das sonstige Finanzvermögen, welches durch die Preise von Gold und Rohstoffen gemessen wird, lag zum Jahresende +14,7 % oberhalb des Vorjahresende. Zwar verteuerte sich Gold mit +3,7 % nur ein wenig, dafür stiegen die Preise für Rohstoffe mit +52,1 % massiv an. Nachdem Gold noch im Jahr 2020 bedingt durch die Unsicherheiten der Coronapandemie als Krisenmetall stark gefragt war, stellte sich die Preisentwicklung im Jahr 2021 als volatil heraus. Während der Goldpreis im ersten und dritten Quartal fiel, legte er im zweiten und vierten Quartal des Jahres 2021 jeweils zu. Der wirtschaftliche Aufschwung des Jahres 2021 sowie Probleme in den globalen Lieferketten bescherten über das ganze Jahr 2021 den Preisen für Rohstoffe einen deutlichen Aufschwung.

Der Preis für den Anteil des Finanzvermögens, welches die privaten Haushalte der Eurozone in Sicht- und Spareinlagen halten, blieb nach Definition unverändert.

In allen betrachteten südlichen Ländern der Eurozone (Griechenland, Portugal, Spanien und Italien) hat sich die Vermögenspreisinflation in der zweiten Hälfte des Jahres 2021 fortgesetzt und lag zwischen sechs und zwölf Prozent. Betrachtet man die vier Quartale des Jahres 2021 einzeln, so entfällt der größere Anteil der Preissteigerung des Jahres auf die ersten drei Quartale. Innerhalb des vierten Quartals fiel die Preissteigerung der Vermögenswerte in den südländern der Eurozone etwas geringer aus.

In Griechenland fiel die Preissteigerung der Vermögenswerte privater Haushalte besonders hoch aus. Zum Ende des dritten Quartals lag die Vermögenspreisinflation bei +12,0 % im Vergleich zum Vorjahresquartal. Zum Jahresende fiel sie mit +10,0 % ebenfalls hoch aus. Getragen wurde die Entwicklung von einer Kombination aus stark steigenden Immobilienpreisen (+9,9 % in Q4 im Vergleich zum Vorjahresende) und sich deutlich erholenden Preisen für privates Betriebsvermögen (+57,1 % in Q3 im Vergleich zum Vorjahresquartal), die von einem Basiseffekt profitieren. Die Preise für private Betriebsvermögen haben zum Jahresende erstmal wieder das Preisniveau vor der Eurokrise im Jahre 2010 erreicht.

Vergleichbar hoch fiel die Vermögenspreisinflation in der zweiten Jahreshälfte in Portugal aus. Zum Ende des dritten Quartals lagen die Preise um +11,2 % oberhalb des Vorjahreswerts und zum Jahresende noch +10,9 % über dem Vorjahresende. Grund für die Preissteigerung ist auch in Portugal die seit dem Jahr 2014 anhaltende Immobilienpreiserallye, die im dritten Quartal mit einer Preissteigerung von +11,2 % im Vergleich zum Vorjahresquartal einen erneuten Höhepunkt erreicht hatte. Portugal ist zudem das einzige betrachtete Land der Eurozone, in dem sich die Preise für private Betriebsvermögen noch nicht vollständig von dem Preisverfall während der Coronapandemie erholt haben. Zwar kam es im Jahr 2021 zu einer teilweisen Erholung, die Preise für private portugiesische Betriebsvermögen liegen jedoch unterhalb des Vorkrisenniveaus.

In Italien fällt die Vermögenspreisinflation mit +7,1 % und +6,0 % im dritten und vierten Quartal im Vergleich zum jeweiligen Vorjahresquartal zwar hoch, aber bedeutend geringer als in Griechenland und Portugal aus. Grund hierfür ist, dass sich italienische Immobilien lediglich um rund vier Prozent im Vergleich zum Vorjahresende verteuert haben. Auf Grund der angespannten wirtschaftlichen Lage war die Nachfrage nach Immobilien in Italien bedeutend geringer als in den übrigen Ländern der Eurozone. Die Preise für Betriebsvermögen stiegen zwar im dritten Quartal um +42,8 % im Vergleich zum Vorjahresquartal an, der Preisanstieg entfällt jedoch größtenteils auf das erste und zweite Quartal 2021 und nicht auf die zweite Jahreshälfte.

In Spanien fällt die Vermögenspreisinflation mit +5,7 % im dritten und +6,4 % im vierten Quartal im Vergleich zum Vorjahresquartal ähnlich wie in Italien aus. Die Preiserholung des Betriebsvermögens fällt etwas schwächer als in den übrigen betrachteten Südländern aus. Die Preise für private spanische Betriebsvermögen rangierte nur leicht oberhalb des Niveaus von vor Ausbruch der Coronapandemie. Dafür zogen jedoch Immobilienpreise deutlich an. Während im Jahr 2020 die Preissteigerung am Immobilienmarkt noch nahezu zum Stillstand gekommen war, verteuerten sich spanische Immobilien im dritten Quartal um +4,2 % und im vierten Quartal um +6,3 % im Vergleich zum jeweiligen Vorjahresquartal.

Die Vermögenspreisinflation der betrachteten nördlichen Länder der Eurozone fiel zum Jahresende im Durchschnitt höher als in den südlichen Ländern aus und lag zwischen sieben und 16 Prozent.

Mit einer Preissteigerung von +16,7 % im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahresquartal fiel die Vermögenspreisinflation in Österreich über alle betrachteten Länder hinweg am höchsten aus. Ebenfalls ist es der höchste Wert, der bislang für Österreich gemessen wurde. Bis auf Rentenwerte verzeichneten in Österreich alle Vermögenskategorien positive Preiswachstumsraten. Besonders stark war im dritten Quartal der Preisanstieg des Aktienvermögens (+38,8 % im Vergleich zum Vorjahresquartal) und des Betriebsvermögens (+51,2 % im Vergleich zum Vorjahresquartal). Die Preise österreichischer Immobilien legten im Jahr 2021 ebenfalls stark zu und verteuerten sich um +12,7 % im Vergleich zum Vorjahresquartal. Zum Jahresende wurde dieser Wert sogar durch eine Preissteigerung von +14,9 % übertroffen.

Vergleichbar hoch fiel zum Jahresende die Vermögenspreisinflation für private Haushalte in den Niederlanden aus. Mit +16,4 % Preisveränderung zum Jahresende im Vergleich zum Vorjahresende sind die Preise für das Vermögen niederländischer Haushalte mit einem historischen Rekordwert angestiegen. Das Immobilienvermögen verteuerte sich um +18,7 % im Jahresvergleich, welches ebenfalls einen Rekordwert darstellt, nachdem es bereits in den vorherigen Quartalen um neue Höchststände angestiegen war. Der Preis für das niederländische Betriebsvermögen hatte sich bereits zum Jahresende 2020 von dem Einfluss der Pandemie erholt und stieg besonders in der ersten Jahreshälfte nochmals deutlich an. Zum Jahresende lag der Preis für das Betriebsvermögen privater niederländischer Haushalte +36,5 % oberhalb des Vorjahresquartals.

Auch die Preise für das Vermögen privater deutscher Haushalte legten in der zweiten Jahreshälfte zweistellig zu. Im Vergleich zum Vorjahresende stiegen in Deutschland die Vermögenspreise um 11,3 % an. Die Preise der Immobilien privater deutscher Haushalte verteuerten sich mit +12,2 % im Vergleich zum Vorjahresende in Rekordgeschwindigkeit. Zusätzlich wurde auch hier die Vermögenspreisinflation von den Preisen für Betriebsvermögen unterstützt, die besonders innerhalb des ersten und zweiten Quartals zulegten und zum Jahresende +15,9 % teurer als noch zum Vorjahresende waren.

In Finnland stiegen die Preise für die Vermögensgüter privater Haushalte zum Jahresende um +5,5 % gegenüber dem Vorjahresende an. Finnische Immobilien verteuerten sich zum Jahresende um +3,9 %, welches im Vergleich der Länder der Eurozone eine sehr geringe Wachstumsrate für Immobilienpreise ist. Die Preise für privates finnisches Betriebsvermögen stiegen um +17,3 % an. Dies ist ebenfalls im Vergleich mit anderen Ländern der Eurozone ein geringer Wert, jedoch rangierten die Preise für finnisches Betriebsvermögen bereits zum Vorjahresende auf einem hohen Niveau, so dass in den Preisen keine Erholungseffekte aus den Folgen der Pandemie festzumachen waren.

Für Frankreich lag zum Jahresende 2021 der Preisanstieg des Vermögens privater Haushalte bei +7,4 % im Vergleich zum Vorjahresende. Getragen wird auch hier die Entwicklung von den Preisen für Immobilien, die zum Jahresende +7,0 % teurer als zum Vorjahresende waren. Mit +13,4 % fällt die Preissteigerung für das private französische Betriebsvermögen im Vergleich der Eurozone moderat aus. Zwar stiegen die Preise durch die wirtschaftliche Erholung in Frankreich in den ersten drei Quartalen an, im vierten Quartal 2021 gingen die Preise dann jedoch leicht zurück.

In Belgien rangiert die Vermögenspreisinflation mit +7,2 % zum Jahresende auf einem vergleichbaren Niveau wie im Nachbarland Frankreich. Belgische Immobilien verteuerten sich mit +6,1 % etwas weniger als im Nachbarland, dafür stiegen die Preise für Betriebsvermögen mit +20,9 % zum Jahresende etwas kräftiger an.

Daten zu Verbraucherpreisen in der Eurozone belegen, dass die Verbraucherpreisinflation in der zweiten Jahreshälfte 2021 deutlich zugelegt hat, jedoch geringer als die Vermögenspreisinflation ausfällt. In allen zehn betrachteten Ländern der Eurozone sind zum Jahresende die Verbraucherpreise gemessen am HICP angestiegen. Die beobachteten Preiswachstumsraten für Verbrauchsgüter lagen dabei deutlich oberhalb der Wachstumsraten der vorangegangenen Jahre. Am höchsten fiel die Verbraucherpreisinflation mit +6,7 % im Vergleich zum Vorjahresende in Spanien und Belgien aus, knapp gefolgt von der Preissteigerung in den Niederlanden (+6,6 %). Auch in Österreich (+4,0 %), Deutschland (+5,4 %), Griechenland (+5,0 %), Italien (+4,4 %) mussten die Bürger zum Jahresende deutlich mehr für Verbrauchsgüter zahlen. Hingegen war der in Finnland (+2,9 %), Portugal (+3,14 %) und Frankreich (+3,3 %) gemessene Preisanstieg der Verbrauchsgüter im Vergleich mit den übrigen Ländern der Eurozone noch gering.

Der Flossbach von Storch Vermögenspreisindex für die Eurozone umfasst die Länder des südlichen Euroraums Griechenland, Italien, Portugal und Spanien sowie die nördlichen Länder Österreich, Belgien, Finnland, Frankreich, Deutschland und die Niederlande. Für jedes Land wird die Vermögenszusammensetzung eines durchschnittlichen Haushalts auf der Grundlage der "Household Finance and Consumption Survey: Results from the Second Wave" (HFCS, Europäische Zentralbank, Statistics Paper Series No.18, Dezember 2016) berechnet. Das Vermögen eines Haushalts unterteilt sich in Sach- und Finanzvermögen. Das Sachvermögen besteht aus Immobilien, Betriebsvermögen, langlebigen Gebrauchsgütern sowie Sammel- und Spekulationsgüter. Das Finanzvermögen wird in Spar- und Sichteinlagen, Anleihen, Aktien und sonstiges Finanzvermögen unterteilt. Die folgende Tabelle zeigt die Gewichte für den Euroraum sowie für die einzelnen Länder. Investmentfonds, Pensionsfonds und Lebensversicherungen werden in ihre jeweiligen Anlageklassen unterteilt und diesen entsprechend zugeordnet.

Für jede Anlageklasse wird die länderspezifische vierteljährliche Preisänderung berechnet. Es werden ausschließlich Preise und keine Bewertungsindikatoren verwendet. Ebenso werden Erträge aus den Vermögenswerten wie Zinsen, Dividenden oder Mietrenditen ausgeschlossen. Für Sachvermögen, wie z.B. Immobilien oder Gebrauchsgüter, werden qualitätsbereinigte Daten verwendet. So entsprechen die Vermögenspreisindizes konzeptionell den Verbraucherpreisindizes.

Der Index wird als Laspeyres-Preisindex berechnet. Alle Zeitreihen sind im Jahr 2014 auf 100 indexiert, welches mit dem Jahr übereinstimmt, auf das sich die Ergebnisse des HFCS beziehen. Für Zeitreihen, die täglich oder wöchentlich verfügbar sind, basiert der vierteljährliche Indexwert auf dem Durchschnittspreis innerhalb des letzten Monats des Quartals. Bei monatlichen Zeitreihen bestimmt der letzte Monatswert des Quartals den Indexwert.

Immobilienpreise werden mit Hilfe von Zeitreihen gemessen, die von Eurostat, den nationalen statistischen Ämtern und Oxford Economics bereitgestellt werden. Das Betriebsvermögen wird anhand der von ThomsonReuters zur Verfügung gestellten länderspezifischen MSCI Small Cap Preisindizes gemessen. Die Preisentwicklung von langlebigen Gebrauchsgütern wird über die HICP-Zeitreihen für das jeweilige Land von Eurostat erfasst.

Die Preisreihe für Sammel- und Spekulationsgüter besteht aus den vier repräsentativen Unterkategorien Schmuck, Kunst, edle Weine und historische Automobile. Während die Schmuckpreise mit Hilfe der jeweiligen nationalen oder HICP-Zeitreihen gemessen werden, bestehen die drei anderen Kategorien aus denselben Preisreihen für jedes Land. Der All Art Index von Art Market Research Developments gibt Auskunft über die Preiseentwicklung von Kunstobjekte wie Gemälden, Zeichnungen, Skulpturen, Fotografien und Drucke. Der Liv-ex Fine Wine 100 von Liv-ex Ltd. erfasst die Preise für edle Weine und der HAGI Top Index der Historic Automobile Group International misst die Preisentwicklung von historischen Fahrzeugen.

Die geografische Verteilung von Aktien- und Rentenanlagen wird mit Hilfe der Coordinated Portfolio Investment Survey (CPIS) des Internationalen Währungsfonds (IWF) erfasst. Die Kursentwicklung der daraus resultierenden Anlagen wird mit Hilfe von Bloomberg-Barclays-Anleihenpreisindizes und MSCI-Aktienpreisindizes gemessen. Das sonstige Finanzvermögen wird mit Hilfe des London Bullion Goldpreises und des ThomsonReuters Continuous Commodity Index bewertet.

Verbraucherpreise (HICP) werden durch Macrobond bereitgestellt und mittels der X13-ARMINA SEATS Methode saisonbereinigt.

Die Quartalswerte des Vermögenspreisindex für die Eurozone werden halbjährlich veröffentlicht.

Die Methodik des Flossbach von Storch Vermögenspreisindex für die Eurozone unterscheidet sich aufgrund der Datenverfügbarkeit leicht vom Flossbach von Storch Vermögenspreisindex für Deutschland, der vierteljährlich separat veröffentlicht wird.

Datenquellen

Art Market Research Developments Ltd.
Barclays
Eurostat
European Central Bank (ECB)
Oxford Economics
HAGI (Historic Automobile Group)
International Monetary Fund (IMF)
Liv-ex Ltd.
Macrobond
MSCI
ThomsonReuters