FvS Vermögenspreisindex für die Eurozone


H2-2020: Inflation trotz Krise

Im Jahr 2020 sind die Preise für Vermögenswerte in der Eurozone um +3,9 % angestiegen. Während noch im ersten Quartal 2020 die Preise unter Druck gerieten, erholten sie sich in den folgenden Quartalen dank Geld- und Fiskalpolitik schnell. Zwischen den Ländern der Eurozone besteht dabei eine erhebliche Divergenz.

Der Flossbach von Storch Vermögenspreisindex für die Eurozone misst die Preisentwicklung der Vermögenswerte, die sich in Besitz privater Haushalte in ausgewählten Ländern der Eurozone befinden (Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Italien, die Niederlande, Österreich, Portugal und Spanien). Der Preisindex für die Eurozone und für die einzelnen Länder wird als gewichtete Preisentwicklung des Sachvermögens (Immobilien, Betriebsvermögen, langlebige Konsumgüter sowie Sammel- und Spekulationsgüter) und des Finanzvermögens (Spareinlagen, Aktien, Rentenwerte, sonstiges Finanzvermögen) berechnet. Der im FvS Vermögenspreisindex für die Eurozone beinhaltete Index für Deutschland weicht auf Grund der Verfügbarkeit von vergleichbaren Daten in der Eurozone von dem FvS Vermögenspreisindex Deutschland ab, der gesondert quartalsweise veröffentlicht wird.

Trotz einer erheblichen Wirtschaftskrise, Einkommensausfällen und unsicheren Zukunftsaussichten sind die Preise für Vermögenswerte in der Eurozone im Jahr 2020 deutlich angestiegen. Zum Ende des Jahres lagen die Preise für das Vermögen des durchschnittlichen Haushalts um +3,9 % über dem Vorjahresende. Während noch im ersten Quartal 2020 die Vermögenspreise in der Eurozone durch die Pandemie unter Druck gerieten, erholten sich die Preise ab dem zweiten Quartal gestützt durch Geld- und Fiskalpolitik. Zwischen den Ländern der Eurozone besteht dabei eine erhebliche Divergenz, da in den nördlichen Ländern der Eurozone die Vermögenspreisinflation deutlich höher als in den südlichen Ländern ausfällt.

Sachvermögenswerte machen den Großteil des Gesamtvermögens des durchschnittlichen Haushalts der Eurozone aus und sind daher für den Gesamtindex der dominierende Faktor. Trotz hoher Einkommensunsicherheiten bedingt durch die Coronapandemie und die von Regierungen in der gesamten Eurozone erlassenen Einschränkungen war die Nachfrage nach Sachvermögenswerten hoch. So sind die Preise für das Sachvermögen privater Haushalte der Eurozone um +4,4 % angestiegen.

Innerhalb des Sachvermögens setzte sich die hohe Nachfrage nach Immobilien in der Eurozone auch im Jahr 2020 fort und ließ die Preise für Immobilien um +5,4 % ansteigen. Besonders hoch war die Nachfrage nach Wohnimmobilien, während die Preise für Gewerbeimmobilien unter den Einschränkungen litten.

Nachdem im ersten Quartal die Preise für Betriebsvermögen in der Eurozone bedingt durch die Coronapandemie und der damit einhergehenden Unsicherheit über mögliche Insolvenzen eingebrochen waren, erholten sich die Preise in den folgenden Quartalen. Zum Jahresende lagen die Preise für Betriebsvermögen mit -0,1 % auf dem Niveau des Vorjahresendes.

Die Preise für langlebige Verbrauchsgüter unterlagen keinem bedeutenden Einfluss der Pandemie und verteuerten sich um +0,2 %. Die Teuerungsrate lag auf dem Niveau der letzten Jahre.

Sammel- und Spekulationsgüter verzeichneten einen Preisrückgang um -4,3 % im Vergleich zum Vorjahresende. Innerhalb der Kategorie sind besonders die Preise für Kunstobjekte gefallen, da viele Verkäufe außerhalb von Messen und Auktionen stattfanden, wodurch nur geringere Preise erzielt werden konnten (-16,4 %). Die Preise für kostbare Weine gaben im Kalenderjahr um ‑2,5 % nach, da über einen längeren Zeitraum und am Jahresende in vielen Ländern der Eurozone Gastronomie und Einzelhandel geschlossen waren. Die Preise für historische Automobile sind im ersten Quartal stark gefallen, haben sich dann aber schnell erholt, so dass sie zum Jahresende auf dem Preisniveau des Jahresbeginns lagen (+0,5 %). Schmuck aus Edelmetallen hat sich quer durch die Eurozone verteuert, welches durch die gestiegenen Preise für Edelmetalle erklärt werden kann.

Die Preise des Finanzvermögens privater Haushalte der Eurozone lagen zum Jahresende +1,3 % oberhalb der Preise des Vorjahresendes. Während noch bedingt durch die Wirtschaftskrise der Coronapandemie die Preise im ersten Quartal 2020 deutlich gefallen waren, stützten in den folgenden Quartalen Geld- und Fiskalpolitik die Preise auf den Finanzmärkten.

Besonders volatil waren die Preise für Aktien. Im ersten Quartal brachen die Preise für Aktien, die sich in Besitz der Haushalte der Eurozone befinden, um -22,1 % ein, erholten sich dann aber schnell. Zum Ende des Jahres lagen die Preise lediglich noch -3,5 % unterhalb des Vorjahresniveaus.

Die Preise für Rentenwerte, die sich in Besitz privater Haushalte befinden, fielen zum Jahresbeginn auf Grund drohender Insolvenzen. Gestützt von den geldpolitischen Maßnahmen wie der Absenkung des Leitzinses stabilisierten sich die Preise im zweiten Quartal wieder. Besonders im dritten Quartal konnte ein deutlicher Preisanstieg auf dem Rentenmärkten der Eurozone realisiert werden. Zum Jahresende war ein Preisanstieg für Rentenwerte von +2,5 % auszumachen.

Die Preise für die sonstigen Finanzgüter, welche durch Gold- und Rohstoffpreise gemessen werden, stiegen über die erste Jahreshälfte deutlich an, da zwar die Preise für Rohstoffe fielen, Gold aber als Krisenmetall auf den internationalen Märkten stark gefragt war. Über das Jahr drehte sich das Bild, da der Goldpreis mit Fortschritt der Coronapandemie fiel, die Nachfrage nach Rohstoffen jedoch anstieg. Zum Jahresende lag der Preis für das sonstige Finanzvermögen der privaten Haushalte der Eurozone +8,3 % oberhalb des Vorjahresendes.

Portugal verzeichnet unter den Ländern der südlichen Eurozone die größte Vermögenspreisinflation. Die Preise für die Vermögenswerte, die sich in Besitz privater portugiesischer Haushalte befinden, sind über das Jahr 2020 um +4,8 % angestiegen. Hierzu trug besonders der Preisanstieg der Immobilien von +8,6 % bei, die bereits 70 % des gesamten Vermögens privater portugiesischer Haushalte ausmachen. Gedämpft wurde die Inflationsrate durch einen enormen Preisverfall für Betriebsvermögen, das sich zum Jahresende -27,7 % unterhalb des Vorjahres befand. Branchen wie Tourismus, die besonders stark unter der Pandemie gelitten haben, sind im europäischen Vergleich in Portugal überrepräsentiert. Daher fiel zum Jahresende die Preiserholung schwächer als in anderen Ländern der Eurozone aus. Die Preise für das Finanzvermögen portugiesischer Haushalte veränderte sich mit +0,7 % im Vergleich zum Ende des Vorjahres kaum.

In Spanien fiel mit +0,9 % die Vermögenspreisinflation in der Eurozone am geringsten aus. Ähnlich wie in Portugal mussten die Preise für Betriebsvermögen erhebliche Abschläge hinnehmen, jedoch erholten sich die Preise stärker als im Nachbarland und lagen zum Jahresende nur -8,1 % unterhalb des Vorjahresendes. Die Preise für Immobilien legten in Spanien in den ersten drei Quartalen leicht zu, fielen dann jedoch im vierten Quartal, so dass im Jahresvergleich das Immobilienvermögen privater spanischer Haushalte sich lediglich um +1,7 % verteuerte.

In Italien fällt die Vermögenspreisinflation mit +1,0 % ebenfalls gering aus. Grund hierfür ist vor allem ein schwacher Immobilienmarkt, auf dem bereits seit dem Jahr 2012 fallende Preise zu verzeichnen waren. Erst wenige Quartale vor der Coronapandemie stabilisierten sich die Preise auf dem italienischen Immobilienmarkt, kamen dann aber durch die Folgen der Pandemie wieder ins Wanken. Zum Jahresende stieg der Preis für das Immobilienvermögen privater italienischer Haushalte um +1,6 % gegenüber dem Vorjahresende an. Die Preise für das Betriebsvermögen litten in Italien zu Beginn der Pandemie stark, stabilisierten sich jedoch schnell wieder, so dass sie zum vierten Quartal nur noch -4,2 % unterhalb des Vorjahresquartals lagen.

In Griechenland sind die Preise für das Vermögen privater Haushalte um +3,0 % angestiegen. Die Preise für Immobilien in Besitz griechischer Haushalte stiegen um +2,5 % an, das Betriebsvermögen konnte einen Preisanstieg von +10,1 % verzeichnen. Die Preise für griechisches Betriebsvermögen lagen bereits vor der Pandemie auf einem geringen Niveau und sind im Zuge der Pandemie verhältnismäßig wenig gefallen, obwohl weite Teile der griechischen Wirtschaft eng mit dem Tourismus vernetzt sind.

Deutschland hat mit +7,4 % die höchste Vermögenspreisinflation der Eurozone zu verzeichnen. Grund für den deutlichen Preisanstieg im Krisenjahr 2020 war die hohe Nachfrage und das knappe Angebot an Immobilien, die sich um +8,1 % verteuerten und 62 % des Haushaltsvermögens ausmachen. Die Preise für Betriebsvermögen brachen im ersten Quartal ein, erholten sich jedoch gestützt von Geld- und Fiskalpolitik und lagen zum Jahresende sogar +12,7 % oberhalb des Vorjahresendes. Auch die Preise für die Finanzwerte privater deutscher Haushalte legten um +1,5 % zu.

Eine vergleichbare Entwicklung war in den Niederlanden zu beobachten. Die Preise für das Vermögen, das sich in Besitz privater niederländischer Haushalte befindet, stiegen um +7,3 % an. Immobilien verzeichneten mit +8,7 % einen noch höheren Preisanstieg als im Nachbarland und auch das Betriebsvermögen verteuerte sich, gestützt von Geld- und Fiskalpolitik, um +13,4 %. Die Preise für Finanzwerte stiegen in den Niederlanden im Jahr 2020 um +2,9 % an.

In Belgien fiel die Vermögenspreisinflation im vergangenen Jahr mit +3,9 % deutlich geringer als in Deutschland oder den Niederlanden aus. Die Preise für Immobilien, die sich in Besitz privater belgischer Haushalte befinden, stiegen mit +5,7 % deutlich jedoch geringer als in den Nachbarländern an. Der Preis für das belgische Betriebsvermögen rangierte mit +1,5 % nur knapp über dem Vorjahresniveau. Der Preis für das belgische Finanzvermögen fiel um -0,4 %, da besonders die Preise für Aktien mit -8,0 % günstiger als zum Vorjahresende waren.

In Finnland stiegen die Preise für das Vermögen privater Haushalte im vergangenen Jahr um +3,5 % an. Im Quervergleich zu anderen Nordländern der Eurozone verteuerten sich Immobilien mit +3,3 % nur moderat. Dafür konnte jedoch das Betriebsvermögen mit +15,9 % einen deutlichen Preisanstieg zum Vorjahr aufweisen. Die Preise für die Finanzwerte privater finnischer Haushalte legten um +1,6 % zu.

In Frankreich war für das vergangene Jahr ein Preisanstieg für Vermögensgüter von +2,5 % zu verzeichnen. Zwar stiegen Immobilien mit +6,1 % massiv im Preis an, jedoch lagen die Preise für Betriebsvermögen zum Jahresende -8,0 % unter dem Vorjahresende. Im ersten Quartal fielen die Preise für das Betriebsvermögen französischer Haushalte deutlich, stabilisierten sich durch Geld- und Fiskalpolitische Maßnahmen anschließend nur leicht.

Österreich weist mit +2,1 % die geringste Vermögenspreisinflation der Nordländer der Eurozone auf. Immobilienpreise sind auch in Österreich im vergangenen Jahr kräftig angestiegen (+7,3 %), jedoch lagen die Preise für das österreichische Betriebsvermögen durch den hohen Anteil an Tourismus und Gastronomie -14,9 % unter dem Vorjahresniveau. Mit einem Anteil von 17,4 % am österreichischen Gesamtindex fällt der Preisverfall des Betriebsvermögens stärker ins Gewicht als in anderen Ländern der Eurozone.

Im Gegensatz zur Vermögenspreisinflation fiel die Verbraucherpreisinflation im Jahr 2020 gemessen am harmonisierten und saisonal bereinigtem Verbraucherpreisindex gering aus. In der Hälfte der zehn betrachteten Länder (Deutschland, Griechenland, Italien, Portugal und Spanien) kam es zu einem Preisverfall. In den übrigen fünf Ländern (Österreich, Belgien, Finnland, Frankreich und Niederlande) lag die Wachstumsrate der Verbraucherpreise zwischen null und einem Prozent. Am deutlichsten war der Preisverfall in Griechenland, wo Konsumgüter im Jahr 2020 um -2,4 % günstiger wurden. Der höchste Preisanstieg war in Österreich auszumachen (+1,0 %).

Der Flossbach von Storch Vermögenspreisindex für die Eurozone umfasst die Länder des südlichen Euroraums Griechenland, Italien, Portugal und Spanien sowie die nördlichen Länder Österreich, Belgien, Finnland, Frankreich, Deutschland und die Niederlande. Für jedes Land wird die Vermögenszusammensetzung eines durchschnittlichen Haushalts auf der Grundlage der "Household Finance and Consumption Survey: Results from the Second Wave" (HFCS, Europäische Zentralbank, Statistics Paper Series No.18, Dezember 2016) berechnet. Das Vermögen eines Haushalts unterteilt sich in Sach- und Finanzvermögen. Das Sachvermögen besteht aus Immobilien, Betriebsvermögen, langlebigen Gebrauchsgütern sowie Sammel- und Spekulationsgüter. Das Finanzvermögen wird in Spar- und Sichteinlagen, Anleihen, Aktien und sonstiges Finanzvermögen unterteilt. Die folgende Tabelle zeigt die Gewichte für den Euroraum sowie für die einzelnen Länder. Investmentfonds, Pensionsfonds und Lebensversicherungen werden in ihre jeweiligen Anlageklassen unterteilt und diesen entsprechend zugeordnet.

Für jede Anlageklasse wird die länderspezifische vierteljährliche Preisänderung berechnet. Es werden ausschließlich Preise und keine Bewertungsindikatoren verwendet. Ebenso werden Erträge aus den Vermögenswerten wie Zinsen, Dividenden oder Mietrenditen ausgeschlossen. Für Sachvermögen, wie z.B. Immobilien oder Gebrauchsgüter, werden qualitätsbereinigte Daten verwendet. So entsprechen die Vermögenspreisindizes konzeptionell den Verbraucherpreisindizes.

Der Index wird als Laspeyres-Preisindex berechnet. Alle Zeitreihen sind im Jahr 2014 auf 100 indexiert, welches mit dem Jahr übereinstimmt, auf das sich die Ergebnisse des HFCS beziehen. Für Zeitreihen, die täglich oder wöchentlich verfügbar sind, basiert der vierteljährliche Indexwert auf dem Durchschnittspreis innerhalb des letzten Monats des Quartals. Bei monatlichen Zeitreihen bestimmt der letzte Monatswert des Quartals den Indexwert.

Immobilienpreise werden mit Hilfe von Zeitreihen gemessen, die von Eurostat, den nationalen statistischen Ämtern und Oxford Economics bereitgestellt werden. Das Betriebsvermögen wird anhand der von ThomsonReuters zur Verfügung gestellten länderspezifischen MSCI Small Cap Preisindizes gemessen. Die Preisentwicklung von langlebigen Gebrauchsgütern wird über die HICP-Zeitreihen für das jeweilige Land von Eurostat erfasst.

Die Preisreihe für Sammel- und Spekulationsgüter besteht aus den vier repräsentativen Unterkategorien Schmuck, Kunst, edle Weine und historische Automobile. Während die Schmuckpreise mit Hilfe der jeweiligen nationalen oder HICP-Zeitreihen gemessen werden, bestehen die drei anderen Kategorien aus denselben Preisreihen für jedes Land. Der All Art Index von Art Market Research Developments gibt Auskunft über die Preiseentwicklung von Kunstobjekte wie Gemälden, Zeichnungen, Skulpturen, Fotografien und Drucke. Der Liv-ex Fine Wine 100 von Liv-ex Ltd. erfasst die Preise für edle Weine und der HAGI Top Index der Historic Automobile Group International misst die Preisentwicklung von historischen Fahrzeugen.

Die geografische Verteilung von Aktien- und Rentenanlagen wird mit Hilfe der Coordinated Portfolio Investment Survey (CPIS) des Internationalen Währungsfonds (IWF) erfasst. Die Kursentwicklung der daraus resultierenden Anlagen wird mit Hilfe von Bloomberg-Barclays-Anleihenpreisindizes und MSCI-Aktienpreisindizes gemessen. Das sonstige Finanzvermögen wird mit Hilfe des London Bullion Goldpreises und des ThomsonReuters Continuous Commodity Index bewertet.

Verbraucherpreise (HICP) werden durch Macrobond bereitgestellt und mittels der X13-ARMINA SEATS Methode saisonbereinigt.

Die Quartalswerte des Vermögenspreisindex für die Eurozone werden halbjährlich veröffentlicht.

Die Methodik des Flossbach von Storch Vermögenspreisindex für die Eurozone unterscheidet sich aufgrund der Datenverfügbarkeit leicht vom Flossbach von Storch Vermögenspreisindex für Deutschland, der vierteljährlich separat veröffentlicht wird.

Datenquellen

Art Market Research Developments Ltd.
Barclays
Eurostat
European Central Bank (ECB)
Oxford Economics
HAGI (Historic Automobile Group)
International Monetary Fund (IMF)
Liv-ex Ltd.
Macrobond
MSCI
ThomsonReuters