FvS Vermögenspreisindex für die Eurozone


H2-2019: Preisanstieg um 6,3 Prozent

Zum Jahresende 2019 haben sich die Preise für das Vermögen privater Haushalte in der Eurozone im Vergleich zum Vorjahresende um +6,3 % verteuert. Während in Griechenland die Preise für Vermögensgüter deutlich zunahmen, war in Italien die geringste Preissteigerung zu beobachten.

Der Flossbach von Storch Vermögenspreisindex für die Eurozone misst die Preisentwicklung der Vermögenswerte, die sich in Besitz privater Haushalte in ausgewählten Ländern der Eurozone befinden (Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Italien, die Niederlande, Österreich, Portugal und Spanien). Der Preisindex für die Eurozone und für die einzelnen Länder wird als gewichtete Preisentwicklung des Sachvermögens (Immobilien, Betriebsvermögen, langlebige Konsumgüter sowie Sammel- und Spekulationsgüter) und des Finanzvermögens (Spareinlagen, Aktien, Rentenwerte, sonstiges Finanzvermögen) berechnet.

Im Jahr 2019 sind die Preise für das Vermögen, das sich in Besitz privater Haushalte der Eurozone befindet, um +6,3 % im Vergleich zum Vorjahresende angestiegen. Getragen wurde der Preisanstieg sowohl von den Preisen für Sachvermögen (+6,1 %) als auch von den Preisen für Finanzgüter (+6,8 %). Die Verbraucherpreisinflation verharrte hingegen zum Jahresende 2019 mit +1,2 % auf einem deutlich niedrigeren Niveau und auch unterhalb des Preisstabilitätszieles der EZB von nahe aber unterhalb zwei Prozent.

Durch den hohen Anteil an Sachvermögen, den der durchschnittliche private Haushalt der Eurozone besitzt, ist die Preisentwicklung von Sachgütern der dominierende Faktor für den Gesamtindex. Hierunter sind besonders Immobilien und das Betriebsvermögen entscheidend.

Im Jahr 2019 hat sich die Rallye am europäischen Immobilienmarkt fortgesetzt. Die Preise für das Immobilienvermögen der Haushalte der Eurozone lagen am Jahresende um +4,2 % höher als noch zu Jahresbeginn. Preise für das Betriebsvermögen haben sich zum Ende des vierten Quartals 2019 um +21,7 % verteuert. Gemessen wird die Preisveränderung des Betriebsvermögens durch den Marktpreis kleiner öffentlich gehandelter Unternehmen, deren Preise zwar innerhalb der letzten vier Quartale deutlich angestiegen sind, jedoch zuvor im Jahr 2018 auf einem höheren Niveau rangierten.

Die Preise für langlebige Verbrauchsgüter stagnierten zum Jahresende mit +0,3 % im Vergleich zum Vorjahresende. Sammel- und Spekulationsgüter legten im Vergleich zum Vorjahresende um +2,7 % zu.

Die Preise des Finanzvermögens privater Haushalte der Eurozone haben im Jahr 2019 deutlich zugelegt. Preise für Rentenwerte stiegen durch weiterhin fallende Zinsen um +5,7 % an und die Preise für Aktien legten um +19,0 % zu. Die Preise für das sonstige Finanzvermögen (gemessen an Gold- und Rohstoffpreisen) stiegen um +16,5 % an. Der Goldpreis war hierbei der treibende Faktor.  Spar- und Sichteinlagen unterlagen keiner preislichen Veränderung.

Mit einem Preisanstieg von +11,7 % verzeichnete Griechenland den stärksten Preisanstieg der gesamten Eurozone. Dies ist darauf zurückzuführen, dass zum einen die Preise für das Betriebsvermögen griechischer Haushalte im Jahr 2019 um +72,3 % angestiegen sind und zum anderen die Preise für griechische Immobilien um +8,3 % zugelegt haben. Trotz der hohen Preissteigerungen lagen sowohl die Preise für Immobilien als auch für das Betriebsvermögen noch weit unter dem Niveau vor der Euro- und Finanzkrise.

Die Preise für das Vermögen privater portugiesischer Haushalte legten zum Jahresende um +7,3 % im Vergleich zum Vorjahresende zu. Maßgeblich für die Entwicklung ist die Preisrallye am portugiesischen Immobilienmarkt (+8,9 %), wo die höchste Immobilienpreissteigerung der Eurozone zu verzeichnen war.

Die Preise für das Vermögen spanischer Haushalte stiegen zum Ende des Jahres um +4,3 % im Vergleich zum Vorjahresende an. Getragen wird die Entwicklung durch steigende Preise für Finanzwerte, moderat steigende Immobilienpreise und einen Anstieg der Preise für spanische Betriebsvermögen um +10,0 %.

Mit +2,9 % fiel die Preissteigerung des Vermögens italienischer Haushalte moderater aus. Zwar stiegen die Preise für das Betriebsvermögen italienischer Haushalte um +23,5 % an, jedoch stagnierte die Immobilienpreise in Italien (+0,3 %). Dennoch war die Preissteigerung des Jahres 2019 die höchste seit 2007. Vor der Jahresmitte 2019 hatte Italien über zwölf Jahre mit Vermögenspreisdeflation zu kämpfen.

In Deutschland sind die Preise für das Vermögen privater Haushalte im Jahr 2019 um +8,0 % angestiegen. Steigende Preise für Immobilien, Betriebsvermögen und für Finanzvermögen haben zu der Entwicklung beigetragen.

IIn Österreich und Belgien war jeweils mit +7,7 % eine hohe Preissteigerung des Vermögens privater Haushalte festzustellen. Auch in den beiden Ländern ist die Kombination von unaufhörlich steigenden Immobilienpreisen, einem starken Preisanstieg für Betriebsvermögen und steigenden Preisen für Finanzgüter ursächlich.

In den Niederlanden (+6,8 %) und in Frankreich (+6,6 %) sind die Preise für private Vermögenswerte ebenfalls deutlich angestiegen. In den Niederlanden fiel zwar der Preisanstieg des Betriebsvermögens mit +29,6 % sehr hoch aus, jedoch ist der relative Anteil des Betriebsvermögens geringer als in anderen nördlichen Ländern der Eurozone. Dafür sind die niederländischen Immobilienpreise mit +6,3 % stark angestiegen. Der durchschnittliche französische Haushalt besitzt hingegen ein deutlich höheres Betriebsvermögen, so dass es selbst bei einer verhältnismäßig geringen Preissteigerung von +3,8 % am Immobilienmarkt zu einer ähnlich hohen Inflationsrate wie in den Niederlanden kam.

In Finnland fiel die Vermögenspreisinflation mit +3,2 % bedeutend geringer als in den anderen nördlichen Ländern der Eurozone aus. Zum einen wiesen Immobilien in Finnland mit +0,8 % eine nur sehr geringe Preissteigerung auf. Zum anderen sind auch hier die Preise für das Betriebsvermögen mit +21,2 % deutlich angestiegen.

Die Entwicklung der Verbraucherpreise innerhalb der Eurozone ist deutlich homogener als die Entwicklung der Preise für Vermögensgüter. Die niedrigste Verbraucherpreisinflation lag in Portugal mit +0,3 % zum Jahresende 2019 vor. In Belgien und Österreich sind Verbraucherpreise hingegen am stärksten angestiegen und legten zum Jahresende um +1,8 % höher als zu Jahresbeginn.

Der Flossbach von Storch Vermögenspreisindex für die Eurozone umfasst die Länder des südlichen Euroraums Griechenland, Italien, Portugal und Spanien sowie die nördlichen Länder Österreich, Belgien, Finnland, Frankreich, Deutschland und die Niederlande. Für jedes Land wird die Vermögenszusammensetzung eines durchschnittlichen Haushalts auf der Grundlage der "Household Finance and Consumption Survey: Results from the Second Wave" (HFCS, Europäische Zentralbank, Statistics Paper Series No.18, Dezember 2016) berechnet. Das Vermögen eines Haushalts unterteilt sich in Sach- und Finanzvermögen. Das Sachvermögen besteht aus Immobilien, Betriebsvermögen, langlebigen Gebrauchsgütern sowie Sammel- und Spekulationsgüter. Das Finanzvermögen wird in Spar- und Sichteinlagen, Anleihen, Aktien und sonstiges Finanzvermögen unterteilt. Die folgende Tabelle zeigt die Gewichte für den Euroraum sowie für die einzelnen Länder. Investmentfonds, Pensionsfonds und Lebensversicherungen werden in ihre jeweiligen Anlageklassen unterteilt und diesen entsprechend zugeordnet.

Für jede Anlageklasse wird die länderspezifische vierteljährliche Preisänderung berechnet. Es werden ausschließlich Preise und keine Bewertungsindikatoren verwendet. Ebenso werden Erträge aus den Vermögenswerten wie Zinsen, Dividenden oder Mietrenditen ausgeschlossen. Für Sachvermögen, wie z.B. Immobilien oder Gebrauchsgüter, werden qualitätsbereinigte Daten verwendet. So entsprechen die Vermögenspreisindizes konzeptionell den Verbraucherpreisindizes.

Der Index wird als Laspeyres-Preisindex berechnet. Alle Zeitreihen sind im Jahr 2014 auf 100 indexiert, welches mit dem Jahr übereinstimmt, auf das sich die Ergebnisse des HFCS beziehen. Für Zeitreihen, die täglich oder wöchentlich verfügbar sind, basiert der vierteljährliche Indexwert auf dem Durchschnittspreis innerhalb des letzten Monats des Quartals. Bei monatlichen Zeitreihen bestimmt der letzte Monatswert des Quartals den Indexwert.

Immobilienpreise werden mit Hilfe von Zeitreihen gemessen, die von Eurostat, den nationalen statistischen Ämtern und Oxford Economics bereitgestellt werden. Das Betriebsvermögen wird anhand der von ThomsonReuters zur Verfügung gestellten länderspezifischen MSCI Small Cap Preisindizes gemessen. Die Preisentwicklung von langlebigen Gebrauchsgütern wird über die HICP-Zeitreihen für das jeweilige Land von Eurostat erfasst.

Die Preisreihe für Sammel- und Spekulationsgüter besteht aus den vier repräsentativen Unterkategorien Schmuck, Kunst, edle Weine und historische Automobile. Während die Schmuckpreise mit Hilfe der jeweiligen nationalen oder HICP-Zeitreihen gemessen werden, bestehen die drei anderen Kategorien aus denselben Preisreihen für jedes Land. Der Artprice Global Index von artprice.com gibt Auskunft über die Kunstpreise, der Liv-ex Fine Wine 100 von Liv-ex Ltd. erfasst die Preise für edle Weine und der HAGI Top Index der Historic Automobile Group International misst die Preisentwicklung von historischen Fahrzeugen.

Die geografische Verteilung von Aktien- und Rentenanlagen wird mit Hilfe der Coordinated Portfolio Investment Survey (CPIS) des Internationalen Währungsfonds (IWF) erfasst. Die Kursentwicklung der daraus resultierenden Anlagen wird mit Hilfe von Bloomberg-Barclays-Anleihenpreisindizes und MSCI-Aktienpreisindizes gemessen. Das sonstige Finanzvermögen wird mit Hilfe des London Bullion Goldpreises und des ThomsonReuters Continuous Commodity Index bewertet.

Die Quartalswerte des Vermögenspreisindex für die Eurozone werden halbjährlich veröffentlicht.

Die Methodik des Flossbach von Storch Vermögenspreisindex für die Eurozone unterscheidet sich aufgrund der Datenverfügbarkeit leicht vom Flossbach von Storch Vermögenspreisindex für Deutschland, der vierteljährlich separat veröffentlicht wird.

Liste der Datenquellen:

artprice.com
Barclays
Eurostat
European Central Bank (ECB)
Oxford Economics
HAGI (Historic Automobile Group)
Haver Analytics
International Monetary Fund (IMF)
Liv-ex Ltd.
MSCI
ThomsonReuters