FvS Vermögenspreisindex für die Eurozone


H1-2020: Pandemie teilt die Eurozone

Die Corona-Pandemie treibt die Divergenz in der Eurozone voran. Zwar trotzen Immobilienpreise der Pandemie, jedoch leiden Preise für Betriebsvermögen in den südlichen Ländern der Eurozone stärker unter der Pandemie als im Norden.

Der Verlauf der Corona-Pandemie zeigt sich in der Entwicklung der Vermögenspreise in der Eurozone. Mit der ersten Infektionswelle in Europa fielen zum Ende des ersten Quartals die Preise für das Vermögen der privaten Haushalte in der Eurozone. Über zwölf Monate betrachtet war, nur ein leichter Preiszuwachs von 1,5 % zu verzeichnen. Im zweiten Quartal erholten sich die Preise schnell, so dass zur Jahresmitte im 12-Monatsvergleich ein Preiszuwachs von +3,1 % zu verzeichnen war.

Durch den hohen Anteil an Sachvermögen, den der durchschnittliche private Haushalt der Eurozone besitzt, ist die Preisentwicklung von Sachgütern für den Gesamtindex der dominierende Faktor. Hierunter sind besonders Immobilien und das Betriebsvermögen entscheidend.

Die Entwicklung der Immobilienpreise in der Eurozone zeigt sich von der Corona-Pandemie unbeeindruckt. Die 12-Monatswachstumsrate für Immobilienpreise legte erneut zu und lag zur Jahresmitte bei +4,9 %. Preise für Betriebsvermögen litten hingegen deutlich unter den Lockdowns und den damit einhergehenden eingeschränkten Ertragsmöglichkeiten. Zum Ende des ersten Quartals lagen die Preise für Betriebsvermögen -17,5 % unter dem Vorjahresquartal. Im Laufe des zweiten Quartals erholten sich die Preise, so dass sie zur Jahresmitte nur noch -5,9 % unter den Preisen der Vorjahresmitte lagen.

Die Preise für langlebige Verbrauchsgüter unterlagen keinem Einfluss der Pandemie und verteuerten sich um +0,6 %. Sammel- und Spekulationsgüter verteuerten sich im Vergleich zur Vorjahresmitte um +1,7 %. Zwar stiegen die Preise für Schmuck aus Edelmetall, kostbare Weine und historische Automobile, jedoch fielen die Preise für Kunstobjekte.

Die Preise des Finanzvermögens privater Haushalte der Eurozone haben zur Jahresmitte im 12-Monatsvergleich um +1,7 % zugelegt. Innerhalb des Finanzvermögens gab es unterschiedliche Entwicklungsrichtungen. Die Preise für Aktien, die sich in Besitz privater Haushalte befinden, sind im ersten Quartal stark eingebrochen und lagen -15,1% unterhalb der Preise des Vorjahresquartals. Im zweiten Quartal haben sich die Preise für Aktien erholt, so dass sie zur Jahresmitte -5,5 % unterhalb der Vorjahresmitte lagen. Maßgeblich für die Preisentwicklung waren die durch Lockdowns eingetrübten Ertragsaussichten öffentlich gehandelter Unternehmen weltweit.

Die Preise für Anleihen sind bislang gut durch die Pandemie gekommen. Zwar drückten aufkommende Risiken zu Zahlungsschwierigkeiten der Emittenten auf die Preise, jedoch trugen sowohl ein Umschichten von Geldern des Aktienmarkts hin zum Anleihenmarkt sowie die durch die Zentralbanken weiter abgesenkten Zinsen zu steigenden Preisen für Anleihen bei. Zum Ende des ersten Quartals lagen die Preise für Anleihen +3,2 % über dem Vorjahreswert und zur Jahresmitte +1,1 % über der Vorjahresmitte. Die Preise für das sonstige Finanzvermögen (gemessen über Gold- und Rohstoffpreise) stiegen um +16,1 % an. Hierbei legte der Preis für Gold, getrieben durch die steigende Unsicherheit an den Finanzmärkten, zur Jahresmitte um +28,0% im Vergleich zur Vorjahresmitte zu. Rohstoffe wurden auf Grund einer geringeren Nachfrage, die durch die zurückgegangene Wirtschaftsaktivität ausgelöst wurde, um -11,0 % günstiger.

In den südlichen Ländern der Eurozone fällt die Vermögenspreisinflation moderat aus. In Portugal sind zur Jahresmitte Vermögenspreise im Jahresvergleich um +3,8 % angestiegen. Getragen wurde die Entwicklung einerseits von stark steigenden Preisen für Immobilien (+7,8 %), zum anderen dämpfte ein massiver Preisverfall für Betriebsvermögen (-31,4 %) die Vermögenspreise.

In Griechenland sind die Preise für das Vermögen privater Haushalte um +3,2 % angestiegen. Tonangebend waren auch hier die Preise für Immobilien, die im Vergleich zur Vorjahresmitte um +4,9 % teurer geworden sind. Obwohl die Preise für griechische Immobilien seit nun über zweieinhalb Jahren ansteigen, liegen ihre Preise noch weit unter dem Niveau von vor der Euro- und Finanzkrise.

Die Preise für das Vermögen privater italienischer Haushalte sind zur Jahresmitte um +3,4 % angestiegen. Erstmals seit 2011 sind die Preise für Immobilien in Italien angestiegen und das trotz massiver wirtschaftlicher Einbußen durch die Corona-Pandemie.

In Spanien stagnieren die Preise für das Vermögen privater Haushalte. Im Vergleich zur Vorjahresmitte lagen die Preise um +0,9 % höher. Zwar verzeichneten spanische Immobilien mit +2,2 % einen leichten Preiszuwachs, jedoch fielen die Preise für das Betriebsvermögen spanischer Haushalte kräftig (-15,7 %).

In den Niederlanden (+5,9 %) und in Deutschland (+5,4 %) fällt zur Jahresmitte die Vermögenspreisinflation am höchsten aus. In beiden Ländern trotzen die Preise für Immobilien der Corona-Pandemie und steigen unaufhörlich mit jährlichen Wachstumsraten von oberhalb +6,3 % an. Die Preise für Betriebsvermögen sind auf Grund der Pandemie in beiden Ländern im ersten Quartal gefallen. Zur Jahresmitte haben sich die Preise jedoch wieder erholt und lagen in Deutschland oberhalb des Vorjahreswerts und in den Niederlanden nur knapp darunter.

Auch in Belgien sind mit +4,6 % deutliche Preiszuwächse auf den Märkten für Vermögensgüter zu verzeichnen. Getragen wird diese Entwicklung vor allem für die Preise für Betriebsvermögen, die zur Jahresmitte +18,3 % über dem Vorjahreswert lagen. Preise für belgische Immobilien haben zur Jahresmitte +4,5 % zugenommen.

Frankreich (+1,4 %) und Österreich (+1,2 %) verzeichnen für die Vermögensgüter privater Haushalte moderate Preiswachstumsraten. In Frankreich wurde die Preisentwicklung von einem starken Preisverfall des Betriebsvermögens im ersten und zweiten Quartal geprägt, obwohl sich die Preise für Immobilien zur Jahresmitte um +5,5 % verteuerten. Ein vergleichbares Bild ist in Österreich vorzufinden, wo sich zwar Immobilien verteuert haben (+6,9 %), die Preise für Betriebsvermögen jedoch besonders unter der Pandemie gelitten haben und zur Jahresmitte -19,1 % unterhalb des Vorjahreswertes lagen.

In Finnland liegen die Preise für das Vermögen privater Haushalte mit +0,5 % zur Jahresmitte auf dem Niveau der Vorjahresmitte. Sowohl Immobilien als Betriebsvermögen, Aktien und Anleihen weisen keine deutliche Preisveränderung im Vergleich zur Vorjahresmitte auf. Dieses Bild ist in der Eurozone einmalig.

Die Entwicklung der Verbraucherpreise in der Eurozone ist deutlich homogener als die Entwicklung der Preise für Vermögensgüter. Aber auch hier gibt es einen deutlichen Unterschied zwischen den Nord- und den Südländern. Die Preissteigerungsraten für Verbrauchsgüter lagen zwischen -1,7 % (Griechenland) und +1,6 % (Niederlande). Dabei sind die negativen Preiswachstumsraten primär in den südlichen Ländern der Eurozone vorzufinden, während in den Nordländern die Preise angestiegen sind.

Der Flossbach von Storch Vermögenspreisindex für die Eurozone umfasst die Länder des südlichen Euroraums Griechenland, Italien, Portugal und Spanien sowie die nördlichen Länder Österreich, Belgien, Finnland, Frankreich, Deutschland und die Niederlande. Für jedes Land wird die Vermögenszusammensetzung eines durchschnittlichen Haushalts auf der Grundlage der "Household Finance and Consumption Survey: Results from the Second Wave" (HFCS, Europäische Zentralbank, Statistics Paper Series No.18, Dezember 2016) berechnet. Das Vermögen eines Haushalts unterteilt sich in Sach- und Finanzvermögen. Das Sachvermögen besteht aus Immobilien, Betriebsvermögen, langlebigen Gebrauchsgütern sowie Sammel- und Spekulationsgüter. Das Finanzvermögen wird in Spar- und Sichteinlagen, Anleihen, Aktien und sonstiges Finanzvermögen unterteilt. Die folgende Tabelle zeigt die Gewichte für den Euroraum sowie für die einzelnen Länder. Investmentfonds, Pensionsfonds und Lebensversicherungen werden in ihre jeweiligen Anlageklassen unterteilt und diesen entsprechend zugeordnet.

Für jede Anlageklasse wird die länderspezifische vierteljährliche Preisänderung berechnet. Es werden ausschließlich Preise und keine Bewertungsindikatoren verwendet. Ebenso werden Erträge aus den Vermögenswerten wie Zinsen, Dividenden oder Mietrenditen ausgeschlossen. Für Sachvermögen, wie z.B. Immobilien oder Gebrauchsgüter, werden qualitätsbereinigte Daten verwendet. So entsprechen die Vermögenspreisindizes konzeptionell den Verbraucherpreisindizes.

Der Index wird als Laspeyres-Preisindex berechnet. Alle Zeitreihen sind im Jahr 2014 auf 100 indexiert, welches mit dem Jahr übereinstimmt, auf das sich die Ergebnisse des HFCS beziehen. Für Zeitreihen, die täglich oder wöchentlich verfügbar sind, basiert der vierteljährliche Indexwert auf dem Durchschnittspreis innerhalb des letzten Monats des Quartals. Bei monatlichen Zeitreihen bestimmt der letzte Monatswert des Quartals den Indexwert.

Immobilienpreise werden mit Hilfe von Zeitreihen gemessen, die von Eurostat, den nationalen statistischen Ämtern und Oxford Economics bereitgestellt werden. Das Betriebsvermögen wird anhand der von ThomsonReuters zur Verfügung gestellten länderspezifischen MSCI Small Cap Preisindizes gemessen. Die Preisentwicklung von langlebigen Gebrauchsgütern wird über die HICP-Zeitreihen für das jeweilige Land von Eurostat erfasst.

Die Preisreihe für Sammel- und Spekulationsgüter besteht aus den vier repräsentativen Unterkategorien Schmuck, Kunst, edle Weine und historische Automobile. Während die Schmuckpreise mit Hilfe der jeweiligen nationalen oder HICP-Zeitreihen gemessen werden, bestehen die drei anderen Kategorien aus denselben Preisreihen für jedes Land. Der All Art Index von Art Market Research Developments gibt Auskunft über die Preiseentwicklung von Kunstobjekte wie Gemälden, Zeichnungen, Skulpturen, Fotografien und Drucke. Der Liv-ex Fine Wine 100 von Liv-ex Ltd. erfasst die Preise für edle Weine und der HAGI Top Index der Historic Automobile Group International misst die Preisentwicklung von historischen Fahrzeugen.

Die geografische Verteilung von Aktien- und Rentenanlagen wird mit Hilfe der Coordinated Portfolio Investment Survey (CPIS) des Internationalen Währungsfonds (IWF) erfasst. Die Kursentwicklung der daraus resultierenden Anlagen wird mit Hilfe von Bloomberg-Barclays-Anleihenpreisindizes und MSCI-Aktienpreisindizes gemessen. Das sonstige Finanzvermögen wird mit Hilfe des London Bullion Goldpreises und des ThomsonReuters Continuous Commodity Index bewertet.

Verbraucherpreise (HICP) werden durch Macrobond bereitgestellt und mittels der X13-ARMINA SEATS Methode saisonbereinigt.

Die Quartalswerte des Vermögenspreisindex für die Eurozone werden halbjährlich veröffentlicht.

Die Methodik des Flossbach von Storch Vermögenspreisindex für die Eurozone unterscheidet sich aufgrund der Datenverfügbarkeit leicht vom Flossbach von Storch Vermögenspreisindex für Deutschland, der vierteljährlich separat veröffentlicht wird.

Datenquellen

Art Market Research Developments Ltd.
Barclays
Eurostat
European Central Bank (ECB)
Oxford Economics
HAGI (Historic Automobile Group)
International Monetary Fund (IMF)
Liv-ex Ltd.
Macrobond
MSCI
ThomsonReuters