STUDIE. Trotz Diversifizierungsinitiativen weltweit ist die globale Wertschöpfung im Bereich der Seltenen Erden weiterhin stark auf China konzentriert und damit mit geoökonomischen Risiken behaftet.
Executive Summary
Als im Herbst 2010 plötzlich die Preise für bestimmte Hightech-Materialien explodierten, wurde vielen Industrieunternehmen schlagartig klar, wie verletzlich ihre Lieferketten waren. Der Auslöser? Kein Ölkonflikt, keine Finanzkrise – sondern ein Seestreit zwischen China und Japan. Im Zentrum standen Metalle, von denen bis dahin kaum jemand gehört hatte: Seltene Erden.
Heute sind sie aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Ohne Seltene Erden gäbe es weder leistungsfähige Motoren in Elektrofahrzeugen noch effiziente Windkraftanlagen, keine Smartphones, keine modernen Verteidigungssysteme. Was einst vor allem Mineralogen beschäftigte, ist inzwischen zum Nervensystem moderner Volkswirtschaften geworden.
Mit ihrer technologischen Bedeutung ist auch ihre geopolitische Brisanz gewachsen. In den vergangenen Jahrzehnten hat China nicht nur große Teile der globalen Förderung kontrolliert, sondern vor allem die entscheidenden Verarbeitungs- und Raffineriestufen auf- und ausgebaut. Eine staatlich gelenkte Industriepolitik machte es möglich, geologische Ressourcen in systemischen Einfluss zu verwandeln – sichtbar etwa durch Exportbeschränkungen, die systemische Marktreaktionen hervorrufen und politische Abhängigkeiten offenlegen.
Zwar reagieren die großen Volkswirtschaften inzwischen: Die USA fördern neue Bergbau- und Verarbeitungsprojekte, die EU hat ein Gesetz zu kritischen Rohstoffen verabschiedet, Japan diversifiziert seit über einem Jahrzehnt seine Bezugsquellen, und Australien stärkt seine Rolle als alternativer Produzent. Trotzdem bleibt die globale Wertschöpfung im Bereich der Seltenen Erden stark auf China konzentriert – und damit aus geopolitischer und geoökonomischer Sicht kritisch.
Diese Studie geht dieser Fragilität nach. Sie verfolgt die Lieferketten Seltener Erden von der Mine bis zu hochveredelten Industrieprodukten. Sie zeigt, wo strategische Importabhängigkeiten entstanden sind – und warum sie so schwer aufzulösen sind. Dabei wird deutlich: Es geht längst nicht mehr nur um Geologie. Industriepolitik, Umweltschutz und geopolitische Strategien greifen ineinander und machen aus scheinbar gewöhnlichen Mineralien ein zentrales Machtinstrument der Geopolitik.
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