FvS Vermögenspreisindex Deutschland


Q4-2018: Preisverfall im vierten Quartal

Zwar ist der Vermögenspreisindex in 2018 um 0,9 % angestiegen, im vierten Quartal gingen die Preise für das Vermögen deutscher Haushalte jedoch um 2,7 % zurück. Fallende Preise für Betriebsvermögen und Finanzwerte waren hierfür maßgeblich. Die wohlhabendsten Haushalte und Haushalte kurz vor Renteneintritt erlitten durch ihren hohen Anteil an Betriebsvermögen einen leichten Preisverfall ihrer Vermögenswerte. Erstmals seit 2012 liegt die Verbraucherpreisinflation wieder über der Vermögenspreisinflation.

Mit +0,9 % im Jahresvergleich fällt die Vermögenspreisinflation gemessen am FvS Vermögenspreisindex bedeutend geringer als in der jüngsten Vergangenheit aus. Maßgeblich hierfür ist das vierte Quartal 2018, indem die Vermögenspreise sogar um 2,7 % zurückgegangen sind. Zuvor waren die Vermögenspreise zwölf Quartale in Folge angestiegen.

Die Preise für die Sachwerte deutscher Haushalte sind in 2018 um +1,9 % angestiegen. Vormals waren sie stets der Treiber der hohen Inflation. Das Finanzvermögen verzeichnet nun den vierten Preisverfall in Folge und wird im Jahresvergleich um 3,8 % günstiger.

Innerhalb des Sachvermögens gibt es unterschiedliche Preisentwicklungen. Immobilien folgen ihrem langjährigen Aufwärtstrend und verteuern sich im Vergleich zum Vorjahr um 7,9 %. Im Gegansatz dazu fällt im gleichen Zeitraum der Preis für Betriebsvermögen um 18,4 %. Die zu den Vermögenswerten zählenden langlebigen Verbrauchsgüter verteuern sich um 1,1 % und Sammel- und Spekulationsgüter stagnieren.

Innerhalb des Finanzvermögens erleiden besonders Aktien einen bedeutenden Preisverfall. Der Preis für Aktien in Besitz deutscher Haushalte gibt im Vergleich zum Vorjahresquartal um 13,7 % nach. Auch Rentenwerte erleiden einen Preisverfall und geben um 2,1 % nach. Somit sind Rentenwerte nun acht Quartale in Folge günstiger geworden. Das sonstige Finanzvermögen deutscher Haushalte (gemessen durch Gold und Rohstoffpreise) verteuert sich um 1,8 %. Der Preis des Sparvermögens bleibt nach Definition unverändert.

Im Vermögensquerschnitt deutscher Haushalte ergibt sich zum Ende des vierten Quartals ein bedeutend anderes Bild als noch in den vergangenen Jahren. Durch ihren hohen Anteil an Betriebsvermögen und Aktien ist der Preis für das Vermögen der wohlhabendsten Haushalte um 1,3 % gefallen. Das letzte Mal, dass die wohlhabendsten Haushalte einen Preisrückgang ihrer Vermögenswerte hinnehmen mussten, trat in Q2-2012 ein. Seitdem verzeichnete das Vermögen der wohlhabendsten Haushalte stets Inflationsraten zwischen drei und zwölf Prozent. Die gesamte Mittelschicht sowie die ärmsten Haushalte liegen mit Inflationsraten zwischen 3,8 % und 4,6 % nah beieinander. Lediglich Haushalte der unteren Mittelschicht erfahren mit +0,9 % eine geringere Preissteigerung. Maßgeblich hierfür ist der hohe Anteil an Sparvermögen und der verhältnismäßig geringe Immobilienbesitz der Haushalte der unteren Mittelschicht.

Auch im Querschnitt des Alters der Haushalte (gemessen durch das Alter der Referenzperson) hat sich das Bild verändert. Der Zusammenhang zwischen Alter und Inflationsrate ist nun u-förmig, während er zuvor noch hügelförmig war. Die niedrigste Inflationsrate ist bei Haushalten kurz vor Renteneintrittsalter zu finden. Ihre Vermögenswerte sind auf Grund des anteilsmäßig hohen Betriebsvermögens um 1,0 % im Vergleich zum Vorjahresquartal gefallen. In den vorherigen Quartalen waren dies meist die Haushalte mit den höchsten Inflationsraten. Alle anderen Haushaltsgruppen weisen höhere Preiswachstumsraten auf. Die jüngsten Haushalte (25-34 Jahre) unterliegen einer Inflationsrate von 3,1 % und am anderen Ende der Altersskala (75 Jahre und älter) sind die Haushalte mit der höchsten Inflationsrate vorzufinden. Durch ihr anteilsmäßig hohes Immobilienvermögen beträgt die Preissteigerung für die ältesten Haushalte +4,4 % im Jahresvergleich.

Erstmals seit langem fällt die Verbraucherpreisinflation größer als die Vermögenspreisinflation aus. Mit 2,2 % im Jahresvergleich hat die Verbraucherpreisinflation deutlich Fahrt aufgenommen. Betrachtet man die Entwicklung von Vermögens- und Verbraucherpreisen im langfristigen Vergleich, so sind Vermögenspreise deutlich stärker angestiegen. Seit dem letzten lokalen Hoch der Vermögenspreise zur Jahresmitte 2007 sind diese um 36,4 % angestiegen. Im gleichen Zeitraum haben Verbraucherpreise um 17,3 % zulelegt.

Erzeugerpreise sind in 2018 um 3,1 % angestiegen. Somit liegen sowohl Verbraucher- als auch Erzeugerpreisinflation oberhalb der Vermögenspreis-infaltion. Das letzte Mal traf dies in Q2-2012 zu, als die Vermögens-preisinflation ebenfalls auf einem niedrigen Wert verharrte.

Der FvS Vermögenspreisindex erfasst die Preisänderung von Vermögensgütern deutscher Haushalte. Der Index wird mittels des Verfahrens von Laspeyres als gewichteter Durchschnitt von indexierten Preiszeitreihen berechnet, welche jeweils die Entwicklung der Preise von Vermögensgütern in Euro wiedergeben. Der Index ist auf dem Durchschnittswert des Jahres 2014 basiert. Wenn notwendig, wurden qualitätsbereinigte Zeitreihen herangezogen und Erträge, wie z.B. Zinszahlungen, nicht berücksichtigt. Eine Bewertung der Preise wird nicht vorgenommen. Für die Vermögensklasse Aktien gehen bspw. die Aktienpreise und nicht etwa das Preis-Gewinn-Verhältnis ein. Dies entspricht dem Vorgehen bei Güterpreisindizes, in die nur Güterpreise und nicht etwa das Preis-Nutzen-Verhältnis eingehen.

Die Auswahl der relevanten Vermögensgüter erfolgt über die Studie „Private Haushalte und deren Finanzen“ (PHF) der Deutschen Bundesbank (2016). Die Gewichtung der Zeitreihen basiert auf den Umfrageergebnissen der PHF-Studie zum Jahr 2014 und entspricht dem Anteil der Vermögensgüter am Bruttovermögen der deutschen Haushalte. Die Zusammensetzung des Haushaltsvermögens im Bevölkerungsquerschnitt nach Höhe des Vermögens und nach Alter der Haushaltsmitglieder ist sehr heterogen. Daher wird der FvS Vermögenspreisindex zusätzlich für verschiedene Quantile der Verteilung des Nettovermögens deutscher Haushalte (Bruttovermögen abzüglich Verbindlichkeiten) und für verschiedene Altersgruppen (gemessen am Alter der Referenzperson des Haushalts) berechnet.

Die Vermögensgüter eines Haushalts werden in verschiedene Untergruppen des Sach- und Finanzvermögens eingeteilt. Zum Sachvermögen zählen Immobilien, Betriebsvermögen (netto), langfristige Verbrauchsgüter sowie Sammel- und Spekulationsgüter. Unter dem Finanzvermögen werden Sicht- und Spareinlagen, Aktien, Rentenwerte sowie das sonstige Finanzvermögen zusammengefasst. Vermögen in Form von Fondsanteilen und Guthaben bei kapitalbildenden Versicherungsverträgen wird entsprechend der jeweiligen Zusammensetzung auf die vorhergehenden Komponenten aufgeteilt.

Die Preisentwicklung von Immobilienvermögen wird durch die vdp-Immobilienpreisindizes der vdpResearch GmbH erfasst. Der Index „Wohnen“ gibt hierbei die Veränderung der Preise für selbstgenutztes Wohneigentum wieder, während die Preisveränderung sonstiger Immobilien durch den Index „Gesamt“ erfasst wird. Da der Index „Gesamt“ erst ab 2008 unterjährig verfügbar ist, werden Quartalswerte vor 2008 mit Hilfe des durchschnittlichen Jahreswachstums approximiert. Entsprechend der Vermögensverteilung der Haushalte werden die beiden Indizes zueinander gewichtet. Beide Preisindizes basieren auf einer Transaktionsdatenbank, die knapp 90 Prozent der Umsätze des deutschen Immobilienmarkts wiedergibt.

Privates Betriebsvermögen umfasst alle nicht öffentlich gehandelten Unternehmensbeteiligungen privater Haushalte. Die Preisentwicklung wird durch den SDAX Kursindex der Deutschen Börse approximiert, der Preise für Unternehmen des Mittelstands erfasst. Der SDAX Kursindex spiegelt die Preisentwicklung von 50 öffentlich gehandelten Unternehmen der klassischen Industriebranchen wider, die hinsichtlich Marktkapitalisierung und Börsenumsatz den im MDAX gelisteten Werten folgen.

Um die Preisentwicklung langfristiger Verbrauchsgüter wie beispielsweise Nutzfahrzeuge und Möbel zu messen, werden die entsprechenden Komponenten des Verbraucherpreisindex vom Statistischen Bundesamt herangezogen. Die relative Gewichtung erfolgt über den jeweiligen Anteil am Verbraucherpreisindex.

Die Preisentwicklung von Sammel- und Spekulationsobjekten wird durch die vier repräsentativen Güterklassen Schmuck, Kunstobjekte, historische Automobile und kostbare Weine gleichgewichtet erfasst. Die Preismessung von Schmuck erfolgt durch die Komponente „Schmuck aus Edelmetallen“ des Verbraucherpreisindex. Um die Preisentwicklung am Kunstmarkt abzubilden, wird der Artprice Global Index von Artprice.com verwendet. Dieser Preisindex basiert auf Auktionspreisen für Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen, Fotographien, Drucken, Aquarelle, und Ähnlichem. Zur Preismessung von historischen Automobilen wird der HAGI Top Index der Historic Automobile Group International (HAGI) herangezogen. Der Index verfolgt die Preisentwicklung von 50 seltenen historischen Automobiltypen basierend auf einer Datenbank mit Transaktionen zu mehr als 18.000 Einzelfahrzeugen. Quartalswerte vor 2009 entstammen einer unterjährig interpolierenden gleichgewichteten Rückrechnung. Die Preisentwicklung von kostbaren Weinen wird mit dem Liv-ex Fine Wine 100 der Handelsplattform Liv-ex Ltd. gemessen. Der Index misst die Preisentwicklung des Premiumsegments des Weinhandels für Weine, für die ein Sekundärmarkt existiert. Im Index sind primär Bordeaux Weine enthalten, jedoch auch Weine aus den Weinanbaugebieten Burgund, Rhône, Champagne und aus Italien.

Da Spar- und Sichteinlagen keinem direkten Preis unterliegen, wird angenommen, dass sie keine Preisveränderungen aufweisen und werden daher durch eine konstante Zeitreihe modelliert. Unter anderem fallen in diese Kategorie Giro-, Spar-, Fest- und Tagesgeldkonten, Guthaben auf Bauspar- und nichtstaatlichen Altersvorsorgeverträgen und Forderungen gegenüber anderen Haushalten.

Die Preisentwicklung von Aktien wird durch verschiedene Aktienkursindizes erfasst. Mittels der Daten der Coordinated Portfolio Investment Survey (CPIS) des Internationalen Währungsfonds (IWF) wird die geographische Gewichtung deutscher Aktieninvestitionen bestimmt und, basierend darauf, MSCI-Kursindizes entsprechend zueinander gewichtet.

Analog zum Vorgehen bei den Aktieninvestitionen wird die geographische Verteilung von Renteninvestitionen mittels Daten des IWF und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) bestimmt, und die Preisentwicklung anhand der entsprechenden Rentenpreisindizes von Barclays Bank PLC. berechnet. Hierbei werden sowohl Staats- als auch Unternehmensanleihen mit verschiedener Bonität und Restlaufzeit berücksichtigt.

Das sonstige Finanzvermögen, welches nicht durch die drei vorhergehenden Kategorien abgedeckt ist, wird stellvertretend durch die Entwicklung der Preise von Gold und Rohstoffen gemessen. Für die Preisentwicklung von Rohstoffen wird hierbei der Thomson Reuters Continuous Commodity Index verwendet, welcher die Preisentwicklung von Futures auf diverse Rohstoffe wiedergibt. Der Goldpreis wird über den London Bullion Market erhoben.

Zur Aufteilung des Kapitals, welches in Versicherungsverträgen und Fonds gebündelt ist, werden Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und des Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) genutzt.

Bei Zeitreihen mit tagesaktuellen Werten wird stets der durchschnittliche Tagesendindexstand des letzten Quartalsmonats genutzt. Bei monatlich verfügbaren Indizes wird der letzte Monatswert im Quartal herangezogen.

Durch Revision historischer Daten der zugrundeliegenden Zeitreihen kann es zu einer Abweichung der historischen Indexwerte von vorherigen Veröffentlichungen kommen.

Veröffentlichung

Der FvS Vermögenspreisindex erscheint quartalsweise. Die Indexwerte eines Quartals werden zur Mitte des Folgequartals publiziert:

Erstes Quartal: 15. Mai
Zweites Quartal: 15. August
Drittes Quartal: 15. November
Viertes Quartal: 15. Februar des Folgejahres

Sollte der Termin auf ein Wochenende oder einen gesetzlichen Feiertag fallen, so erfolgt die Veröffentlichung am darauffolgenden Werktag.

Datenquellen:

Artprice.com
Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ)
Barclays Bank PlC
Bundesverband Investment und Asset Management (BVI)
Deutsche Bundesbank
destatis - Statistisches Bundesamt
Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) e.V.
Historic Automobile Group International (HAGI)
Internationaler Währungsfonds (IWF)
Liv-ex Ltd
ThomsonReuters
vdpResearch GmbH