FvS Vermögenspreisindex Deutschland


Q4-2019: Inflation bei 7,6%

Zum Ende des Jahres 2019 sind die Preise für das Vermögen privater deutscher Haushalte im Vergleich zum Vorjahresende um +7,6% angestiegen. Ursächlich für die Entwicklung sind sowohl die stark angestiegenen Preise für Betriebsvermögen als auch die unaufhörlich steigenden Preise am Immobilienmarkt. Haushalte ohne Immobilienbesitz und ohne Betriebsvermögen, wie sie vor allem unter jungen, armen oder alten Haushalten vorzufinden sind, leiden unter der Vermögenspreisinflation.

Die Verbraucherpreise stiegen in diesem Zeitraum nur um +1,2% an. Seit dem ersten Quartal 2005 ergibt sich somit eine langfristige jährliche Vermögenspreisinflation von +3,2%, während die langfristige jährliche Verbraucherpreisinflation mit +1,4% weniger als die Hälfte betrug.

Das Vermögen privater deutscher Haushalte lässt sich in Sachvermögen und Finanzvermögen unterteilen. Die Preise für das Sachvermögen deutscher Haushalte haben im Jahresverlauf 2019 um +8,1% zugelegt, Finanzwerte verteuerten sich um +5,4%. Für beide Kategorien liegt die Preissteigerung erheblich über den Teuerungsraten der vorangegangenen Quartale. Durch den höheren Anteil an Sachvermögen in der Vermögensbilanz deutscher Haushalte ist die Preisentwicklung des Sachvermögens für die Entwicklung des Gesamtindex maßgeblich.

Innerhalb des Sachvermögens ist die Preisentwicklung für Betriebsvermögen und am Immobilienmarkt ausschlaggebend. Mit +6,3% im Vergleich zum Vorjahresquartal haben sich Immobilienpreise im Jahr 2019 erheblich verteuert. Das historisch niedrige Zinsniveau führt trotz eingetrübter Konjunkturaussichten weiterhin zu einer hohen Nachfrage nach Immobilien. Preise für Betriebe im Besitz privater deutscher Haushalte haben zum Ende 2019 mit +23,5% erheblich zugelegt. Der Preis für Betriebsvermögen wird durch den SDAX-Kursindex gemessen, der die Veränderung der Aktienkurse von 70 gelisteten deutschen Mittelstandsunternehmen wiedergibt. Ende des Jahres 2018 gingen auf Grund von Rezessionsbefürchtungen die Preise an den Aktienmärkten massiv zurück, stiegen jedoch im Frühjahr 2019 rasch wieder an. Die Preise für Sammel- und Spekulationsgüter stiegen um +1,3% an und langlebige Verbrauchsgüter in Besitz deutscher Haushalte verteuerten sich um +0,9%.

Innerhalb des Finanzvermögens deutscher Haushalte sind die Preise für das Aktienvermögen am stärksten angestiegen. Im Vergleich zum Ende des Vorjahres haben sich Aktien um +18,4% verteuert. Ende 2018 hatten Aktienmärkte weltweit Preisrückgänge zu verzeichnen, im Frühjahr 2019 stiegen sie hingegen wieder deutlich an. Auch der Preis für das sonstige Finanzvermögen (gemessen an Gold- und Rohstoffpreisen) hat mit +15,5% erheblich zugelegt. Verantwortlich hierfür ist der Goldpreis, der um +21,4% im Vergleich zum Vorjahresquartal angestiegen ist. Preise für das Rentenvermögen deutscher Haushalte sind um +3,2% angestiegen. Durch die im Verlauf des Jahres 2019 erneut gefallenen Zinsen sind die Preise an den Rentenmärkten in Europa und den USA weiter angestiegen. Der Preis für das Sparvermögen deutscher Haushalte bleibt nach Definition unverändert.

Im Querschnitt des Nettovermögens deutscher Haushalte fällt die Vermögenspreisinflation für die wohlhabendsten Haushalte an höchsten aus. Durch den hohen Anteil an Betriebsvermögen steigen die Preise für das  Vermögen der wohlhabendsten Haushalte um +9,1% an. Die untere Mittelschicht weist mit +3,5% die geringste Preissteigerung auf, da sie über einen hohen Anteil an Sparvermögen und den geringsten Anteil an Betriebsvermögen verfügt. Für die übrigen Haushalte liegt die Vermögenspreisinflation zwischen +5,1% und +6,2%. Da der relative Anteil an Betriebs- und Immobilienvermögen bestimmend für die Vermögenspreisinflation ist, nimmt die Inflation für diese Haushalte mit steigendem Nettovermögen zu.

Im Altersquerschnitt weist die Vermögenspreisinflation einen U-förmigen Verlauf auf. Während die jüngsten Haushalte (Altersgruppe 25-34 Jahre) eine Vermögenspreisinflation von +7,1% erfahren, steigt sie bis zur Altersgruppe 45-54 Jahre auf +9,0% an. Mit weiter steigendem Alter fällt die Vermögenspreisinflation anschließend wieder ab, so dass das Vermögen der ältesten Haushalte mit +6,3% die geringste Preissteigerung aufweist. Entscheidend für den Verlauf der Inflation im Altersquerschnitt ist unter anderem der relative Anteil an Betriebsvermögen. Dieser ist bei der Altersgruppe 45-54 am höchsten.

Verbraucherpreise weisen hingegen eine gänzlich andere Entwicklung auf. Zum Jahresende 2019 beträgt die Verbraucherpreisinflation für deutsche Haushalte +1,2% und liegt somit weit hinter der Vermögenspreisinflation zurück. Auch die Entwicklung der Erzeugerpreise unterscheidet sich erheblich von den Vermögenspreisen. Diese sind im gleichen Zeitraum um  0,5% gefallen.

Der Flossbach von Storch (FvS) Vermögenspreisindex erfasst die Preisentwicklung des Vermögens deutscher Haushalte. Der Index entspricht der gewichteten Preisentwicklung des Sach- und Finanzvermögens, welches sich im Besitz deutscher Haushalte befindet. Zum Sachvermögen zählen neben Immobilien- und Betriebsvermögen auch langlebige Verbrauchsgüter sowie Sammel- und Spekulationsobjekte. Das Finanzvermögen unterteilt sich in Aktien, Rentenwerte, Spar- und Sichteinlagen sowie in sonstige Finanzwerte. Immobilien stellen mit Abstand den größten Posten (63,7%) dar, gefolgt von Betriebsvermögen (11,7%) sowie Spar- und Sichteinlagen (10,5%).

Der FvS Vermögenspreisindex erfasst die Preisänderung von Vermögensgütern deutscher Haushalte. Der Index wird mittels des Verfahrens von Laspeyres als gewichteter Durchschnitt von indexierten Preiszeitreihen berechnet, welche jeweils die Entwicklung der Preise von Vermögensgütern in Euro wiedergeben. Der Index ist auf dem Durchschnittswert des Jahres 2014 basiert. Wenn notwendig, wurden qualitätsbereinigte Zeitreihen herangezogen und Erträge, wie z.B. Zinszahlungen, nicht berücksichtigt. Eine Bewertung der Preise wird nicht vorgenommen. Für die Vermögensklasse Aktien gehen bspw. die Aktienpreise und nicht etwa das Preis-Gewinn-Verhältnis ein. Dies entspricht dem Vorgehen bei Güterpreisindizes, in die nur Güterpreise und nicht etwa das Preis-Nutzen-Verhältnis eingehen.

Die Auswahl der relevanten Vermögensgüter erfolgt über die Studie „Private Haushalte und deren Finanzen“ (PHF) der Deutschen Bundesbank (2016). Die Gewichtung der Zeitreihen basiert auf den Umfrageergebnissen der PHF-Studie zum Jahr 2014 und entspricht dem Anteil der Vermögensgüter am Bruttovermögen der deutschen Haushalte. Die Zusammensetzung des Haushaltsvermögens im Bevölkerungsquerschnitt nach Höhe des Vermögens und nach Alter der Haushaltsmitglieder ist sehr heterogen. Daher wird der FvS Vermögenspreisindex zusätzlich für verschiedene Quantile der Verteilung des Nettovermögens deutscher Haushalte (Bruttovermögen abzüglich Verbindlichkeiten) und für verschiedene Altersgruppen (gemessen am Alter der Referenzperson des Haushalts) berechnet.

Die Vermögensgüter eines Haushalts werden in verschiedene Untergruppen des Sach- und Finanzvermögens eingeteilt. Zum Sachvermögen zählen Immobilien, Betriebsvermögen (netto), langfristige Verbrauchsgüter sowie Sammel- und Spekulationsgüter. Unter dem Finanzvermögen werden Sicht- und Spareinlagen, Aktien, Rentenwerte sowie das sonstige Finanzvermögen zusammengefasst. Vermögen in Form von Fondsanteilen und Guthaben bei kapitalbildenden Versicherungsverträgen wird entsprechend der jeweiligen Zusammensetzung auf die vorhergehenden Komponenten aufgeteilt.

Die Preisentwicklung von Immobilienvermögen wird durch die vdp-Immobilienpreisindizes der vdpResearch GmbH erfasst. Der Index „Wohnen“ gibt hierbei die Veränderung der Preise für selbstgenutztes Wohneigentum wieder, während die Preisveränderung sonstiger Immobilien durch den Index „Gesamt“ erfasst wird. Da der Index „Gesamt“ erst ab 2008 unterjährig verfügbar ist, werden Quartalswerte vor 2008 mit Hilfe des durchschnittlichen Jahreswachstums approximiert. Entsprechend der Vermögensverteilung der Haushalte werden die beiden Indizes zueinander gewichtet. Beide Preisindizes basieren auf einer Transaktionsdatenbank, die knapp 90 Prozent der Umsätze des deutschen Immobilienmarkts wiedergibt.

Privates Betriebsvermögen umfasst alle nicht öffentlich gehandelten Unternehmensbeteiligungen privater Haushalte. Die Preisentwicklung wird durch den SDAX Kursindex der Deutschen Börse approximiert, der Preise für Unternehmen des Mittelstands erfasst. Der SDAX Kursindex spiegelt die Preisentwicklung von 50 öffentlich gehandelten Unternehmen der klassischen Industriebranchen wider, die hinsichtlich Marktkapitalisierung und Börsenumsatz den im MDAX gelisteten Werten folgen.

Um die Preisentwicklung langfristiger Verbrauchsgüter wie beispielsweise Nutzfahrzeuge und Möbel zu messen, werden die entsprechenden Komponenten des Verbraucherpreisindex vom Statistischen Bundesamt herangezogen. Die relative Gewichtung erfolgt über den jeweiligen Anteil am Verbraucherpreisindex.

Die Preisentwicklung von Sammel- und Spekulationsobjekten wird durch die vier repräsentativen Güterklassen Schmuck, Kunstobjekte, historische Automobile und kostbare Weine gleichgewichtet erfasst. Die Preismessung von Schmuck erfolgt durch die Komponente „Schmuck aus Edelmetallen“ des Verbraucherpreisindex. Um die Preisentwicklung am Kunstmarkt abzubilden, wird der Artprice Global Index von Artprice.com verwendet. Dieser Preisindex basiert auf Auktionspreisen für Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen, Fotographien, Drucken, Aquarelle und Ähnlichem. Zur Preismessung von historischen Automobilen wird der HAGI Top Index der Historic Automobile Group International (HAGI) herangezogen. Der Index verfolgt die Preisentwicklung von 50 seltenen historischen Automobiltypen basierend auf einer Datenbank mit Transaktionen zu mehr als 18.000 Einzelfahrzeugen. Quartalswerte vor 2009 entstammen einer unterjährig interpolierenden gleichgewichteten Rückrechnung. Die Preisentwicklung von kostbaren Weinen wird mit dem Liv-ex Fine Wine 100 der Handelsplattform Liv-ex Ltd. gemessen. Der Index misst die Preisentwicklung des Premiumsegments des Weinhandels für Weine, für die ein Sekundärmarkt existiert. Im Index sind primär Bordeaux Weine enthalten, jedoch auch Weine aus den Weinanbaugebieten Burgund, Rhône, Champagne und aus Italien.

Da Spar- und Sichteinlagen keinem direkten Preis unterliegen, wird angenommen, dass sie keine Preisveränderungen aufweisen und werden daher durch eine konstante Zeitreihe modelliert. Unter anderem fallen in diese Kategorie Giro-, Spar-, Fest- und Tagesgeldkonten, Guthaben auf Bauspar- und nichtstaatlichen Altersvorsorgeverträgen und Forderungen gegenüber anderen Haushalten.

Die Preisentwicklung von Aktien wird durch verschiedene Aktienkursindizes erfasst. Mittels der Daten der Coordinated Portfolio Investment Survey (CPIS) des Internationalen Währungsfonds (IWF) wird die geographische Gewichtung deutscher Aktieninvestitionen bestimmt und, basierend darauf, MSCI-Kursindizes entsprechend zueinander gewichtet.

Analog zum Vorgehen bei den Aktieninvestitionen wird die geographische Verteilung von Renteninvestitionen mittels Daten des IWF und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) bestimmt, und die Preisentwicklung anhand der entsprechenden Rentenpreisindizes von Barclays Bank PLC. berechnet. Hierbei werden sowohl Staats- als auch Unternehmensanleihen mit verschiedener Bonität und Restlaufzeit berücksichtigt.

Das sonstige Finanzvermögen, welches nicht durch die drei vorhergehenden Kategorien abgedeckt ist, wird stellvertretend durch die Entwicklung der Preise von Gold und Rohstoffen gemessen. Für die Preisentwicklung von Rohstoffen wird hierbei der Roger International Commodity Index verwendet, welcher die Preisentwicklung von Futures auf diverse Rohstoffe wiedergibt. Der Goldpreis wird über den London Bullion Market erhoben.

Zur Aufteilung des Kapitals, welches in Versicherungsverträgen und Fonds gebündelt ist, werden Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI) genutzt.

Bei Zeitreihen mit tagesaktuellen Werten wird stets der durchschnittliche Tagesendindexstand des letzten Quartalsmonats genutzt. Bei monatlich verfügbaren Indizes wird der letzte Monatswert im Quartal herangezogen.

Durch Revision historischer Daten der zugrundeliegenden Zeitreihen kann es zu einer Abweichung der historischen Indexwerte von vorherigen Veröffentlichungen kommen.

Veröffentlichung

Der FvS Vermögenspreisindex erscheint quartalsweise. Die Indexwerte eines Quartals werden zur Mitte des Folgequartals publiziert:

Erstes Quartal: 15. Mai
Zweites Quartal: 15. August
Drittes Quartal: 15. November
Viertes Quartal: 15. Februar des Folgejahres

Sollte der Termin auf ein Wochenende oder einen gesetzlichen Feiertag fallen, so erfolgt die Veröffentlichung am darauffolgenden Werktag.

Datenquellen:

Artprice.com
Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ)
Barclays Bank PlC
Bundesverband Investment und Asset Management (BVI)
Deutsche Bundesbank
destatis - Statistisches Bundesamt
Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) e.V.
Historic Automobile Group International (HAGI)
Internationaler Währungsfonds (IWF)
Liv-ex Ltd
ThomsonReuters
vdpResearch GmbH