FvS Vermögenspreisindex Deutschland


Q1-2019: Nach Preisverfall: Inflation zieht wieder an

Zum Ende des ersten Quartals 2019 sind die Preise für die Vermögensgüter deutscher Haushalte im Vergleich zum Vorjahresquartal um 3,1 % angestiegen. Der Preisverfall zum Jahresende 2018 wurde durch die Erholung im Frühjahr 2019 ausgeglichen. Immobilien verteuerten sich im Jahresvergleich am stärksten, während Preise für Betriebsvermögen am deutlichsten zurückgingen.

Zum Ende des ersten Quartals 2019 haben sich die Vermögensgüter deutscher Haushalte im Vergleich zum Vorjahresquartal um +3,1 % verteuert. Der Preisverfall des vierten Quartals 2018 wurde durch die Preissteigerung des ersten Quartals 2019 ausgeglichen, so dass zusammen mit den vorangegangenen Quartalen die Preise für Vermögensgüter im Jahresvergleich wieder anziehen.

Die Entwicklung des Gesamtindex wird getragen von der Preiswentwicklung des Sachvermögens, das im Vergleich zum Vorjahresquartal um 4,0 % teurer geworden ist. Das Finanzvermögen verzeichnet hingegen den fünften Preisverfall in Folge und wird im Jahresvergleich um 0,2 % günstiger.

Innerhalb des Sachvermögens wird die Entwicklung von den sich weiterhin verteuernden Immobilien und nachlassenden Preisen für Betriebsvermögen getragen. Mit +7,0 % verteuern sich Immobilien im Jahresvergleich erneut erheblich, wenn auch nicht mehr ganz so stark wie in den vorangegangenen Quartalen. Preise für Betriebsvermögen haben sich im ersten Quartal zwar deutlich erholt, nachdem sie im Winter 2018 stark gefallen waren; im Vergleich zum ersten Quartal 2018 liegen die Preise für Betriebsvermögen jedoch immer noch 11,2 % niedriger. Langlebige Verbrauchsgüter werden um +1,0 % teurer und Sammel- und Spekulationsgüter geben nun schon das sechste Mal in Folge im Preis nach (-1,6 %). Innerhalb der Sammel- und Spekulationsgüter sind besonders die Preise für Kunstobjekte deutlich gefallen.

Innerhalb des Finanzvermögens gibt es nur vergleichsweise geringe Preisbewegungen. Im Vergleich zum ersten Quartal 2018 sind Aktien nun 1,9 % günstiger. Die Erholung am Aktienmarkt im Frühjahr 2019 hat den Preisverfall des Jahresende 2018 nicht ganz kompensieren können. Rentenwerte haben sich im Vergleich zum Vorjahresquartal um 0,5 % verteuert. Zuvor gaben Renten acht Quartale in Folge im Preis nach. Den größten Preisanstieg zeigt das sonstige Finanzvermögen (gemessen durch Gold- und Rohstoffpreise) auf, das sich um 5,4 % verteuert hat. Besonders der Preis für Gold ist für die hohe Preissteigerung ursächlich, während Rohstoffpreise nur moderat angestiegen sind. Der Preis des Sparvermögens bleibt nach Definition unverändert.

Im Vermögensquerschnitt weisen Haushalte, die einen hohen Anteil an Immobilienvermögen besitzen, die höchsten Preiswachstumsraten ihres Vermögens auf. Dies ist besonders in der oberen Mittelschicht der Fall, deren Preissteigerungsrate 4,9 % beträgt. Da die vermögensten Haushalte neben einem hohen Immobilienanteil auch über ein hohes Betriebsvermögen verfügen, steigt der Preis ihres Vermögens nur um 2,1 % an. Dies ist nur marginal höher als der Preisanstieg, den das Vermögen der Haushalte der unteren Mittelschicht (+1,7 %) verzeichnet. Dort sind jedoch ein hoher Anteil an Sparguthaben und ein geringer Immobilienbesitz ursächlich. Die zunehmende Divergenz im Vermögensquerschnitt, wie sie sich in den letzten Jahren abgezeichnet hat, hat deutlich an Dynamik verloren.

Im Querschnitt des Alters der Haushalte (gemessen durch das Alter der Referenzperson des Haushalts) schwanken die Inflationsraten zwischen 1,8 % und 4,6 %. Die niedrigste Preissteigerungsrate weisen Haushalte mittleren Alters (45-54 Jahre) auf, da bei ihnen das anteilsmäßig höchste Betriebsvermögen vorzufinden ist. Bei den ältesten Haushalten (75+ Jahre) steigen die Preise der Vermögenswerte durch den höchsten Anteil an Immobilien am Gesamtvermögen mit +4,6 % am stärksten an. Bei den übrigen Haushaltskategorien steigt die Vermögenspreisinflation mit zunehmenden Alter von +2,5 % (25-34 Jahre) bis zu +4,3 % (65-74 Jahre) auf Grund des steigenden Immobilienanteils.

Die Verbraucherpreisinflation liegt mit 1,4 % auf ihrem langfristigen Mittel, fällt aber nur halb so hoch wie die Vermögenspreisinflation aus. Die Inflation der Erzeugerpreise liegt mit +2,5 % zwischen den beiden anderen Inflationskennzahlen.

Der Flossbach von Storch (FvS) Vermögenspreisindex erfasst die Preisentwicklung des Vermögens deutscher Haushalte. Der Index entspricht der gewichteten Preisentwicklung des Sach- und Finanzvermögens, welches sich im Besitz deutscher Haushalte befindet. Zum Sachvermögen zählen neben Immobilien- und Betriebsvermögen auch langlebige Verbrauchsgüter sowie Sammel- und Spekulationsobjekte. Das Finanzvermögen unterteilt sich in Aktien, Rentenwerte, Spar- und Sichteinlagen sowie in sonstige Finanzwerte. Immobilien stellen mit Abstand den größten Posten (63,7 %) dar, gefolgt von Betriebsvermögen (11,7 %) sowie Spar- und Sichteinlagen (10,5 %).

Mit Veröffentlichung dieser Indexpubilkation wurde sowohl das Jahr der Wägung als auch das Jahr der Indexierung von 2014 auf 2017 verlegt. Hierdurch kommt es gezwungenermaßen zu Veränderungen in den vergangenen Indexständen. 2017 wurde als Wägungsjahr gewählt, da durch die Veröffentlichung der dritten Welle der Studie „Private Haushalte und Ihre Finanzen“ der Deutschen Bundesbank (Deutschen Bundesbank: Monatsbericht April 2019) neue Daten zur Vermögensverteilung deutscher Haushalte zur Verfügung stehen. Sämtliche Quellen, die ebenfalls für das Wägungsschema herangezogen wurden, wurden ebenfalls mit Daten des Jahres 2017 aktualisiert.

Der FvS Vermögenspreisindex erfasst die Preisänderung von Vermögensgütern deutscher Haushalte. Der Index wird mittels des Verfahrens von Laspeyres als gewichteter Durchschnitt von indexierten Preiszeitreihen berechnet, welche jeweils die Entwicklung der Preise von Vermögensgütern in Euro wiedergeben. Der Index ist auf dem Durchschnittswert des Jahres 2017 basiert. Wenn notwendig, wurden qualitätsbereinigte Zeitreihen herangezogen und Erträge, wie z.B. Zinszahlungen, nicht berücksichtigt. Eine Bewertung der Preise wird nicht vorgenommen. Für die Vermögensklasse Aktien gehen bspw. die Aktienpreise und nicht etwa das Preis-Gewinn-Verhältnis ein. Dies entspricht dem Vorgehen bei Güterpreisindizes, in die nur Güterpreise und nicht etwa das Preis-Nutzen-Verhältnis eingehen.

Die Auswahl der relevanten Vermögensgüter erfolgt über die Studie „Private Haushalte und deren Finanzen“ (PHF) der Deutschen Bundesbank (2019). Die Gewichtung der Zeitreihen basiert auf den Umfrageergebnissen der PHF-Studie zum Jahr 2017 und entspricht dem Anteil der Vermögensgüter am Bruttovermögen der deutschen Haushalte. Die Zusammensetzung des Haushaltsvermögens im Bevölkerungsquerschnitt nach Höhe des Vermögens und nach Alter der Haushaltsmitglieder ist sehr heterogen. Daher wird der FvS Vermögenspreisindex zusätzlich für verschiedene Quantile der Verteilung des Nettovermögens deutscher Haushalte (Bruttovermögen abzüglich Verbindlichkeiten) und für verschiedene Altersgruppen (gemessen am Alter der Referenzperson des Haushalts) berechnet.

Die Vermögensgüter eines Haushalts werden in verschiedene Untergruppen des Sach- und Finanzvermögens eingeteilt. Zum Sachvermögen zählen Immobilien, Betriebsvermögen (netto), langfristige Verbrauchsgüter sowie Sammel- und Spekulationsgüter. Unter dem Finanzvermögen werden Sicht- und Spareinlagen, Aktien, Rentenwerte sowie das sonstige Finanzvermögen zusammengefasst. Vermögen in Form von Fondsanteilen und Guthaben bei kapitalbildenden Versicherungsverträgen wird entsprechend der jeweiligen Zusammensetzung auf die vorhergehenden Komponenten aufgeteilt.

Die Preisentwicklung von Immobilienvermögen wird durch die vdp-Immobilienpreisindizes der vdpResearch GmbH erfasst. Der Index „Wohnen“ gibt hierbei die Veränderung der Preise für selbstgenutztes Wohneigentum wieder, während die Preisveränderung sonstiger Immobilien durch den Index „Gesamt“ erfasst wird. Da der Index „Gesamt“ erst ab 2008 unterjährig verfügbar ist, werden Quartalswerte vor 2008 mit Hilfe des durchschnittlichen Jahreswachstums approximiert. Entsprechend der Vermögensverteilung der Haushalte werden die beiden Indizes zueinander gewichtet. Beide Preisindizes basieren auf einer Transaktionsdatenbank, die knapp 90 Prozent der Umsätze des deutschen Immobilienmarkts wiedergibt.

Privates Betriebsvermögen umfasst alle nicht öffentlich gehandelten Unternehmensbeteiligungen privater Haushalte. Die Preisentwicklung wird durch den SDAX Kursindex der Deutschen Börse approximiert, der Preise für Unternehmen des Mittelstands erfasst. Der SDAX Kursindex spiegelt die Preisentwicklung von 50 öffentlich gehandelten Unternehmen der klassischen Industriebranchen wider, die hinsichtlich Marktkapitalisierung und Börsenumsatz den im MDAX gelisteten Werten folgen.

Um die Preisentwicklung langfristiger Verbrauchsgüter wie beispielsweise Nutzfahrzeuge und Möbel zu messen, werden die entsprechenden Komponenten des Verbraucherpreisindex vom Statistischen Bundesamt herangezogen. Die relative Gewichtung erfolgt über den jeweiligen Anteil am Verbraucherpreisindex.

Die Preisentwicklung von Sammel- und Spekulationsobjekten wird durch die vier repräsentativen Güterklassen Schmuck, Kunstobjekte, historische Automobile und kostbare Weine gleichgewichtet erfasst. Die Preismessung von Schmuck erfolgt durch die Komponente „Schmuck aus Edelmetallen“ des Verbraucherpreisindex. Um die Preisentwicklung am Kunstmarkt abzubilden, wird der Artprice Global Index von Artprice.com verwendet. Dieser Preisindex basiert auf Auktionspreisen für Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen, Fotographien, Drucken, Aquarelle, und Ähnlichem. Zur Preismessung von historischen Automobilen wird der HAGI Top Index der Historic Automobile Group International (HAGI) herangezogen. Der Index verfolgt die Preisentwicklung von 50 seltenen historischen Automobiltypen basierend auf einer Datenbank mit Transaktionen zu mehr als 18.000 Einzelfahrzeugen. Quartalswerte vor 2009 entstammen einer unterjährig interpolierenden gleichgewichteten Rückrechnung. Die Preisentwicklung von kostbaren Weinen wird mit dem Liv-ex Fine Wine 100 der Handelsplattform Liv-ex Ltd. gemessen. Der Index misst die Preisentwicklung des Premiumsegments des Weinhandels für Weine, für die ein Sekundärmarkt existiert. Im Index sind primär Bordeaux Weine enthalten, jedoch auch Weine aus den Weinanbaugebieten Burgund, Rhône, Champagne und aus Italien.

Da Spar- und Sichteinlagen keinem direkten Preis unterliegen, wird angenommen, dass sie keine Preisveränderungen aufweisen und werden daher durch eine konstante Zeitreihe modelliert. Unter anderem fallen in diese Kategorie Giro-, Spar-, Fest- und Tagesgeldkonten, Guthaben auf Bauspar- und nichtstaatlichen Altersvorsorgeverträgen und Forderungen gegenüber anderen Haushalten.

Die Preisentwicklung von Aktien wird durch verschiedene Aktienkursindizes erfasst. Mittels der Daten der Coordinated Portfolio Investment Survey (CPIS) des Internationalen Währungsfonds (IWF) wird die geographische Gewichtung deutscher Aktieninvestitionen bestimmt und, basierend darauf, MSCI-Kursindizes entsprechend zueinander gewichtet.

Analog zum Vorgehen bei den Aktieninvestitionen wird die geographische Verteilung von Renteninvestitionen mittels Daten des IWF und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) bestimmt, und die Preisentwicklung anhand der entsprechenden Rentenpreisindizes von Barclays Bank PLC. berechnet. Hierbei werden sowohl Staats- als auch Unternehmensanleihen mit verschiedener Bonität und Restlaufzeit berücksichtigt.

Das sonstige Finanzvermögen, welches nicht durch die drei vorhergehenden Kategorien abgedeckt ist, wird stellvertretend durch die Entwicklung der Preise von Gold und Rohstoffen gemessen. Für die Preisentwicklung von Rohstoffen wird hierbei der Thomson Reuters Continuous Commodity Index verwendet, welcher die Preisentwicklung von Futures auf diverse Rohstoffe wiedergibt. Der Goldpreis wird über den London Bullion Market erhoben.

Zur Aufteilung des Kapitals, welches in Versicherungsverträgen und Fonds gebündelt ist, werden Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und des Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) genutzt.

Bei Zeitreihen mit tagesaktuellen Werten wird stets der durchschnittliche Tagesendindexstand des letzten Quartalsmonats genutzt. Bei monatlich verfügbaren Indizes wird der letzte Monatswert im Quartal herangezogen.

Durch Revision historischer Daten der zugrundeliegenden Zeitreihen kann es zu einer Abweichung der historischen Indexwerte von vorherigen Veröffentlichungen kommen.

Veröffentlichung

Der FvS Vermögenspreisindex erscheint quartalsweise. Die Indexwerte eines Quartals werden zur Mitte des Folgequartals publiziert:

Erstes Quartal: 15. Mai
Zweites Quartal: 15. August
Drittes Quartal: 15. November
Viertes Quartal: 15. Februar des Folgejahres

Sollte der Termin auf ein Wochenende oder einen gesetzlichen Feiertag fallen, so erfolgt die Veröffentlichung am darauffolgenden Werktag.

Datenquellen:

Artprice.com
Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ)
Barclays Bank PlC
Bundesverband Investment und Asset Management (BVI)
Deutsche Bundesbank
destatis - Statistisches Bundesamt
Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) e.V.
Historic Automobile Group International (HAGI)
Internationaler Währungsfonds (IWF)
Liv-ex Ltd
ThomsonReuters
vdpResearch GmbH