2025 gaben DAX-Konzerne 16,1 Mrd. Euro für eigene Aktien aus. Warum investieren sie nicht? Ein Blick auf Renditen, Bewertungen und Kapitalallokation zeigt: Die Rückkäufe sind Folge der Wirtschaftsschwäche, nicht ein Widerspruch.
🎧Für Podcast-Liebhaber: In ca.fünf Minuten werden in unserem KI-generierten Podcast (erstellt mit NotebookLM) die wichtigsten Punkte des Konjunkturberichts diskutiert.

Warum aber kaufen die Unternehmen ihre eigenen Aktien, anstatt zu investieren?
Um dies nachzuvollziehen, muss man einen Blick in die Entscheidungsfindung der Unternehmen über ihre Kapitalverwendung, genannt Kapitalallokation, werfen. Das Management eines Unternehmens muss entscheiden, wie freie verfügbare Mittel (Free Cashflow), die in der Regel aus dem operativen Geschäft stammen, eingesetzt werden: Horten, Schulden tilgen, investieren oder den Anteilseignern auszahlen.
Horten bietet sich an, wenn die Rückklagen des Unternehmens gestärkt werden sollen. Die vorzeitige Tilgung von Schulden stellt eine attraktive Option dar, wenn die Verschuldung als zu hoch empfunden wird und die Zinslast reduziert werden soll. Die Kennzahl Nettoverschuldung zu EBITDA erlaubt einen Blick auf die finanzielle Situation der Unternehmen (Abbildung 2). Im Durchschnitt der Unternehmen beträgt die Nettoverschuldung 75 Prozent des EBITDA und liegt damit im langfristigen historischen Mittel. Die Nettoverschuldung steht damit in einem stabilen und gesunden Verhältnis zur Ertragskraft der Unternehmen. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass kein erhöhter Bedarf bei den Konzernen auszumachen ist, Liquidität zu horten oder vorzeitig Schulden zu tilgen.

Soll das Geld für neue Investitionen verwendet werden, so ist die Erwartung über die Rendite der anvisierten Projekte entscheidend. Das Management sollte nur dann ein Projekt realisieren, wenn die erwartete Rendite oberhalb der Kapitalkosten liegt. Die Energie-, Lohn- und Standortkosten für deutsche Konzerne sind hoch und die Inlandsnachfrage ist schwach. Auch der Export ist unter Druck, denn der Handel mit China, einem wichtigen Partner vieler DAX-Konzerne, ist rückläufig und über den transatlantischen Beziehungen lastet die Zollpolitik des US-Präsidenten Donald Trump. All diese Faktoren dämpfen die Geschäftsstimmung und die Wachstumsaussichten für die deutsche Wirtschaft.1 Als Folge fallen die erwarteten Renditen auf Investitionen der Konzerne gering aus, wodurch derzeit neue Investitionen nur selten eine attraktive Kapitalverwendungsmöglichkeit bieten.
Wie funktionieren Aktienrückkäufe?
Schlussendlich bleibt die Auszahlung an die Anteilseigner. Üblicherweise erfolgt diese bei börsennotierten Unternehmen über Dividenden. Da Kapitalmärkte jedoch sehr sensibel auf Änderungen einer etablierten Dividendenstrategie reagieren, hält das Management Dividenden möglichst stabil.2 Aktienrückkäufe bieten daher eine gute Alternative. Das Unternehmen kauft eigene Aktien am Kapitalmarkt zurück, um diese einzuziehen. Dadurch wird Vermögen vom Unternehmen an die Anteilseigner transferiert. Investoren, die ihre Aktien verkaufen, erhalten Cash, während die verbleibenden Aktionäre einen größeren Unternehmensanteil halten. In der bekannten „Kuchenanalogie“ gehört jedem verbleibenden Aktionär danach ein größerer Teil des Kuchens, auch wenn der gesamte Kuchen kleiner geworden ist.
Ein Vorteil von Aktienrückkäufen liegt für das Unternehmen in ihrer Flexibilität, da das Unternehmen frei über Zeitpunkt und Umfang der Rückkäufe und damit auch der Ausschüttung entscheiden kann. Für verbleibende Aktionäre ergibt sich der Vorteil, dass im Gegensatz zur Dividende keine Reinvestitionsentscheidung nötig ist, da der Rückkauf wie eine automatische Wiederanlage der Ausschüttung in die Aktie wirkt.
Steigen die Preise durch Aktienrückkäufe?
Ein Rückkauf kann den Preis einer Aktie beeinflussen. Die Ankündigung eines Rückkaufs signalisiert entweder eine gute Liquiditätslage des Unternehmens oder die Einschätzung des Managements, dass die Aktie unterbewertet ist und kann so eine positive Kursreaktion unmittelbar nach der Ankündigung auslösen. Die anschließende Durchführung der Rückkäufe wirkt zwar kursstabilisierend oder positiv auf den Aktienpreis, da sie die Nachfrage nach der Aktie erhöht. Ein langfristiger Preisanstieg entsteht dadurch jedoch nicht.3 Zwar steigt nach Rückkauf und Einzug der Aktien durch die geringere zirkulierende Anzahl an Aktien der Gewinn je Aktie, gleichzeitig verändert sich aber die Risikostruktur des Unternehmens. Durch die Auszahlung des Barvermögens sinkt die Liquidität und durch die Reduzierung des Eigenkapitals steigt die Verschuldung relativ zum Eigenkapital. Beide Effekte erhöhen das Risiko und drücken so die Bewertung. Schlussendlich gleichen sich die Effekte aus, so dass hierdurch kein Kursanstieg entstehen kann. Ein nachhaltiger Kursanstieg durch einen Aktienrückkauf entsteht nur dann, wenn der Rückkauf zu einer dauerhaft besseren Einschätzung der Aktie durch den Markt führt, also wenn der Titel zuvor tatsächlich unterbewertet war.4 Es gibt jedoch keinen technisch bedingten Zusammenhang, bei dem durch einen Aktienrückkauf automatisch der Preis der Aktie nachhaltig steigt.
Rechtfertigt das Bewertungsniveau einen Aktienrückkauf?
Letztlich stellt sich also die Frage, ob ein Aktienrückkauf derzeit auf Grund der Bewertung eine attraktive Alternative für die Verwendung der freien Mittel darstellt. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des DAX liegt seit dem Jahr 2025 auf einem leicht erhöhten Niveau (Abbildung 3), welches zunächst die Aktien der DAX-Konzerne teuer erscheinen lässt. Gleichzeitig entfielen aber auf das Jahr 2025 mehrere Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB), wodurch die Aktienkurse befeuert wurden und den Bewertungsanstieg rechtfertigen. Die Ankündigungen von Aktienrückkäufen zeigen, dass Unternehmen ihre eigene Aktie als profitable Investition aufgrund einer möglichen Unterbewertung ansehen. So bewirbt beispielsweise SAP Ende Januar 2026 die Ankündigung eines Aktienrückkaufs über 10 Mrd. Euro innerhalb von zwei Jahren mit operativer Effizienz, steigender Profitabilität und „Vertrauen in die nachhaltigen Stärken des Unternehmens“.5

Lähmen Aktienrückkäufe das Wachstum?
Aus Sicht der Unternehmen ist die Entscheidung für Aktienrückkäufe und gegen Investitionen nachvollziehbar. Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht ist es aber von Nachteil, wenn Unternehmen ihre Gewinne nicht dafür nutzen, um zusätzliche Investitionen zu machen, da dies das Wachstum lähmt. Gleichzeitig ermöglicht die Kapitalausschüttung den Investoren, die durch Aktienrückkäufe erhaltenen Mittel in andere Unternehmen zu investieren, die höhere Renditen versprechen und Wachstumsimpulse setzen können. Damit geht allerdings das Risiko einher, dass Mittel aus Deutschland in renditestärkere Märkte wie den US-Technologiesektor abfließen.
Die hohe Rückkaufaktivität kann auch als ein Resultat der lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank der 2010er Jahre gesehen werden. Zwar begünstigte die Geldpolitik einen hohen Beschäftigungsgrad, gleichzeitig wurden jedoch Bereinigungsprozesse in der deutschen Wirtschaft verzögert, so dass es in Teilen der deutschen Wirtschaft zu einer „Zombifizierung“ gekommen ist. In diesem Umfeld der Wachstumsschwäche, im dem zwar viele Gelder nicht zuletzt auf Grund der geringen Finanzierungskosten zirkulieren, fehlen den Unternehmen rentable Investitionsmöglichkeiten, so dass sie sich für eine Kapitalausschüttung über Aktienrückkäufe entscheiden.
Die Politik möchte der wirtschaftlichen Flaute gegensteuern. Durch die Neuverschuldung, genannt „Sondervermögen“, soll im Sinne einer keynesianischen Konjunkturpolitik durch staatliche Investitionen die Wirtschaft angekurbelt werden. Der Staat ersetzt privatwirtschaftliche Investitionen. Da jedoch bereits die Staatsquote in Deutschland bei über 50 Prozent liegt und damit auch im internationalen Vergleich sehr hoch ist6, ist zu bezweifeln, dass dieser Weg erfolgreich ist. Die Politik täte besser daran, einen Ordnungsrahmen zu schaffen, der Unternehmen ermutigt zu investieren. Ein erster Schritt in diese Richtung könnte durch eine umfassende Deregulierung sowie durch eine Reduktion der Steuer- und Abgabenlast erreicht werden.
Aktienrückkäufen wegen Wirtschaftsflaute!
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die verstärkten Aktienrückkäufe der DAX-Konzerne das Resultat einer rationalen Kapitalallokation im derzeitigen gesamtwirtschaftlichen Umfeld sind. Man kann daher nicht von „Aktienrückkäufen trotz Wirtschaftsflaute“ sprechen, sondern eher von „Aktienrückkäufen wegen Wirtschaftsflaute“. Da das Jahr 2026 noch jung ist und Unternehmen häufig noch vor den Hauptversammlungen im Frühjahr neue Rückkaufprogramme ankündigen, bleibt gespannt abzuwarten, wie hoch das tatsächlich für Aktienrückkäufe vorgesehene Kapital dieses Jahr ausfallen wird. Der 2024er Rekord könnte noch gebrochen werden.
Literaturverzeichnis
Damodaran, Aswath (2014): „Stock Buybacks: They are big, they are back and they scare some people!”, Blogeintrag “Musing on Markets”. 22.09.2014.
Black, Fischer (1976): “The Dividend Puzzle”, in: The Journal of Portfolio Management, Vol. 2, Nr. 2.
Ifo Institut Deutschland: ifo Geschäftsklimaindex unverändert (Januar 2026), 26.01.2026.
Theo Vermaelen (2010): “Share Repurchases” in Foundations and Trends in Finance, Vol. 1, Nr. 3.
Vermaelen, Theo (2010): “Share Repurchases” in Foundations and Trends in Finance, Vol. 1, Nr. 3.
SAP (2026): “Q4 & FY 2025 Financial Results Conference Call“ 29.01.2026.
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1Siehe ifo Geschäftsklimaindex unverändert (Januar 2026) | ifo Geschäftsklima Deutschland | ifo Institut
2Siehe bspw. Fischer Black (1976): The Dividend Puzzle, in: The Journal of Portfolio Management, Vol. 2.
3Theo Vermaelen (2010): “Share Repurchases” in Foundations and Trends in Finance, Vol. 1, No. 3.
4Siehe Aswath Damodaran (2014): „Stock Buybacks: They are big, they are back and they scare some people!.
5Siehe SAP Q4 & FY 2025 Financial Results Conference Call 29.01.2026.
6BMF-Monatsbericht Dezember 2025 - Staatsquoten im internationalen Vergleich
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