STUDIE. Der Euro ist aufgrund einer immer noch großen Heterogenität kein optimaler Währungsraum. Der Zusammenhalt kann nur durch EZB und EU gesichert werden, was mit Wachstums- und Verteilungsrisiken verbunden ist.
🎧Für Podcast-Liebhaber: In ca. 5 Minuten werden in unserem KI-generierten Podcast (erstellt mit NotebookLM) die wichtigsten Punkte der Studie diskutiert.
Executive Summary
Das Ziel der Studie
Die Studie untersucht, ob der Euroraum mehr als 25 Jahre nach Einführung des Euro ein optimaler Währungsraum ist. Das ist wichtig, damit die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank Inflation und Wachstum stabilisieren kann, statt mögliche Ungleichgewichte zu verstärken.
Ausgangspunkt ist die Theorie Optimaler Währungsräume des kanadischen Ökonomen Robert Mundell. Diese geht davon aus, dass eine gemeinsame Geldpolitik nur dann effizient ist, wenn wirtschaftliche Strukturen und Konjunkturzyklen ähnlich sind. Oder es stehen alternative Anpassungsmechanismen wie flexible Arbeitsmärkte, integrierte Kapitalmärkte und Finanztransfers zur Verfügung.
Wenn die Konjunktur beispielsweise in Deutschland in Spanien gleich verläuft, dann kann die EZB in der Rezession die Zinsen senken, um den Aufschwung in beiden Ländern zu erleichtern. Wenn beide Länder im Boom sind, kann die EZB die Zinsen erhöhen, um in beiden Ländern die Inflation zu bremsen. Wenn jedoch Deutschland in der Krise und Spanien im Boom ist, kann sie keine Geldpolitik machen, die für beide Länder passt.
Ergebnis: der Euro war und ist noch kein optimaler Währungsraum
Das Ergebnis ist, dass der Euroraum zu Beginn kein optimaler Währungsraum war und auch noch nicht geworden ist. Entgegen den Erwartungen hat die Einführung des Euro nicht zu einer Konvergenz der Euroländer geführt, die sicherstellen würde, dass die Geldpolitik der EZB in allen Teilen des Währungsraums gleich wirkt.
Denn die Währungsunion hat einen Konstruktionsfehler, weil die Euroländer keine gemeinsame Finanz- und Sozialpolitik in Brüssel haben, die unterschiedliche wirtschaftliche Entwicklungen ausgleichen bzw. abfedern könnte. Die EU-Regionalpolitik ist dafür zu klein und zu zielunscharf. Die fehlende Reformwilligkeit europäischer Politiker hat die Arbeitsmärkte nicht ausreichend flexibel gemacht.
Die Eliminierung aller Wechselkursschwankungen hat auch nicht dazu geführt, dass sich über mehr Handel zwischen den Euroländern die Konjunkturzyklen angeglichen haben. Auch die Kapitalmärkte im Euroraum haben nicht wie erhofft zu einer Konvergenz beigetragen. Sie haben im Gegenteil im Zusammenspiel mit unkoordinierten Finanzpolitiken maßgeblich zu neuen Ungleichgewichten und zur europäischen Finanz- und Schuldenkrise beigetragen.
EZB und EU müssen den Euroraum zusammenhalten
Die Eurokrise hatte zur Konsequenz, dass zur Stabilisierung des Euros umfangreiche Kohäsionsmechanismen aufgebaut werden mussten: Rettungsschirme (EFSF, EFSM, ESM), massive Anleihekäufe und Längerfristige Refinanzierungsgeschäfte sowie die Target2-Salden des Eurosystems.
Seit einiger Zeit gleichen schuldenfinanzierte EU-Ausgabenprogramme wie das Arbeitsmarktprogramm SURE (100 Mrd. Euro) und NextGenerationEU (809 Mrd. Euro) wirtschaftliche Unterschiede im Euroraum aus. Die Sorgenkinder Spanien und Italien haben sich dadurch gut entwickelt, aber die Eurokernländer Frankreich und Deutschland schwächeln unter der Last.
Die schleichende Transformation zu einer Haftungs- und Transferunion hat negative Wachstums- und Verteilungswirkungen, die zur politischen Polarisierung in Europa beitragen. Aus dieser Sicht scheint eine Fortsetzung der Eurorettungspolitik nicht auf Dauer möglich.
Szenarien für eine dauerhafte Tragfähigkeit des Euroraums
Die Rückkehr zu strikter Stabilitätsorientierung, wie sie in den Maastricht-Verträgen verankert ist, würde eine restriktivere Geldpolitik und damit mehr Finanzdisziplin auf der Ebene der Nationalstaaten und der Europäischen Union erfordern. Der Vorteil wären positive Wachstumseffekte, die den Euro politisch und wirtschaftlich stabilisieren würden.
Auch die Vollendung der politischen Union mit einer gemeinsamen Finanz- und Sozialpolitik einschließlich eines institutionalisierten regionalen Finanzausgleichs in der EU kann die Stabilität des Euros auf Dauer sichern. Dabei stellt sich die Frage, wie auf supranationaler Ebene das Verhältnis von EU-Finanzpolitik und EZB-Geldpolitik ausgestaltet würde – stabilitätsorientiert oder einer von der EU abhängigen Zentralbank.
Wenn beide Optionen politisch nicht möglich sind, könnte eine geordnete Aufteilung der Währungsunion in einen Nord- und einen Südeuro Spannungen reduzieren. Der resultierende Währungswettbewerb könnte Produktivitätsgewinne erzeugen, die Europa wirtschaftlich und politisch stabilisieren könnten.
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