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Wirtschaft & Politik

US-Fed: Kommt die Warsh-Wende?

- Gunther Schnabl , Tom Bugdalle

STUDIE. Kevin Warsh hat das Amt als Chairman der Federal Reserve offiziell am 15. Mai 2026 angetreten. Während unter seinem Vorgänger Jerome Powell die Bilanz der Fed historisch stark gewachsen ist, fordert Warsh eine deutliche Verkürzung der Fed-Bilanz. Was würde das für die Geldpolitik der USA bedeuten?

🎧Für Podcast-Liebhaber: In ca. sechs Minuten werden in unserem KI-generierten Podcast (erstellt mit NotebookLM) die wichtigsten Punkte der Studie diskutiert. 

Kevin Warshs Ernennung zum neuen Vorsitzenden der US-Notenbank Fed signalisiert einen grundlegenden Wandel in der US-amerikanischen Geldpolitik. Gemeinsam mit US-Finanzminister Scott Bessent sieht Kevin Warsh die expansive Geldpolitik der vergangenen Jahre als Ursache verzerrter Kapitalmärkte, steigender Vermögenspreise und gewachsener Ungleichheit. Durch den umfangreichen Ankauf von Staatsanleihen und hypothekenbesicherten Wertpapieren habe die Fed faktisch fiskalpolitische Aufgaben übernommen und damit ihre Unabhängigkeit geschwächt. Während unter Jerome Powell die Bilanz der Fed massiv ausgeweitet wurde, plädiert Warsh für eine deutliche Reduktion der Zentralbankbilanz sowie eine stärkere institutionelle Trennung von Geld- und Finanzpolitik.

Kevin Warsh hat einen „neuen Treasury-Fed Accord“, d.h. einer neu gestärkten Unabhängigkeit der Fed vom US-Finanzministerium, ins Gespräch gebracht. Die Fed solle sich wieder primär auf die Steuerung kurzfristiger Zinsen konzentrieren, um entsprechend ihrem Mandat Inflation und Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Hingegen sollen langfristige Zinsen wieder stärker durch den Markt bestimmt werden. Dazu soll die Bilanz der Fed verkleinert werden, insbesondere auch durch die Reduktion des Bestands an hypothekenbesicherten Wertpapieren, was Leitzinssenkungen ermöglichen würde (QT-for-Cuts). Dies würde einer steileren Zinsstrukturkurve entsprechen: niedrigere kurzfristige, aber höhere langfristige Zinsen und damit wieder eine höhere Heterogenität von Zinsen auf Staatsanleihen mit unterschiedlichen Fristigkeiten. Treasury und Fed sollten sich dahingehend koordinieren, dass beide Akteure mehr kurzfristige Anleihen emittieren bzw. halten.

Allerdings birgt eine Reduktion der Fed-Bilanz erhebliche Risiken. Die USA sind hoch verschuldet. Steigende langfristige Zinsen würden die Zinslast des Staates weiter erhöhen und die Glaubwürdigkeit des Dollars als internationaler Leitwährung weiter schwächen. Zudem könnten bei dem Verkauf von Vermögenswerten durch die Fed sinkende Reserven der Geschäftsbanken neue Instabilitäten im Finanzsystem hervorrufen, wie bereits während früherer Phasen des Quantitative Tightening (QT). Der Immobilienmarkt wäre aufgrund steigender Hypothekenzinsen unter Druck, was gesellschaftliche Spannungen erhöhen würde. Steigende Kreditzinsen würden die Investitionen und das Wachstum bremsen.

Die Zinslast der USA könnte gesenkt werden, wenn das Treasury höher verzinste langfristige Anleihen durch niedriger verzinste kurzfristige Anleihen ersetzt. Die regulatorische Anerkennung von kurzfristigen Treasuries für die Liquiditätsreserven der Banken und der Zwang, Stable Coins mit hochliquiden Vermögenswerten zu hinterlegen, dürften mehr private Nachfrage nach kurzfristigen US-Staatsanleihen erzeugen. Durch die regulatorische Absenkung der Liquiditätsanforderungen an Banken würde das Stresspotential im Bankensektor bei einer Bilanzverkürzung der Fed reduziert. Das US-Finanzministerium wirkt bereits jetzt durch den Ankauf von hypothekenbesicherten Wertpapieren den Zinseffekten der Verkäufe dieser Papiere durch die Fed entgegen. Höhere Kreditzinsen würden den Druck auf US-Unternehmen erhöhen, mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz Effizienzgewinne voranzubringen.

Kevin Warshs Ernennung könnte einen wichtigen geldpolitischen Wendepunkt hin zu einem stabileren Dollar darstellen. Der zielgerichtete Ernennungsprozess von Warsh sowie die abgestimmte Strategie von Zentralbankpräsident Kevin Warsh und Finanzminister Scott Bessent signalisieren, dass die US-Regierungen grundlegende Veränderungen bei der institutionellen Ausrichtung der Fed erreichen will. Allerdings bleibt unklar, ob Warsh im Federal Open Market Commitee (FOMC) eine entsprechende Mehrheit hat. Während die USA eine Stabilisierung des Dollars und eine Begrenzung der Zentralbankbilanz anstreben, sind vergleichbare Debatten im Euroraum oder in Japan bislang kaum sichtbar. Daraus resultierende Kapitalabflüsse aus Japan und Europa in die USA könnten zum Erfolg der geldpolitischen Wende unter Kevin Warsh beitragen.

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